Diese Mischung öffnet Türen, also auf zum „Speed-Dating internationaler Politik“, wie die Reise von der bayerischen Staatskanzlei angekündigt wird, zu deren Kernkompetenz ganz zweifellos das wirkungsvolle Betiteln von Söders Aktivitäten gehört. Die „Südosteuropa-Strategie“ Bayerns gilt es zu intensivieren, indem brachliegende Kontakte wiederbelebt werden (in Ungarn), alte Kontakte gepflegt (in Griechenland) und neue Kontakte geknüpft werden sollen (in Moldau).SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Um die großen Linien soll es also gehen, nicht um die Unerfreulichkeiten daheim, wo der Kanzler nach einer rumpeligen Kabinettsumbildung in Berlin in Urlaub geht und sich auch im politischen München immer wieder die Frage stellt, was Söder selbst eigentlich noch so vorhat.Es geht zuerst nach Ungarn, wo Ministerpräsident Péter Magyar sich gerade daran macht, das Land nach 16 Jahren Regierungszeit von Victor Orbán komplett umzukrempeln. Korruption bekämpfen, Rechtsstaatlichkeit zurückholen, die Demokratie sichern – es sind hohe Erwartungen, die auf dem 45-jährigen Regierungschef lasten. Noch in der Wahlnacht hatte Söder gratuliert, nun ist er einer der Ersten, der zu Besuch kommt.Magyar nimmt sich Zeit und nennt es eine „ungeheure Ehre“, dass es endlich wieder ein Treffen mit einem bayerischen Ministerpräsidenten gebe. Diplomatische Höflichkeit, freilich, aber der Mann klingt aufrichtig erfreut. Es sei „sicher kein Zufall“ und „sehr schmerzvoll“, dass es in den vergangenen Jahren eben keine engen Beziehungen gegeben habe. „Die Eiszeit hat uns allen wehgetan“, ergänzt Söder und spricht von einem Comeback, das Ungarn feiere.Auf internationaler Bühne bewegt sich Ministerpräsident Markus Söder (links) gerne – seine Kurzreise durch drei Länder in zwei Tagen startete er in Ungarn bei Ministerpräsident Péter Magyar in Budapest. Foto: Katja AuerZwar hatte die CSU-Landesgruppe den damaligen rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Orbán noch im Jahr 2015 nach Kloster Banz eingeladen. Damals war die Flüchtlingskrise in Europa auf ihrem Höhepunkt und der damalige CSU-Chef Horst Seehofer demonstrierte mit dem Ungarn eine gemeinsame, harte Linie – gegen die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel. Danach erkaltete das Verhältnis jedoch schnell, je mehr Orbán eine rechtspopulistische und anti-europäische Linie verfolgte.Das ist vorbei. In diesen Tagen war die ungarische Außenministerin Anita Orbán – nicht verwandt mit dem früheren Regierungschef – bei der Sommerklausur der CSU-Landesgruppe in Banz zu Gast, die Wiederannäherung läuft auf mehreren Ebenen. Auch sie will die Beziehungen zu Bayern ausbauen. 100 000 Ungarn lebten derzeit im Freistaat, die bayerischen Autobauer BMW und Audi seien die entscheidenden Investoren für die ungarische Volkswirtschaft, sagte Orbán. Die Wirtschaft ist auch das große Thema von Söder und Magyar, einen Tag, nachdem BMW einen großen Stellenabbau angekündigt hat.Ungarns Außenministerin Anita Orbán war bei der CSU-Landesgruppe im Bundestag in Kloster Banz bei der Somerklausur zu Gast – hier mit dem Vorsitzenden Alexander Hoffmann. Foto: Daniel Vogl/dpaBayern sei in Deutschland der wichtigste Handelspartner, sagt Magyar, 16,4 Milliarden Euro betrage das Handelsvolumen, mehr als sieben Milliarden Euro Direktinvestitionen kämen aus Bayern nach Ungarn. Mehr als 5700 Menschen sind in Ungarn bei bayerischen Firmen wie BMW beschäftigt. All das darf aus Magyars Sicht gerne noch mehr werden, dafür werde die neue Regierung „ein korruptionsfreies Umfeld schaffen“, verspricht er.Söder wiederum spricht nicht nur von einer „normalen Freundschaft, sondern einer strategischen Partnerschaft“. Das soll