Zum Schmerzhaftesten, wenngleich nicht zum Schlimmsten, was beim Thema Sportverletzungen möglich ist, zählt die Rippenprellung. Wer nach einer Kollision im Oberkörperbereich schon einmal dachte, sich fortan nie wieder rühren zu können, kennt die Agonie. Zwickt höllisch, dauert meist einige Wochen, und die Behandlung ist schwierig. Man kann sich also vorstellen, wie es der Basketballerin Nyara Sabally momentan gehen muss. Die 26-jährige deutsche Nationalspielerin hat kürzlich in der US-Profiliga WNBA einen Ellbogen ihrer Gegenspielerin Angel Reese gegen die Brust bekommen, seither fehlt sie ihrem Klub Toronto Tempo.Torontos Co-Trainer Olaf Lange berichtete, dass Saballys Rücken blockiert sei, immerhin ist nichts gebrochen. Ein paar Spiele muss die Centerin, die ihre bislang stärkste Saison im Profibasketball spielt, aussetzen und zuschauen. Für Lange ist das eine kleine Erleichterung – auch vor dem Hintergrund, dass er gleichzeitig der Bundestrainer ist und in wenigen Wochen, Anfang September, die Heim-WM der deutschen Frauen in Berlin beginnt. Gleichwohl lässt sich sagen: Die Nachrichten, die derzeit von den besten deutschen Basketballerinnen zu vernehmen sind, könnten besser sein. Wenn Lange am 9. August seinen erweiterten Kader zur Vorbereitung zusammenbringt, wird er zunächst auf sein Spitzenpersonal verzichten müssen.Deutsche Basketballfrauen:Dieses Team will eine Medaille – aber ist das realistisch?Im Jahr ihrer Heim-WM deuten Deutschlands Basketballerinnen an, warum sie eine große Generation beisammen haben – der neue Bundestrainer Olaf Lange hat einiges radikal verändert.Die WNBA unterbricht zwar den Ligabetrieb für die Dauer der Weltmeisterschaft (4. bis 13. September), an der auch amerikanische Spitzenspielerinnen wie Caitlin Clark oder Breanna Stewart teilnehmen. Aber die Pause erfolgt erst kurz vor Turnierstart. Im deutschen Team sind als Last-Minute-Zugänge die in den USA beschäftigten Luisa Geiselsöder, Frieda Bühner (beide Portland Fire), Leonie Fiebich (New York Liberty) sowie die Sabally-Schwestern Nyara und Satou (ebenfalls Liberty) eingeplant – wenn alles glattläuft. Denn es sind nicht nur terminliche Engpässe, die die Ausgangslage erschweren, sondern bei einigen auch Gesundheitsfragen. Nyara Saballys Rippenverletzung ist dabei nicht die gravierendste Blessur. Seit Längerem sind auch Fiebich und Satou Sabally vom Sport befreit – ausgerechnet jene beiden, die als Gesichter des Heimturniers fungieren sollen.Der deutsche Frauenbasketball hat sich, zumindest was die Qualität im Nationalteam betrifft, in den vergangenen Jahren analog zu den Männern bestens entwickelt. Bestes Beispiel ist das Olympiagold 2024 in der Variante 3×3. Was fehlt, sind Erfolge auf Fullcourt-Niveau: Die DBB-Männer (Welt- und Europameister) haben in dieser Hinsicht die Erwartungen gehoben. Die Berliner Frauen-WM soll nun der aktuellen Spielerinnen-Generation als Schaufenster dienen. So hat es Verbandschef Ingo Weiss antizipiert, als sich der DBB 2023 um die Austragung beworben hatte: „Jetzt sind mal die Damen dran.