Ein Gruss aus der Vergangenheit: Absenderin einer Flaschenpost nach siebzig Jahren gefundenFast siebzig Jahre lang lag eine Flaschenpost unter dem Rheinufer in Oberwesel. Nachdem Bauarbeiter sie zufällig freigebaggert hatten, begann eine Spurensuche.29.07.2026, 19.02 Uhr3 LeseminutenIn Oberwesel wurde eine fast 70 Jahre alte Flaschenpost entdeckt.Neleman / Stone RF / GettyManchmal braucht eine Botschaft Jahrzehnte, bis sie einen Empfänger findet. Einen Gruss aus der Vergangenheit hat ein Landschaftsgärtner in Oberwesel in Rheinland-Pfalz entdeckt. Wolf hat Mitte Juli bei Bauarbeiten am Rheinufer eine Flaschenpost gefunden. Jetzt wurde die Absenderin ausfindig gemacht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die grüne Sektflasche lag unter einem Fundament verborgen und kam während Baggerarbeiten ans Licht. Am Oberweseler Rheinufer wird derzeit eine Neugestaltung des Uferbereichs durchgeführt. Die Landschaftsgärtner haben die Flaschenpost dem Stadtbürgermeister von Oberwesel, Jan Zimmer, übergeben. Dieser erzählt dem SWR, dass man zuerst versucht habe, das Papier mit einer Pinzette aus der Flasche zu zupfen. Weil es feucht war, ist es jedoch eingerissen. Darum wurde die Flasche kurzerhand zerbrochen.In der Flasche fand sich eine gerollte Speisekarte des Ausflugschiffs «Drachenfels» der Köln-Düsseldorfer Rheindampfschiffahrt vom 16. Juli 1958. Eine Nachricht war auf die Rückseite gekritzelt worden. Die Speisekarte dokumentiert, was damals auf der «Drachenfels» serviert wurde: Wellfleisch, dicke, junge Bohnen und Salzkartoffeln für 2 Deutsche Mark, was heute inflationsbereinigt rund 6 Euro entsprechen würde. Das teuerste Gericht auf der Speisekarte waren Ölsardinen, Tomatencrèmesuppe und Rinderschmorsteak mit Vanilleeis als Dessert. Das gab es für 4 Deutsche Mark 50.Die «Drachenfels», die 1958 auf dem Rhein verkehrte, gehörte zu den letzten Raddampfern der Köln-Düsseldorfer Rheindampfschiffahrt. Gebaut wurde sie in den 1880er Jahren. Im Zweiten Weltkrieg sank sie nach einem Artillerietreffer im Hafen Rheinhausen. Nach dem Krieg wurde sie wieder fahrtüchtig gemacht. 1963 wurde das Schiff aus dem Verkehr gezogen und verschrottet.Eine Botschaft auf FranzösischDie Nachricht auf der Rückseite der Speisekarte ist auf Französisch verfasst. Darin heisst es: «Ich liebe Anni von ganzem Herzen, wir sind zusammen auf einem Rheinschiff, wir suchen junge Paare als Brieffreunde.» Darunter ist eine Adresse notiert.Die Flaschenpost beginnt mit: «Ich liebe Anni von ganzem Herzen.»Jan Zimmer / DPADer Stadtbürgermeister Jan Zimmer machte sich auf die Suche nach der besagten Anni oder ihren Angehörigen – und wurde tatsächlich fündig.Zimmer erzählte der «Rhein-Zeitung», dass es eine regelrechte Detektivarbeit gewesen sei, weil in den vergangenen fast siebzig Jahren Strassen umbenannt, Orte eingemeindet und Namen geändert worden seien. Über Ämter konnte zunächst die Tochter der Frau ausfindig gemacht werden, zu der die Adresse gehörte.Anni heisst mit vollem Namen Annette N. Sie war Schiffsköchin auf der «Drachenfels» und damals erst 22 Jahre alt. An die Flaschenpost selbst könne sie sich nicht mehr erinnern, berichtet ihre Tochter. Das überrascht allerdings kaum. In den 1950er Jahren sei es häufig vorgekommen, dass Flaschenpost in den Rhein geworfen worden sei, erzählt Heinz Krämer, ein ehemaliger Matrose der «Drachenfels». «Mit allem verrückten Kram drin», so zitiert ihn der SWR.Dass die Nachricht auf Französisch verfasst ist, erklärt sich möglicherweise dadurch, dass damals viele französische Fahrgäste an Bord gewesen seien, die Interesse an den jungen Frauen gehabt hätten. Eine Liebschaft sei zwar nie entstanden, doch ihre Mutter habe die schönste Zeit ihres Lebens auf dem Schiff verbracht, erzählt die Tochter.Der Gruss von Anni aus der Vergangenheit soll jetzt im Stadtmuseum oder am neu gestalteten Rheinufer ausgestellt werden.Passend zum Artikel
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Fast siebzig Jahre lang lag eine Flaschenpost unter dem Rheinufer in Oberwesel. Nachdem Bauarbeiter sie zufällig freigebaggert hatten, begann eine Spurensuche.











