Die „Reliquien der deutschen Nation“ seien „banaler Neugier ausgeliefert“ worden, schrieb der kulturpolitische Sprecher der AfD in Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider, auf der Website seiner Partei, als das Skelett Ottos des Großen in der Medizinischen Fakultät der Universität Halle gezeigt wurde. Harald Meller, der Landesarchäologe und Direktor des Museums für Vorgeschichte in Halle, hatte die dringend notwendige Sanierung des brüchig gewordenen kaiserlichen Sarkophags im Magdeburger Dom dazu genutzt, Ottos Gebeine wissenschaftlich untersuchen zu lassen, und sie bei einem Pressetermin der Öffentlichkeit vorgeführt. Bis zur Wiederbestattung und zur Schließung des Sarkophags im September werden die Knochen des Kaisers mit neuesten Forschungsmethoden durchleuchtet, auch im Hinblick darauf, ob man Otto wirklich als „Gründer des Deutschen Reiches und damit der Präfiguration unseres Staates“ bezeichnen darf, wie es Tillschneider tut. Kann man Archäologie „deutsch denken“? Darüber müssen wir reden. Wir treffen Harald Meller im Direktorenbüro des halleschen Museums, das gerade seine Sonderausstellung über die steinzeitliche Schamanin von Bad Dürrenberg aufgrund des großen Besucherandrangs bis 2027 verlängert hat.
Der Archäologe Harald Meller im Interview über Otto den Großen
Die AfD vereinnahmt Otto den Großen als Ahnherren der deutschen Nation. Landesarchäologe Harald Meller hält mit Wissenschaft dagegen. Er erforscht das Skelett des Kaisers und warnt vor der Rückkehr nationalistischer Geschichtsmythen.