“ Und diese haben entsprechend forsch angekündigt, im Spätsommer in der Hauptstadt eine Medaille anzupeilen. „Dieser Traum ist ja kein Geheimnis“, erklärte Centerin Luisa Geiselsöder neulich in einem Podcast von Magentasport. Das Ziel ist anspruchsvoll, aber vertretbar angesichts der Konkurrenz aus den USA, Frankreich oder Australien – Bestbesetzung vorausgesetzt.Satou Sabally und Leonie Fiebich (re.) spielen seit dieser Saison zusammen beim WNBA-Klub New York Liberty, doch das Team plagen derzeit viele Verletzungen. Mingo Nesmith/Icon Sportswire/ImagoOb Coach Lange im September in seiner Heimatstadt allerdings die Besten aufs Feld schicken kann, ist unklar. Fiebich plagt seit fast einem Monat eine Verletzung am linken Fuß, die 26-Jährige ist in einem Ligaspiel falsch gelandet und kann seitdem nur dezent trainieren. Eine genaue Diagnose wollte sie vor Reportern in New York kürzlich nicht kundtun. Sie wirkte genervt vom schleppenden Heilungsprozess, schließlich sei sie als Patientin „überhaupt nicht geduldig“. Es werde zwar besser, aber „Sorgen“ um ihre WM-Teilnahme seien real, so die gebürtige Landsbergerin. Fiebich hat immer wieder betont, dass für sie Auftritte mit dem Adler auf der Brust das Größte und Emotionalste überhaupt seien. Eine WM im eigenen Land wäre für sie der nächste Karrierehöhepunkt nach Olympia 2024 und der WNBA-Meisterschaft im selben Jahr.Basketballerin Fiebich im Gespräch:„Satou macht, was sie will, das war schon immer so“Sie ist Deutschlands Anführerin bei der Heim-EM: Leonie Fiebich über berühmte Fans bei Spielen in New York, fehlende Unterstützung des Deutschen Basketballbundes für den Frauenbasketball – und den Nationalteam-Verzicht von Kollegin Sabally.Das gilt auch für die in Berlin groß gewordene Satou Sabally, die zuletzt in der DBB-Auswahl pausierte, um im Hinblick auf die sehnlich erwartete WM ihre Kräfte zu bündeln. Auch sie war zuletzt nicht immer fit: 2024 unterzog sie sich einer komplizierten Schulteroperation, vergangenes Jahr erlitt sie dann zum Ende einer beinahe triumphalen WNBA-Saison (Finalniederlage gegen Las Vegas) eine Gehirnerschütterung. Und genau diese Verletzung wiederholte sich nun nach ihrem Wechsel an Fiebichs Seite zu New York Liberty. Vor vier Wochen traf eine Gegnerin sie beim Ringen um einen Rebound am Kopf, seitdem befindet sich die 28-Jährige erneut im sogenannten „Concussion Protocol“ der Liga. Von dort geht es, gemäß den Regeln, erst dann wieder ins Training, wenn alle Symptome verschwunden sind, die Rückkehr erfolgt schrittweise: mit Drills und Wurfeinheiten ohne direkte Duelle bis zur finalen Freigabe der Klubärzte für den Wettkampf.Möglich also, dass sich Saballys Rückkehr verzögert, weil sie eine Wiederholungspatientin ist, ein sogenanntes „Second-Impact-Syndrom“ kann sogar langzeitliche Folgen haben. Aus ihrem Umfeld ist zu hören, dass Sabally derzeit keine Interviewanfragen annehme, es bestehe kein Zeitplan, wann sie wieder auf dem Feld aktiv ist. Die Genesung geht vor. Genaueres ist auf Nachfrage auch vom Deutschen Basketball Bund nicht zu erfahren, dort heißt es lediglich, dass es „derzeit keinen Grund gibt, nicht mit ihrer Teilnahme zu rechnen“. Wie will der DBB es auch anders prognostizieren? Eine große Daheim-Sause in Berlin ohne Fiebich oder Satou Sabally? Das wäre für den deutschen Basketball wohl schmerzhafter als jede Rippenprellung.