An diesem Samstag sind es noch 48 Tage, bis es auf der Theresienwiese zum 191. Mal heißt „Ozapft is“. Und, das ist bei der traditionellen Pressekonferenz allen Anwesenden anzumerken: Man ist heilfroh, dass das Oktoberfest auch heuer im Wesentlichen so stattfinden kann, wie sie alle hier es kennen und lieben – von den üblichen kleineren Neuheiten einmal abgesehen. „Die Wiesn findet wie jedes Jahr statt“, so formuliert es Wiesnchef Christian Scharpf, alles sei noch einmal gut gegangen.Die „große Wiesnfamilie“, wie sowohl Scharpf als auch die ebenfalls anwesende Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) sagen, sie kann damit – zumindest vorerst aufatmen. Wer nicht mehr dazu gehört, wird an dieser Stelle wohl ganz bewusst ausgeklammert: Alexander Egger, jener Mann, der sich im Frühjahr angeschickt hatte, die Wiesn in ihren Grundfesten zu erschüttern, indem er die Zeltvergabe in Zweifel zog. Er ist bei der Pressekonferenz in der Gaststätte „Das Bad“ nicht dabei. Wie es in dieser Sache weitergeht, ist aktuell noch ungewiss. Am 11. September und damit nur acht Tage vor der Wiesn, wird sich mit dem Thema das Bayerische Oberste Landesgericht beschäftigen.Die Lücke, die Egger mit seiner Münchner Stubn auf der Wiesn hinterlassen hat, die ist, das wird Dietl gleich zu Beginn als eine der Neuheiten verkünden, indes bereits geschlossen: Dort wird heuer Klaus Bartl sein Flösserstadl errichten. Daneben, das ist schon länger bekannt, übernimmt Lorenz Stiftl das Paulanerfestzelt, seine Schützenlisl auf der Oidn Wiesn übernimmt wiederum das Wirte-Trio Michael Bietsch, Florian Fendt und Manfred Kneifel. Die historische Kegelbahn, die Bietsch betrieben hatte, betreibt künftig Sabine Erhard. Und noch ein neues Zelt wird es geben, zumindest optisch: Otto Lindinger baut Bodo’s Cafézelt komplett neu in Holzbauweise auf.Was sonst noch neu ist auf der Wiesn? Nach der Beinahe-Katastrophe im vergangenen Jahr, als das Festgelände wegen Überfüllung schließen musste, hat die Stadt vor allem beim Thema Sicherheit nachjustiert: Im Servicezentrum, wo sich bislang das Fundbüro befand, wurde nun eine neue Koordinierungsstelle samt Sicherheitszentrale geschaffen. Das Fundbüro selbst zieht ins Verkehrszentrum oberhalb der Wiesn.Denn, das räumt Scharpf ein: Einen Überblick über das Gelände, das gab es bislang in dieser Form nicht. Die neuen Überwachungskameras sollen nun mittels sogenannter Heatmaps die Bewegungsströme erfassen und helfen, sie zu lenken. Auch ein Crowdspotter wird heuer wieder im Einsatz sein. Vorgefertigte Durchsagen soll es keine mehr geben, vielmehr soll der Crowdspotter ganz gezielt mit Durchsagen auf eventuelle Lagen reagieren – vermutlich werde die Person aber nur zu den Stoßzeiten im Einsatz sein.Bei der Pressekonferenz stellen Christian Scharpf und Verena Dietl (von links) auch den neuen Wiesnkrug offiziell vor. Peter Kneffel/dpaDer Turm des Paulanerfestzelts steht bereits. Es wird heuer erstmals vom Wirtepaar Christine und Lorenz Stiftl betrieben, nachdem Arabella Schörghuber sich von der Wiesn zurückgezogen hat. Johannes SimonDie Figur des Dienstmannes Nr. 172, Alois Hingerl, dessen Pappkopf hier durch das halbaufgebaute Hofbräufestzelt gefahren wird, stammt aus der