Knapp drei Monate nach dem großen Waldbrand am Saurüsselkopf bei Ruhpolding brennt in Bayerns Bergen abermals der Wald. Das Feuer am Lackenberg, einer bewaldeten und stellenweise felsigen Kuppe bei Unterwössen im Chiemgau, ist nach Angaben der Feuerwehr im Landkreis Traunstein am frühen Mittwochabend entdeckt worden, als über dem Wald eine Rauchsäule aufstieg. Der Brandherd liegt auf etwa 1000 Metern Höhe, das Gelände an der Hochwand in der Nähe der etwas bekannteren Lackenbergwand ist für die Feuerwehr schwer zugänglich und nicht mit Fahrzeugen erreichbar. Die Einsatzleiter forderten daher drei Hubschrauber der Polizei an, um den Brand aus der Luft zu bekämpfen.Zugleich kämpften am Abend und dann wieder seit dem frühen Morgen etwa 200 Feuerwehrleute am Boden gegen die Flammen. Sie legten lange Schlauchleitungen in den Wald, richteten auf den wenigen Forststraßen einen Pendelverkehr mit Löschfahrzeugen ein und versuchen, Bäume und Boden zu wässern. Auf diese Weise wollen sie einen Riegel gegen die weitere Ausbreitung der Flammen schaffen. An dem Großeinsatz ist neben Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst abermals auch die Bergwacht beteiligt.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Ein exaktes Bild über die Größe der brennenden Fläche konnte sich die Feuerwehr auch am Donnerstagfrüh nach eigenen Angaben noch nicht machen. Auch zur möglichen Ursache des Brandes gibt es bisher keine Angaben. Bei Einbruch der Dunkelheit hatte der Traunsteiner Kreisbrandrat Christof Grundner als Einsatzleiter die meisten Feuerwehrleute zurückziehen müssen, um sie in dem schwierigen Gelände nicht zu gefährden.Die Menschen in der Umgebung wurden am Morgen wegen der starken Rauchentwicklung angehalten, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie Lüftungen und Klimaanlagen auszuschalten. Die B305 ist zwischen Marquartstein und Reit im Winkl in beiden Richtungen für den Verkehr gesperrt.In Bayerns Bergen hat es in diesem Jahr bisher äußert wenig Niederschläge gegeben. Der Wald und auch die bodennahe Vegetation sind in diesen heißen Sommertagen sehr trocken. Auch darin ähnelt die Situation der von Anfang Mai am nur elf Kilometer Luftlinie weiter östlich gelegenen Saurüsselkopf. Dort hatte sich das Feuer in der ersten Nacht ebenfalls stark ausgebreitet und Richtung Tal gefressen, weil zunächst kaum größere Löscharbeiten möglich waren. Danach kämpften Hunderte Feuerwehrleute fast eine Woche lang gegen die Flammen und auch danach noch eine ganze Weile gegen restliche Glutnester im Boden. Das letzte Gerät holten sie dort erst nach vier Wochen aus dem Wald.Nach dem Waldbrand:Die schwarze Wüste in Bayerns BergenAnfang Mai brannte es am Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen tagelang. Bis sich die Natur von der Katastrophe erholt, wird es Jahrzehnte dauern. Unterwegs mit Förstern im verbrannten Bergwald.Das Feuer am Lackenberg ist bereits der dritte größere Waldbrand im Landkreis Traunstein binnen weniger Wochen. Anfang Juli hatten mehrere Hektar Wald und trockenes Moor im Chiemsee-Moos bei Übersee gebrannt. Die Rauchentwicklung hatte zu einer kurzzeitigen Sperrung der nahen A8 geführt. Dazu kamen zuletzt zahlreiche kleinere Vegetationsbrände, bei denen etwa Hecken oder trockene Wiesen in Flammen standen.Für den Saurüsselkopf hatte der Traunsteiner Landrat Andreas Danzer (FW) nach kurzer Zeit den Katastrophenfall ausgerufen, weil unterhalb des Berges das Trinkwasser für Ruhpolding und die Kreisstadt Traunstein gefördert wird. So konnten die Einsatzleiter leichter auf Helikopter der Polizei zurückgreifen und schließlich auch auf drei schwere Maschinen der Bundeswehr, die pro Flug deutlich mehr Wasser auf dem Brandherd abwerfen können.Zeitweise waren am 1270 Meter hohen Saurüsselkopf elf Helikopter gleichzeitig im Einsatz, die meisten kamen von einem privaten Unternehmen aus den benachbarten Österreich. Der Waldbrand galt als größter in Bayern seit 50 Jahren. Wirklich gebrannt hat es dort auf einer Fläche von rund 100 Hektar. Mit den verheerenden Feuern, die derzeit etwa in Frankreich und Spanien wüten, war dieser Waldbrand in seinem Ausmaß allerdings kaum vergleichbar.