Kommentar«Tax the rich», ruft die Linke. Doch die Reichen, die sich dem entziehen, kann man nicht einsperrenLänder wie Deutschland und Österreich versuchen Steuern durchzusetzen, indem sie die Reichen am Wegzug hindern. Das ist eines liberalen Staates unwürdig.30.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenBefürworter von Reichensteuern haben auch am diesjährigen World Economic Forum (WEF) in Davos demonstriert.Michael Buholzer / KeystoneDie Linken wollen die Reichen zur Kasse bitten – dieser Trend zeigt sich weltweit. In der Schweiz haben die Bürgerinnen und Bürger vor einigen Monaten über die Erbschaftssteuer-Initiative der Juso abgestimmt. Die Kalifornier werden im Herbst an die Urnen strömen: Eine linke Initiative verlangt, dass Milliardäre im amerikanischen Bundesstaat eine einmalige Abgabe von 5 Prozent ihres Vermögens leisten sollen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Den ideologischen Boden für solche Vorstösse liefern Ökonomen und Ungleichheitskritiker wie Gabriel Zucman. Der Franzose hat mit einem Vorschlag zuhanden der G-20-Länder, dass alle Milliardäre weltweit eine jährliche Vermögenssteuer von 2 Prozent zahlen sollen, für Furore gesorgt.Milliardäre verlassen KalifornienAn vielen Orten der Welt kann man jedoch auch eine zweite Beobachtung machen: Die Reichen lassen sich solche Reichensteuern nicht bieten. Im Fall von Kalifornien haben bereits zahlreiche Milliardäre den Golden State vorsorglich verlassen. Es wird befürchtet, dass die Initiative deshalb für den Fiskus zum Verlustgeschäft werden könnte. Denn die Reichen, das wird gerne vergessen, liefern bereits heute sehr viel Geld an den Staat ab.Diese Überlegung hat auch die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger geleitet, als sie die Juso-Erbschaftssteuer-Initiative im vergangenen November klar ablehnten. Sie wussten, dass die extremen Steuern viele Reiche aus dem Land vertrieben hätten und dann der Mittelstand mehr Abgaben hätte bezahlen müssen.Viele «Exit-Taxes» in EuropaDie dritte Beobachtung lautet, dass sich viele Politiker mit diesem Ausweichen der Reichen nicht abfinden wollen. In manchen Staaten gibt es bereits institutionelle Vorkehrungen, um Wohlhabende am Auswandern zu hindern.In Europa beispielsweise kennen acht Länder, unter ihnen Deutschland und Österreich, sogenannte Wegzugssteuern («Exit-Taxes»). In Deutschland müssen reiche Unternehmer, die das Land verlassen, unter bestimmten Bedingungen einen Teil des Wertes ihres Unternehmens an den Fiskus abliefern. In Österreich trifft es im Prinzip jeden, dessen Kapitalvermögen gewachsen ist.Noch weiter gehen «Tax the rich»-Befürworter wie Gabriel Zucman. Ihm schwebt eine weltweite Mindeststeuer für Milliardäre vor. Sie wäre ähnlich konzipiert wie die OECD-Mindeststeuer für Unternehmen: Die Staaten würden ein globales Steuerkartell bilden, dem sich kein Reicher entziehen könnte.Verkehrter AnsatzDieses Denken ist so verkehrt wie freiheitsfeindlich. Zum einen ist es nicht möglich, die Reichen steuerlich einzuschliessen. Dass globale Steuerkartelle nicht funktionieren, hat man in den letzten Jahren bei der OECD-Mindeststeuer für Grosskonzerne gesehen. Viele Länder, unter ihnen die USA, sind ausgeschert. Ähnlich wäre es bei einer Mindeststeuer für Reiche. Milliardäre würden immer einen Ort finden, an den sie ziehen können.Zum andern ist es nicht sinnvoll, Reiche in einen steuerlichen Käfig zu sperren. Der Staat sendet damit ein verheerendes Signal aus. Findige Köpfe überlegen sich zweimal, ob sie ihr Unternehmen in so einem Land aufbauen wollen. Wer schon reich geworden ist, hütet sich, in ein solches Land zu ziehen. Exit-Taxes und globale Steuerkartelle widersprechen fundamental einem Staatsverständnis, das von freien Bürgern ausgeht. Sie sind eines liberalen Staates unwürdig.Attraktiver Staat als AlternativeDass es anders geht, zeigt die Schweiz. Die Reichen zahlen hier durchaus viel Steuern – zum Teil prozentual mehr als in Nachbarländern wie Deutschland und Österreich. Millionäre und Milliardäre akzeptieren dies, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis für sie stimmt: Der Staat bietet ihnen gute Rahmenbedingungen fürs Wirtschaften und Leben. Da kann es sich die Schweiz sogar erlauben, als praktisch einziges Land auf der Welt eine moderate Vermögenssteuer zu erheben.Wegzugssteuern und Steuerkartelle sind der falsche Weg. Der Staat kommt zu seinem Geld – wenn er dafür schaut, dass ihm die Reichen aus freien Stücken treu bleiben.Passend zum Artikel