verschiedene Gebiete umfassen wie Forschung und Innovation, er ist aber auch auf der Suche nach Verbündeten gegen das Verbrenner-Verbot. Beide Ministerpräsidenten seien „gute Europäer“, sagt Söder, aber beide seien sie für „Kraft nach außen, aber mehr Freiheit nach innen“.Die pragmatische Stimme in Europa, noch so eine Rolle, die Söder derzeit gerne übernimmt. Gegen einen „überzogenen Green-Deal“, gegen das Verbrenner-Verbot, gegen zu viel Bürokratie. Er spricht nicht vom gesunden Menschenverstand, den Begriff hat Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger besetzt, aber es geht schon darum, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bekommen, wenn alle ihre Ansprüche ein wenig herunterschrauben.Söder in Texas:Howdy, PartnerFestspiele des Größenwahns? Da sind die Texaner noch besser als Markus Söder. Der USA-Trip ist für ihn trotzdem eine Art Wellness-Urlaub, weil das hier einfach sehr weit weg ist von den Wahlen, die seine CSU gerade so krachend verloren hat.Es gibt eine offizielle Pressekonferenz in Budapest, vor Flaggen, sehr staatsmännisch, dann ein kurzes Statement an der Donau, sonst nichts. Kein Gulasch, kein Foto auf der Fischerbastei, schon gar kein Besuch im Zoo. Söder isst nicht mehr, Söder singt nicht mehr (wie im ABBA-Museum in Schweden), Söder posiert nicht mehr mit Tieren (wie dem Plüsch-Pandabären in China oder dem echten Kamel Valentino in Ägypten). Seit den teils schmerzhaften Verlusten der CSU bei den Kommunalwahlen und der parteiinternen Kritik an so manchen Stilfragen gilt größtmögliche Seriosität. Und Söder zieht es durch. Ein Post von einem Glas Ananassaft mit der Akropolis im Hintergrund am Abend, das ist das Maximum an öffentlich demonstrierter Lässigkeit. Ein Glas Ananassaft!Eine gewisse Wirkung scheint bereits erreicht zu sein. Neben dem Durcheinander bei der Kabinettsumbildung von Kanzler Friedrich Merz, woraufhin diesen heftige Vorwürfe aus seiner CDU erreichten, scheint die CSU derzeit ein Hort an Stabilität zu sein. Innenminister Alexander Dobrindt wurde als neuer Unionsfraktionschef gehandelt, Landtagspräsidentin Ilse Aigner wird als potenzielle Bundespräsidentin genannt und Parteichef Söder selbst wirkte in der aufgeregten Sondersitzung der Unionsfraktion vor einigen Tagen wohl eher ausgleichend. Er stützt den Kanzler, auch das war nicht immer die Rolle des CSU-Chefs.Horst Seehofer in Interview:„Bayern ist nach wie vor die Vorstufe zum Paradies“Kann die CSU zurück zur alten Stärke finden? Bayerns früherer Ministerpräsident Horst Seehofer meint, 40 bis 50 Prozent Zustimmung seien möglich. Für Ilse Aigner hat er eine Jobempfehlung.Da ist beinahe schon vergessen, dass vor ein paar Wochen noch Briefe hin- und hergeschickt wurden in der CSU, in denen es um die Lage der Partei ging und um Stilfragen und natürlich immer auch um Markus Söder und dessen Zukunft.Eine neuerliche Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur hat er gerade wieder einmal ausgeschlossen, wackelnder Merz hin oder her, aber die Rolle des Staatsmannes und erfahrenen Vermittlers scheint ihm ganz gut zu gefallen. Und wenn heute jemand sagt, dass es möglicherweise doch ein Fehler gewesen sei, Söder damals nicht zum Kanzlerkandidaten zu machen, dann wird er nicht sehr laut widersprechen.Die Eiszeit in Ungarn ist also offiziell beendet, gegenseitige Einladungen sind ausgesprochen, er kann weiterreisen nach Athen. Dort empfängt ihn Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis, ein alter Bekannter, der griechische Regierungschef ist seit 2019 im Amt, fast so lange wie Söder.Aus dem kurzen Vieraugengespräch wird eine ganze Stunde, am Abend gibt es ein Essen auf Einladung des stellvertretenden Ministerpräsidenten