Mehr als 27 Jahre nach einem der schwersten Kriegsverbrechen im Kosovokrieg hat ein Prozess gegen frühere serbische Amtsträger begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft den 21 Männern unter anderem Mord, Folter, unmenschliche Behandlung und Vertreibung von Zivilisten nach Albanien vor.

Es geht um das Massaker von Recak im Januar 1999, das den Kriegsverlauf maßgeblich beeinflusste. Es trug unter anderem zur Entscheidung der Nato bei, Luftangriffe auf die Truppen des damaligen serbischen Machthabers Slobodan Milošević zu fliegen.Laut der Anklage hätten serbische Kräfte das Dorf Recak damals beschossen, anschließend Häuser durchsucht und 42 unbewaffnete Zivilisten aus nächster Nähe erschossen. Sie starben nicht infolge von Kämpfen, sondern durch »vorsätzliche, geplante und systematische Hinrichtungen«, heißt es. Die Angeklagten hätten den Angriff demnach mit geplant und ausgeführt.

Serbien bestreitet bis heute, dass in Recak ein Massaker an Zivilisten verübt wurde. Auch der heutige serbische Präsident Aleksandar Vučić bezeichnete die Getöteten wiederholt als Kämpfer der Kosovo-Befreiungsarmee UCK. Nach dem Abzug der serbischen Truppen infolge der Luftangriffe wurde eine internationale Friedenstruppe im Kosovo stationiert. Das Gebiet erklärte 2008 seine Unabhängigkeit, die Belgrad nicht anerkennt.