AnalyseMit Amazon und Apple präsentieren zwei weitere Superschwergewichte den Quartalsbericht. Wie bereits bei Microsoft, Meta Platforms und Alphabet sorgen die Zahlen für beträchtliche Kursschwankungen. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse der Berichtssaison für Investoren.Grössere Schwankungen sind im Technologiesektor nicht ungewöhnlich. Die emotionale Achterbahnfahrt, die Investoren gegenwärtig bei Aktien mit Bezug zum Thema künstliche Intelligenz erleben, ist sonst aber nur mit absoluten Extremsituationen vergleichbar.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenThemarket.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das gilt besonders für Titel aus der Halbleiterindustrie, dem Epizentrum des KI-Booms. Der PHLX Semiconductor Index zur Branche hat nach einer Reihe empfindlicher Verluste gestern Donnerstag einen Sprung von satten 8,5% gemacht – der grösste Tagesgewinn seit dem Zollchaos im Frühjahr 2025. Das Technologiebarometer Nasdaq 100 rückte 3,4% vor.Mit den wilden Ausschlägen ging es nach Handelsschluss gleich weiter. Die Aktien von Amazon preschten nach der mit Spannung erwarteten Publikation des Berichts zum zweiten Quartal annähernd 10% vor. Weniger freundlich werden die Zahlen von Apple aufgenommen. Der Kurs des iPhone-Konzerns sackte nachbörslich 6% ab.Die hohe Nervosität, die derzeit das Geschehen im Tech-Sektor prägt, lässt sich anhand der beiden Superschwergewichte gut illustrieren.Amazon glänzt mit CloudgeschäftIm Fall von Amazon überrascht die Cloudsparte AWS angenehm. Sie hat den Umsatz im Berichtszeitraum gegenüber dem Vorjahr um 37% auf 42,2 Mrd. $ verbessert. Das ist die grösste Zunahme seit der Digitalisierungswelle während der Covid-Pandemie der Jahre 2020/21. Der Umsatz übertrifft die von Analysten geschätzten 40,5 Mrd. $.Nach einem Plus von 28% im ersten Quartal konnte AWS das Wachstumstempo somit markant steigern. Wie CEO Andy Jassy bei der Ergebnispräsentation sagte, ist keine Verlangsamung in Sicht.Einen immer wichtigeren Beitrag leistet das Geschäft mit hauseigenen Serverchips, die speziell auf die Rechenzentren von Amazon abgestimmt sind. Auf ein Jahr hochgerechnet erzielen sie inzwischen mehr als 25 Mrd. $ Einnahmen und konkurrieren mit den Prozessoren von Halbleiterkonzernen wie Nvidia, Intel und AMD.Die Nachfrage nach KI-Rechenkapazität hat im zweiten Quartal ebenso das Cloudgeschäft von Microsoft und Alphabet kräftig angetrieben. Mit einem Zuwachs von mehr als 80% berichtete der Google-Mutterkonzern über eine besonders starke Beschleunigung, wenn auch ausgehend von einer bedeutend niedrigeren Basis als bei den Konkurrenten.Konzernweit konnte Amazon die Einnahmen um 20% auf 200,5 Mrd. $ verbessern. Kein anderes US-Unternehmen verdient mehr. Der Konsens an den Märkten hatte mit 196,5 Mrd. $ gerechnet. Für das laufende Quartal stellt der Internetriese einen Umsatz von 197 bis 202 Mrd. $ in Aussicht, was ein Wachstum von 9 bis 12% impliziert.Das liegt leicht unter den Erwartungen, hat aber auch damit zu tun, dass die Prime-Day-Sonderverkäufe in der E-Commerce-Sparte dieses Jahr im zweiten statt im dritten Quartal angefallen sind. Auf vergleichbarer Basis soll das erwartete Wachstum 4 Prozentpunkte höher liegen als im Vorjahr.Apple enttäuscht mit dem AusblickApple verfolgt das KI-Wettrüsten konsequent von der Seitenlinie. Der Konzern wird deshalb häufig kritisiert, dass er den Anschluss verpassen könnte. Vor dem Hintergrund wachsender Zweifel an der Rentabilität von Investitionen in KI-Infrastruktur erwies sich diese Strategie im bisherigen Jahresverlauf jedoch als Vorteil.Mit einem Plus von knapp 23% seit Anfang Januar schneiden die Aktien von Apple unter den Tech-Superschwergewichten mit Abstand am besten ab. Er ist mit einer Marktkapitalisierung von 4,9 Bio. $ wieder der wertvollste Konzern der Welt.Die unfreundliche Reaktion auf den Quartalsabschluss hat wohl auch damit zu, dass Investoren einen Teil ihres Gewinns realisieren. Die Zahlen selber sind durchaus ansprechend. Dank dem Wachstum der iPhone-Verkäufe von 22% übertraf der konzernweite Umsatz mit 109,2 Mrd. $ die Erwartungen (108,7 Mrd. $). Der freie Cashflow nahm auf 31,9 Mrd. $ zu, fast 21% mehr als in der Vorjahresperiode. Im Branchenvergleich hebt sich Apple damit positiv ab.Für eine leichte Enttäuschung sorgt der Ausblick. In der laufenden Berichtsperiode stellt Apple ein Umsatzwachstum von 9 bis 11% in Aussicht, wogegen der Konsens bisher mit 11% gerechnet hatte.CEO Tim Cook, der die operative Leitung Anfang September an John Ternus übergibt, macht dafür Angebotsengpässe bei