Kostis Hatzidakis, an dem gleich mehrere Minister und Ministerinnen teilnehmen. Auch hier sieht es ganz so aus, als ob die Bayern auf Augenhöhe agieren.Ministerpräsident Markus Söder (rechts) führt mit dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis ein etwa einstündiges Gespräch in Athen. Foto: Katja AuerSöder lobt gar die Griechen für ihren Reformkurs, mit dem sie den Weg aus ihrer Schuldenkrise geschafft hätten. Das wird sich nicht jeder Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes herausnehmen, aber an der Bedeutung Bayerns zweifelt bekanntermaßen dessen Regierungschef am wenigsten. So war es auch der damalige bayerische Finanzminister Markus Söder, der 2012 den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone forderte, weil er den Reformwillen vermisste.Längst vergessen. „Das ist heute ein anderes Land, eine andere Regierung, eine andere Wirtschaft“, sagt Söder. Griechenland habe den Reformweg geschafft, wenngleich mit harten Einschnitten.Einen Verbrenner-Verbündeten habe er in Mitsotakis ebenfalls, der zudem finde, dass aus Europa zu viel Bürokratie kommt. Außerdem hätten die beiden eine engere Zusammenarbeit vereinbart, bei Hightech, bei Energie, bei Sicherheit.Als „Anwalt und Mittler für Südosteuropa“ verstehe sich Bayern, sagt Söder. Er leitet aus historischen und geografischen Gründen eine Nähe her, wie sie westliche Bundesländer zu Holland und Frankreich oder östliche zu Polen hätten. Die Länder sollten merken, „dass sie in uns einen Freund haben“, deswegen unterstütze er auch den Beitritt zur Europäischen Union wie den von Moldau.Die Republik Moldau ist die letzte Station des politischen Speed-Datings, am Freitag in der Früh geht es nach Chișinău. Staatspräsidentin Maia Sandu kennt Söder schon, sie war vor einem Jahr zu Besuch und bekam den Franz-Josef-Strauß-Preis der Hanns-Seidel-Stiftung verliehen. Söder zeigte sich damals besonders großmütig und begrüßte sie „im schönsten Land der Welt, außer Ihrem natürlich“. Da ist es wieder, das Selbstverständnis.Markus Söder begrüßt die Ministerpräsidentin der Republik Moldau, Maia Sandu, am Gästehaus des Ministerpräsidenten in der Hauptstadt Chișinău. Foto: Marco Hadem/dpa„Dieser Preis war damals gut angelegt“, sagt Söder jetzt in Chișinău. Er lobt das Land, das an Rumänien grenzt und zu großen Teilen von der Ukraine umschlossen wird, für seinen Reformwillen, deswegen unterstütze er die Beitritts-Bemühungen. „Wir glauben, dass Moldau einen Platz in der Europäischen Union haben soll“, sagt Söder.Genau das hat Maia Sandu vor, die „starke Frau Europas“, wie sie Landtagspräsidentin Ilse Aigner bei der Preisverleihung in München nannte, will ihr kleines Land in die EU führen. Gegen den Willen des autokratischen Herrschers in Russland.„Die Republik Moldau kann viel von Bayern lernen“, sagt Sandu, etwa bei Industrie, Regionalentwicklung und Landwirtschaft. Sie zähle weiterhin auf die Unterstützung der Partner in Berlin und München. Einen Wunsch hat sie auch, nämlich dass noch mehr bayerische Unternehmen die Vorteile Moldaus entdeckten und in dem Land investierten.Am Freitag wurde zunächst vereinbart, eine Kommission für wirtschaftliche Zusammenarbeit einzurichten. Und schon im vergangenen Jahr hatte Söder Sandu unter den Schutz Bayerns gestellt, da könne ihr nichts mehr passieren. So geht das, als Anwalt Südosteuropas. Da braucht es gar keinen neuen Superlativ.
Der rasende Söder: Bayerns Ministerpräsident auf Polit-Tour durch Ungarn, Griechenland und Moldau
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder präsentiert sich auf seiner Reise als Anwalt Südosteuropas – und als seriöser Staatsmann. Es geht um Autos, Hightech und Europa.











