Nach französischer Kritik am Abstimmungsverhalten der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen (UN) soll die Akkreditierung des neuen französischen Botschafters in Washington D. C. verzögert oder sogar blockiert werden. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Das französische Außenministerium äußerte sich auf Nachfrage nicht dazu. Präsident Emmanuel Macron hatte den Karrierediplomaten Aurélien Lechevallier als Nachfolger des scheidenden Botschafters Laurent Bili in Washington vorgeschlagen.Lechevallier leitete bislang das Büro von Außenminister Jean-Noël Barrot im Quai d’Orsay. Er kennt Macron aus gemeinsamen Studientagen an der Hochschule Sciences Po in Paris. Lechevallier soll im September den Posten in der amerikanischen Hauptstadt antreten.„Die Welt hört den USA nicht mehr zu“„Die Vereinigten Staaten sind sehr enttäuscht über die unverantwortliche und respektlose Rhetorik der Franzosen“, teilte ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums mit. Hintergrund ist ein Streit um den Hohen Kommissar für die Menschenrechte der UN, den Österreicher Volker Türk. Türk hatte Kritik an Menschenrechtsverletzungen durch Israel während des Gazakrieges geübt. Deshalb wollte Washington verhindern, dass sein Mandat verlängert würde. Türk ist seit 2022 als Menschenrechtskommissar tätig.Eine große Mehrheit der Länder stimmte der Verlängerung zu. Türk erhielt 144 Stimmen, auch Deutschland stimmte dafür. Es gab nur zehn Gegenstimmen, unter anderem von Nordkorea, Russland, Mali, Burkina Faso, Nicaragua – und den Vereinigten Staaten. „Die USA waren einst ein Leuchtturm der Menschenrechte. Das gilt heute nicht mehr“, schrieb daraufhin die französische UN-Vertretung in den sozialen Netzwerken. „Heute stehen sie isoliert an der Seite von Nordkorea, Nicaragua, Mali und Russland. Und die Welt hört ihnen nicht mehr zu“, hieß es weiter.Aus Protest gegen diese Kritik verließ die amerikanische Delegation am Montag demonstrativ den Sitzungssaal in New York, als der französische UN-Botschafter Jérôme Bonnafont das Wort ergriff. „Wir werden ihrem politischen Geschwafel nicht beiwohnen, solange sie ihre herablassende Rhetorik nicht abstellen“, teilte der amerikanische UN-Botschafter Dan Negrea mit.Negrea ist ein enger Vertrauter Präsident Trumps und hatte bei seiner Anhörung im Senat versprochen, die Vereinten Nationen wieder großartig machen zu wollen. Jetzt sprach er sich dafür aus, dem UN-Menschrechtskommissariat die Mittel zu kürzen. Die Beziehungen zwischen den UN-Vetomächten Frankreich und USA sind schon länger belastet. Paris lehnt die von Washington entschiedenen Mittelkürzungen ab.