Neulich hat es einen Abend lang so ausgesehen, als würde Bayerns Politik von Frauen dominiert. Fast ausschließlich Rednerinnen auf der Bühne, allein der kabarettistische Beitrag kam von einem Mann. Und nicht nur das. Politikerinnen von CSU und Grünen fanden derart lobende Worte füreinander, dass man meinen konnte, eine schwarz-grüne Koalition sei längst ausverhandelt und wenn nicht, so dürfe es doch nur noch eine Frage der Zeit sein.Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze dankte der Landtagspräsidentin von der CSU für ihre „ruhige, klare und wertebasierte Haltung“. Landtagspräsidentin Ilse Aigner, mit schwarzem Blazer über grünem Shirt, sagte den Grünen, dass sie natürlich voll dazu gehörten in Bayern. Die frühere – und bislang einzige – CSU-Fraktionschefin Christa Stewens sprach sich für die Zusammenarbeit der Parteien der Mitte aus, zu denen sie ganz eindeutig die Grünen zählt.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Aber nein, es steht keine Trendwende bevor, es war das 40. Fraktionsjubiläum der Grünen, der einzigen Fraktion, in der die Frauen jemals die Mehreren waren und die von einer Chefin geführt wird. Und die Gastrednerinnen von der CSU vertraten nicht die Mehrheitsmeinung ihrer männerdominierten Partei, deren Vorsitzender Markus Söder gern und oft die These vertrat, dass die Grünen eben nicht zu Bayern passen.Ein Moment der Frauensolidarität also, wie schon im Kommunalwahlkampf, als auch diese Politikerinnen die Initiative „Bavaria ruft“ unterstützten. Damit sollten mehr Frauen motiviert werden, sich politisch zu engagieren und zu kandidieren.Manche Ergebnisse sind geradezu erschreckendDas hat leider nicht so geklappt wie erhofft. Schon nach den Kommunalwahlen im März zeigten die ersten Ergebnisse nicht auffällig mehr Frauen in Mandaten, nun haben wir es auch schriftlich: In Bayern sind die Frauen in der Politik nach wie vor unterrepräsentiert. Das Landesamt für Statistik präsentierte in dieser Woche die Zahlen.Manche sind geradezu erschreckend: Alle 25 Oberbürgermeister in Bayern sind männlich, unter den 71 Landräten sind nur noch sechs Frauen. Es haben sich sogar weniger Frauen für die Spitzenämter beworben als vor sechs Jahren.Bei den Gremien sieht es ein bisschen besser aus, der Anteil der gewählten Frauen ist um etwa zwei Prozentpunkte gestiegen, parallel zu der Zahl der Bewerberinnen. Dennoch: In den kreisfreien Städten, in denen der Anteil noch am höchsten ist, sind 36 Prozent der Stadträte weiblich, in den Kreistagen sind es nur 29,6 Prozent. Und in den Gemeinderäten liegt der Frauenanteil bei nur 24,5 Prozent. In absoluten Zahlen: 7807 Frauen gestalten mit 24 113 Männern Politik in den kleineren Kommunen Bayerns. Das ist zu wenig. Es wird höchste Zeit für noch mehr Frauensolidarität.
Kommunalpolitiker in Bayern: Schon wieder war’s nix mit dem Matriarchat
Die Kommunalpolitik in Bayern bleibt stark männlich dominiert. Offenbar braucht es noch einmal eine gehörig größere Portion Frauensolidarität.










