PfadnavigationHomeRegionalesHessen«Ich könnte nur weinen» - Entsetzen nach Brand in AltstadtStand: 14:04 UhrLesedauer: 4 MinutenGegen 17.20 Uhr gingen am Mittwoch entsprechende Notrufe bei Feuerwehr und Polizei ein.Quelle: --/Fuldamedia/dpaNach dem Großbrand in Lauterbach stehen Anwohner unter Schock. Mehrere Häuser sind unbewohnbar, der Schaden geht in die Millionen.Auch viele Stunden, nachdem die ersten Flammen aus mehreren Häusern in der historischen Altstadt von Lauterbach schlugen, hängt noch intensiver Brandgeruch über dem Marktplatz. An dem Absperrband, das am Donnerstagmittag in der malerische Kreisstadt im Vogelsberg flattert, stehen Menschen in kleinen Gruppen zusammen und schauen traurig und fassungslos auf die Häuserzeile.Am meisten zerstörte das Feuer, das am späten Mittwochnachmittag ausbrach, ein Fachwerkhaus, in dessen Erdgeschoss ein Imbiss untergebracht ist. An einem Spieß hängt noch ein Döner. Das Gebäude ist - ebenso wie die Häuser in der Nachbarschaft - geräumt.Erinnerungen an die Oma«Ich könnte nur weinen», sagt eine Frau. Ihre Wohnung liegt im Haus neben dem Lokal. «Ich habe viele Erinnerungen von meiner Oma, von meinen Neffen und Nichten dort.» Klamotten könne man ersetzen, aber keine Erinnerungsstücke. Ihr kommen die Tränen, als sie das sagt.Die Altstadtbewohnerin war im Urlaub und ist schleunigst heimgefahren, als sie von dem Feuer erfahren hat, erzählt sie. Sie will sich selbst ein Bild von der Lage machen. Weil sie in den Ferien war, hat sie wenigstens noch ein paar Kleidungsstücke.«Ich hatte es sehr, sehr schön»Anders ergeht es einer weiteren Bewohnerin desselben Hauses. Sie hat nur das, was sie am Leib trug, als der Brand ausbrach. Sie sei zu diesem Zeitpunkt noch bei der Arbeit gewesen, berichtet die Frau. Die Nacht hat sie bei ihrem Sohn verbracht, der auch in Lauterbach wohnt. Sie bangt, ob sie je wieder in ihre Wohnung einziehen kann. Oder ob das Haus einsturzgefährdet ist. «Ich hatte es sehr, sehr schön», trauert sie um die alte Wohnung. Auch sie kämpft mit den Tränen.Sie habe erfahren, dass Löschwasser Teile der Wohnung beschädigt und eine Wand von dem Brand direkt etwas abbekommen habe, berichtet die Anwohnerin. Mit der Art, wie sie und andere Anwohner informiert worden seien und mit der angebotenen Notunterkunft sei sie unzufrieden. Sie will nun vorerst in ein Hotel ziehen.Experten prüfen Ausmaß der SchädenLandrat Jens Mischak und Bürgermeister Holger Marx (beide CDU) stehen wenige Meter entfernt im abgesperrten Bereich mit dem Einsatzleiter und anderen Verantwortlichen zusammen. Es gilt, Kräne und Abfallcontainer zu organisieren. Die Einsatzkräfte seien immer noch mit den Löscharbeiten beschäftigt, berichtet Mischak. Parallel gehe es um die Frage, wie die betroffenen Gebäude abgesichert werden könnten.«Das Herz blutet, wenn man das sieht»Experten von der Bauaufsicht des Vogelsbergkreises, Fachberater des Technischen Hilfswerks und Statiker prüften nun, wie es mit den betroffenen Gebäuden weitergehe, sagt Mischak.«Das Herz blutet, wenn man das sieht», sagt der Landrat. Wichtig sei vor allem, dass kein Mensch ums Leben gekommen oder ernsthaft verletzt worden sei. Jetzt stehe der Schutz der Einsatzkräfte im Vordergrund. Er hoffe, dass möglichst viel an historischer Bausubstanz erhalten werden könne.Kurz darauf treffen Autokräne ein. Sie bringen Dachdecker mit Körben in die Höhe. Es geht darum, zu sichern, was zu sichern ist. Für den Nachmittag sind Unwetter vorhergesagt, die auch den Vogelsberg treffen könnten.Fünf Verletzte und hoher SchadenBei dem Brand entstand nach ersten Schätzungen der Feuerwehr ein Schaden von mindestens fünf Millionen Euro. Fünf Menschen wurden laut Polizei durch Rauchgase verletzt: zwei Einsatzkräfte und drei Anwohner. Das Feuer brach in einem Restaurant am Marktplatz aus und breitete sich rasch aus.Mehrere Häuser unbewohnbarMehrere Häuser waren von dem Brand direkt betroffen, andere wurden der Polizei zufolge durch die Hitze und die Löscharbeiten so stark beschädigt, dass sie vorläufig als unbewohnbar eingeschätzt wurden. Ein Teil der Gebäude gilt laut Polizei als einsturzgefährdet. Für Anwohner sei in der Brandnacht eine Jugendherberge als Notunterkunft bereitgestellt worden.Wie es zu dem Brand kommen konnte, ist nach Angaben der Polizei derzeit noch unklar. «Die Ermittlungen hierzu dürften aufgrund des Ausmaßes des Brandes eine längere Zeit in Anspruch nehmen», teilte die Polizei mit.250 Feuerwehrleute im EinsatzInsgesamt waren laut den Angaben etwa 250 Feuerwehrleute im Einsatz. Aufgrund der starken Rauchentwicklung waren Anwohner gebeten worden, Fenster und Türen zu schließen.Die Kreisstadt Lauterbach im Vogelbergkreis hat 14.000 Einwohner und liegt an der Deutschen Fachwerkstraße. Die alten Fachwerkhäuser, vorwiegend aus dem 17. und 18. Jahrhundert, lehnen sich in langer Reihe an die alte Stadtmauer aus dem Jahr 1266 an.dpa-infocom GmbH