Das ist sein Film, das ist sein Abschied: Günther Maria Halmer, der als „Tscharlie“ in Helmut Dietls „Münchner Geschichten“ (1974/75) bekannt wurde und sich dann als Bayer der Herzen durch ein halbes Jahrhundert öffentlich-rechtlicher Fernsehgeschichte spielte; darunter eine Menge Stuss, aus dem er aber das Beste machte. Vor zweieinhalb Monaten ist Halmer im Alter von 83 Jahren gestorben. In „Servus Eddie – Spätes Glück“ spielt er den ehemaligen Arzt Adam Einmiller: seine letzte Rolle, die heimliche Hauptrolle in diesem Fall. Adam ist ein Gebrochener, der den ganzen Film über eigentlich sterben möchte, aber dabei ganz unverhofft erfährt, was Freundschaft bedeutet. Zumindest von fern erinnert das an die Überwältigungsdramaturgie von Frank Capras Klassiker „Ist das Leben nicht schön?“, auch wenn der Plot hier weit simpler ist.Trauern und zugleich einen gewinnenden, unverwechselbaren Charme ausstrahlen: eine Paraderolle für Halmer, den idealen Darsteller von Lebens- und Überlebenskünstlern. Eine Wohnung hat der einsame Adam nicht mehr. Oft übernachtet er am Grab seines jung gestorbenen Sohns, auf dessen Grabstein bereits der eigene Name eingraviert ist: ein letztes Band, ein letztes Versprechen. Und genau dieses Grab soll nun aufgelöst werden, denn die dreißig Jahre Ruhezeit sind abgelaufen – es sei denn, Adam treibt 1500 Euro für eine Verlängerung auf. Doch bereits der erste kleine Griff in den Klingelbeutel der Kirche bringt ihn mit der Polizei in Kontakt. Ihm bleiben nur noch wenige Tage, aber seine Eignung als Räuber wird einfach nicht besser. Eine alte Frau ausrauben? Lieber hebt er ihr dann doch den Schlüssel auf. So läuft alles auf die Notlösung zu: noch vor dem Stichtag selbst das Zeitliche segnen. Dann nämlich würde die Bestattung im bedrohten Familiengrab auf Kosten der Gemeinde erfolgen.Die Titelfigur des Films freilich ist jemand anderes: der Ordnungshüter Eddie, dem Adam nach dem Spendenraub in die Arme läuft. Eddie hat traurige Augen, grenzenlose Pläne und stolpert in viel zu großen Schuhen durchs Leben. Maximilian Brückner, der Eddie so verpeilt wie liebenswürdig spielt, kennt sich aus mit schrulligen bayrischen Helden („Schwarzach 23“, „Ein Münchner im Himmel“). Sein Eddie fühlt sich wie Bruce Willis, verhaftet auch mal eigenmächtig zwei dösige Dealer-Studenten, was zu bedeutend viel Ärger führt, auch weil ihm dabei die vom Vater geerbte Waffe abhandenkommt. In Wahrheit ist Eddie lediglich ein Streifenhörnchen bei der Münchner Polizei. Seinen Rang als Hauptkommissar im Drogendezernat hat er schon Jahre zuvor verloren.Auch dass er wieder bei seiner Mutter (Jutta Speidel) eingezogen ist, hat wohl nicht nur damit zu tun, dass sich Eddie um die wegen einer Angststörung die Wohnung nicht Verlassende kümmern muss. Er ist einfach nie ganz erwachsen geworden, ähnlich wie Halmers Tscharlie in den „Münchner Geschichten“: mit der Realität im Clinch, sich ständig in der eigenen Selbstüberschätzung verheddernd, aber golden im Herzen.So wie Adam seinen Sohn, vermisst Eddie den früh gestorbenen Vater; sie können sich gegenseitig etwas geben. Die Erzählung treibt solche Spiegelungen noch weiter: Auch das Grab von Eddies Vater wird fast zum selben Zeitpunkt aufgelöst wie das von Adams Sohn. Und die Wohnungslosigkeit kehrt aufseiten jener Frau wieder, die in der Kirche ein Benefizkonzert für Obdachlose organisiert hatte und dann von Adam bestohlen wurde. Wuchtig kollidiert diese „Frau Schröder“ (Marlene Morreis) mit Eddie, der gar nicht anders kann, als sich in die selbstbewusste Nervensäge zu verlieben.