Speicherchips verantwortlich. Das laufende Quartal ist für Apple saisonal allerdings ohnehin das schwächste und daher weniger relevant. Entscheidend wird, wie das im Herbst erwartete iPhone im Flip-Format ankommt.Disziplin bei den Kosten wird honoriertDer nächste wichtige Termin mit Blick auf die Tech-Abschlüsse ist der Geschäftsbericht von Nvidia am 26. August. Aus den Resultaten der vergangenen Wochen lassen sich bisher zwei Erkenntnisse gewinnen.Erstens geht das Wettrüsten weiter. Auch Amazon erhöht die Prognose zu den Kapitalausgaben für das laufende Jahr von bisher 200 auf 220 Mrd. $, macht dafür aber hauptsächlich höhere Kosten für Speicherchips verantwortlich.Wichtiger ist der zweite Punkt. Dem Markt wird angesichts der laufend steigenden Kapitalausgaben zunehmend unwohl. Da unklar bleibt, wie nachhaltig das Wachstum mit Cloudinfrastrukturdiensten in den kommenden Jahren sein wird, wollen Investoren wenigstens mehr Disziplin bei den operativen Kosten sehen.Amazon ist diesbezüglich erneut ein gutes Beispiel. Durch Einsparungen hat die Cloudsparte AWS die Betriebsmarge von 37,7 auf 39,4% ausgeweitet, was über den Schätzungen liegt. Zusammen mit der Beschleunigung des Wachstums bereiten die immensen Investitionen dem Markt deshalb weniger Sorgen. CEO Jassy nahm sich zudem viel Zeit, um ausführlich zu erklären, warum die Ausgaben in Rechenkapazität aus seiner Sicht rentieren werden.Dass die Börse den Fokus verstärkt auf Rentabilität und Kostendisziplin richtet, zeigt sich noch besser bei Microsoft. Mit rund 41 Mrd. $ lagen die Kapitalausgaben in der Berichtsperiode im Rahmen der Erwartungen. Bereinigt um geänderte Leasing-Bilanzierungsregeln blieb auch die Prognose für weitere Investitionen konstant. Derweil lag die operative Marge mit 45,1% klar über den Schätzungen und soll sich in den kommenden Quartalen nur marginal darunter bewegen.Auch das sorgt für Erleichterung. Die Aktien des Softwareriesen avancierten gestern Donnerstag um 15,5%, der grösste Tagesgewinn seit Oktober 2008. Der Anstieg von Microsofts Börsenwert um 450 Mrd. $ an einem Tag ist der höchste in der Geschichte von Corporate America.Alphabet und Meta Platforms sind demgegenüber abgestraft worden. Der Kurs von Meta brach gestern 8% ein. Der weltgrösste Social-Media-Konzern hebt den Ausblick für die Investitionen an, enttäuscht aber zugleich mit Gewinn und Ausblick. Konzernchef Mark Zuckerberg rechnet im zweiten Halbjahr mit einem negativen freien Cashflow. Ähnlich ernüchternd klang es letzte Woche bei Alphabet (mehr dazu hier und hier). Der Aktienkurs büsste am folgenden Tag über 7% ein.Kein Umfeld für riskante WettenEs würde nicht überraschen, wenn sich diese Trends an der Börse im weiteren Jahresverlauf fortsetzen. Speziell bei Microsoft hat der überraschend solide Abschluss das Narrativ positiv verändert. Der Konzern ist strategisch wie auch finanziell gut aufgestellt und wird weiterhin ein scharfes Auge auf die operativen Kosten richten.Zum 23-Fachen des für die nächsten zwölf Monate geschätzten Gewinns ist die Bewertung für ein Qualitätsunternehmen wie Microsoft nicht allzu teuer. Unter den grössten Technologiewerten bleibt «Mr. Softy» die erste Wahl.Generell empfiehlt es sich, eher auf eine defensive Strategie zu setzen. Dass sich übermässig aggressives Risikoverhalten im gegenwärtigen Umfeld schnell rächen kann, verdeutlicht der spektakuläre Kollaps von Situational Awareness, dem auf KI-Aktien spezialisierten Hedgefonds des «Wunderkinds» Leopold Aschenbrenner. Dem Vernehmen nach soll sich das Tradinghaus Citadel einen bedeutenden Teil des Portfolios gesichert haben.Wie eingangs erwähnt haben vom abrupten Stimmungsumschwung am Donnerstag vor allem spekulativere Werte aus dem Halbleitersektor profitiert; Namen wie Micron Technology, Intel, Applied Materials und Lam Research. An der Börse von Seoul haben die Memory-Kolosse Samsung Electronics und SK Hynix in der Nacht auf Freitag die Rally fortgesetzt.Trotz dem Kurssprung notiert der PHLX Semiconductor Index 23% unter dem Allzeithoch vom 22. Juni. Angesichts der scharfen Korrektur ist es gut möglich, dass sich die Gegenbewegung aus rein technischen Gründen noch für einige Zeit fortsetzt. Für eine dauerhafte Erholung wird es jedoch bessere Argumente dafür brauchen, warum sich die präzedenzlosen Investitionen in Rechenzentren wirklich lohnen.
Amazon, Apple, Microsoft und Meta: Tech-Abschlüsse bewegen die Börsen
Amazon und Apple präsentieren die Zahlen. Wie bei Microsoft und Meta kommt es zu beträchtlichen Kursschwankungen. Die wichtigsten Erkenntnisse für Investoren.