Geschichte „Ein Münchner im Himmel“ und wacht während der 191. Wiesn unter dem Bierzeltdach über die Besucher. Peter KneffelDaneben hat die Stadt laut Scharpf bereits im Mai eine Kampagne namens „How to Wiesn“ gestartet. Die soll vor allem internationale Gäste dazu animieren, auch unter der Woche oder tagsüber zu kommen – und nicht nur an den Wochenenden, wenn die Zelte traditionell voll sind. Auch Google werde dabei unterstützen, so der Wiesnchef. Das Unternehmen habe sich bei der Stadt gemeldet und angeboten, Echtzeitstände an Nutzer zu übermitteln.Was noch helfen soll, den Andrang auf der Wiesn zu entzerren: Die Musik in den Zelten darf früher zu spielen beginnen. Mit Ausnahme vom Eröffnungstag am 19. September darf wochentags schon ab 12 Uhr und an den Wochenenden bereits ab 10 Uhr aufgespielt werden – allerdings, das betont Scharpf, sei bis 12 Uhr nur traditionelle Blasmusik erlaubt: „Nix mit ‚Who the fuck is Alice‘.“ So viel Tradition muss sein.Zu guter Letzt sollen, wie bereits im vergangenen Jahr angekündigt, auch die Wirte ihren Beitrag dazu leisten, die Besucherströme zu lenken, indem die Reservierungswechsel besser aufeinander abgestimmt werden. Dazu würden, so Scharpf, vor den Zelten oder auch digital klare Hinweise angebracht, damit jene, die einen Tisch reserviert hätten, wüssten, zu welchem Eingang sie müssen. „Kein Mensch weiß, wo N3 ist“, so der Wiesnchef.Ich brauche keine RekordwiesnWiesnchef Christian ScharpfEin Risiko für Szenen, wie sie sich am vergangenen Wochenende in Berlin abgespielt haben, als ein Mann mit einem Auto in eine Menschenmenge am Rande des CSD gefahren war, sieht Scharpf indes nicht. Zwar könne es, wie er schon in der Vergangenheit wiederholt hatte, etwas wie hundertprozentige Sicherheit bei einer Großveranstaltung wie der Wiesn nicht geben. Durch den weitläufigen Sperrring rund um die Theresienwiese sei es aber „ziemlich ausgeschlossen“, dass ein Auto es aufs Festgelände schaffe.Neben diesen recht großen Neuerungen gibt es aber auch noch ein paar kleinere. So ist es heuer zum ersten Mal möglich, Rollstühle online zu reservieren. Jeweils zwei stehen an den Eingängen Hans-Fischer-Straße und in der Nähe des Haupteingangs zur Verfügung. Und auch sonst rüstet die Stadt in Bezug auf Barrierefreiheit einmal mehr nach: Nach den Straßen 1, 2 und 3 wird heuer Straße 4 barrierefrei ausgebaut, außerdem sollen an mehreren Stellen auf dem Gelände Schlüsselbänder mit einer Sonnenblume darauf erhältlich sein. Wer ein solches trägt, gibt zu erkennen, dass er eine unsichtbare Einschränkung hat – sei es Autismus, eine Angststörung oder eine Hörbeeinträchtigung. Das Personal auf der Wiesn, verspricht Scharpf, sei entsprechend geschult.Worauf sich Scharpf persönlich noch freut: Mit dem Rundfahrgeschäft „Shake & Roll“, dem Schau- und Belustigungsgeschäft „Fisherman's“ und dem „Chaos Pendel“ gibt es heuer gleich drei Fahrgeschäfte, die auf der Wiesn Premiere feiern. Worauf der Wiesnchef in seinem zweiten Jahr indes verzichten kann: „Ich brauche keine Rekordwiesn.“ Überhaupt scheint die selbst ernannte Wiesnfamilie nach für sie turbulenten Wochen und Monaten froh zu sein, wenn möglichst viel so bleibt, wie es war. Von ein paar kleinen Neuerungen mal abgesehen.