Seit Monaten wird über die zweite Phase des von Donald Trump vermittelten Friedensplans im Gazastreifen gerungen. Nun soll es dem amerikanischen Präsidenten zufolge einen entscheidenden Durchbruch gegeben haben. Man habe sich auf eine „vollständige Entwaffnung“ der Hamas geeinigt, teilte Trump in der Nacht zu Freitag auf seiner Plattform Truth Social mit. Im Gegenzug würden die israelischen Streitkräfte aus dem abgeriegelten Küstengebiet abziehen.Eine internationale Stabilisierungstruppe solle mit „einer neuen palästinensischen Polizei“ zusammenarbeiten, um die Sicherheit der Bewohner des Küstengebiets und der Nachbarn zu gewährleisten, hieß es von Trump weiter. Israel werde seinerseits die Garantie erhalten, dass der „Gazastreifen nicht länger als Basis für Terroranschläge missbraucht wird“.Wadephul spricht von „hoffnungsvollen Nachrichten“Berichten zufolge soll in den kommenden zwei Wochen über letzte Details und einen konkreten Zeitplan verhandelt werden. Der gesamte Prozess solle demnach etwa 200 bis 350 Tage benötigen.Hintergrund der Verkündung sind Verhandlungen unter der Vermittlung Qatars, Ägyptens und der Türkei in Kairo, bei denen eine „weitgehende“ Einigung auf einen 15-Punkte-Fahrplan erreicht worden sein soll. Die Hamas habe sich bereit gezeigt, ihre Waffen unter die Aufsicht der palästinensischen Übergangsverwaltung sowie der internationalen Vermittler zu stellen, hieß es. Eine Übergabe an Israel sei nicht vorgesehen.International wurde das Abkommen begrüßt. Außenminister Johann Wadephul sprach am Freitag von „hoffnungsvollen Nachrichten“. Es sei nun „entscheidend, dass wirklicher Fortschritt erzielt wird und die Hamas tatsächlich die Waffen niederlegt“, schrieb er auf der Plattform X.Was aus dem „Meilenstein“ und „monumentalen Schritt“, von dem Trump in der Nacht zu Freitag sprach, folgen wird, ist indes fraglich. Eine offizielle Stellungnahme blieb zunächst sowohl von der Hamas wie auch vonseiten Israels aus. In der Vergangenheit waren immer wieder vermeintliche Durchbrüche verkündet worden, die dann jedoch an der konkreten Umsetzung scheiterten.„Wir haben nicht von Entwaffnung gesprochen“Grund dafür ist, dass die entscheidenden Probleme in Trumps Friedensplan nach wie vor nicht aus dem Weg geräumt sind. Der 20-Punkte-Plan des amerikanischen Präsidenten sieht ein umfassendes Arrangement für ein Ende des Krieges sowie die künftige Verwaltung des Gazastreifens vor. Ein Teil davon ist die Einrichtung mehrerer Gremien, wie etwa eines Friedensrats oder einer palästinensischen Technokratenregierung.Die Entwaffnung der Hamas gehörte dabei von Beginn an zu den zentralen Streitpunkten. Während Israel seine Truppen nicht abziehen will, bevor dieser Schritt vollständig umgesetzt ist, stellte die Hamas in der Vergangenheit stets die entgegengesetzte Forderung: Einer Entwaffnung werde man nur dann zustimmen, wenn die israelische Seite ihre Streitkräfte aus dem Gazastreifen abziehe. An dieser grundsätzlichen Pattsituation scheint sich bislang nicht viel geändert zu haben.Ein Mitglied des Verhandlungsteams der Hamas sagte am Freitag dem „Wall Street Journal“, die Gruppe habe sich zwar bereit erklärt, ihre Waffen zur Verwahrung einer von den Vereinigten Staaten unterstützten Übergangsregierung zu übergeben. Dies sei jedoch daran geknüpft, dass Israel seine Angriffe einstelle und humanitäre Hilfe für den Gazastreifen sicherstelle. Berichte, wonach die Hamas einer Entwaffnung zugestimmt habe, wies er dagegen zurück. „Wir haben nicht von Entwaffnung gesprochen, wir haben nicht davon gesprochen, die Waffen zu übergeben, und wir haben keiner israelischen Beteiligung zugestimmt“, sagte er dem Bericht zufolge. In einem Interview mit dem qatarischen Sender Al Jazeera führte er aus, man werde einer Entwaffnung nicht zustimmen, bevor Israel seine Truppen aus dem Gazastreifen abziehe.Israelischer Minister Ben Gvir widerspricht TrumpDie israelische Seite zeigte sich ihrerseits skeptisch. Von einem israelischen Regierungsvertreter hatte es kurz vor Trumps Ankündigung geheißen, Israel fordere eine vollständige Entwaffnung der Hamas, „einschließlich des Abtransports sämtlicher Waffen aus dem Gazastreifen und einer vollständigen Entmilitarisierung des Küstengebiets als Voraussetzung für jeden weiteren politischen Prozess“.Palästinenser am 30. Juli am Einschlagsort eines israelischen Luftangriffs auf Gaza StadtBloombergIsraelische Regierungsmitglieder wie der Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, gingen am Freitag noch weiter. „Mit Nazis spricht man nur durch das Fadenkreuz – und auf keine andere Weise“, ließ Ben-Gvir nach der Ankündigung Trumps wissen. „Die einzige Lösung für den Gazastreifen, an der Israel bereit ist mitzuwirken, besteht darin, die Auswanderung zu fördern und die Hamas zu vernichten – eine andere Lösung kommt nicht infrage“, schrieb der Minister auf X.Dass bislang keine Seite von ihrer Position abzurücken scheint, zeigte sich am Freitag auch in der Praxis. Palästinensischen Angaben zufolge wurden wenige Stunden nach Trumps Ankündigung abermals mehrere Bewohner des Gazastreifens bei einem israelischen Luftangriff verletzt. Bereits am Vortag hatte es laut Angaben aus dem Küstenstreifen sechs Tote durch einen israelischen Angriff gegeben. Insgesamt wurden laut palästinensischen Angaben seit der Waffenstillstandsvereinbarung im vergangenen Oktober mehr als 1000 Palästinenser getötet. Israel begründet die andauernden Angriffe mit Verletzungen der Waffenstillstandsvereinbarung vonseiten der Hamas.Was den Abzug der israelischen Truppen betrifft, deutet bislang ebenso wenig auf einen Fortschritt hin. Die „gelbe Linie“, hinter die sich die Armee im Oktober zurückgezogen hatte, wurde in den vergangenen Monaten immer weiter auf palästinensisches Gebiet verschoben. Neue Satellitenbilder zeigen zudem einen 22 Kilometer langen Erdwall, der sich durch den Küstenstreifen zieht und den israelisch kontrollierten Teil von den palästinensischen Gebieten abtrennt. Beobachter schätzen, dass Israel mittlerweile bis zu 70 Prozent des Gazastreifens kontrolliert.
Hamas Entwaffnung: Ist das Donald Trumps Durchbruch?
Der amerikanische Präsident behauptet, die Hamas habe ihrer Entwaffnung zugestimmt, und feiert einen „Meilenstein“. Entscheidende Probleme bleiben ungeklärt.












