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Autoindustrie: BMW baut bis Ende des kommenden Jahres 8000 Stellen ab In den vergangenen sechs Wochen haben Vorstand und Arbeitnehmervertreter intensiv verhandelt. Nun steht ein erster Plan zur Restrukturierung. Die wichtigsten Punkte des Programms im Überblick.

Hauptsitz von BMW in München: Vereinbarung am Dienstag unterzeichnet. Foto: Sven Hoppe/dpaMünchen. Der Autobauer BMW verschärft seinen Sparkurs und streicht Arbeitsplätze. Betriebsrat und Management des Dax-Konzerns haben sich auf einen Rahmen für ein Abbauprogramm geeinigt: 8000 Stellen werden weltweit wegfallen. Starten soll der Stellenabbau im Oktober dieses Jahres und bis zum Ende des kommenden Jahres laufen. So will der Konzern ab 2028 jährlich rund eine Milliarde Euro einsparen. Das hat das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfahren.Arbeitnehmer und Vorstand haben in den vergangenen sechs Wochen intensiv über die Ausgestaltung des Programms verhandelt. Bis zu der am heutigen Mittwoch stattfindenden Betriebsversammlung wollte man sich einigen. Auch Vorstandschef Milan Nedeljkovic ist bei der Veranstaltung eingeladen und spricht. Die letzte Unterschrift unter die Vereinbarung sei am Dienstag gesetzt worden, heißt es aus dem Unternehmen. Darauf hat man sich geeinigt:Der Stellenabbau soll sozialverträglich gestaltet werden. BMW wird die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einerseits über reguläre Austritte und Altersteilzeit sowie andererseits mittels eines Abfindungsprogramms reduzieren. Das Abfindungsprogramm soll nur in Deutschland gelten und den Großteil des Abbaus ausmachen.Vor allem die deutsche BMW-Belegschaft ist betroffenDafür wird BMW rund eine Milliarde Euro zurückstellen. Dieser Effekt wird erst im zweiten Halbjahr bilanziert und schlägt sich deshalb noch nicht in den Halbjahreszahlen nieder, die der Konzern am Donnerstag vorlegt.Betroffen ist vom Abbauprogramm vor allem die deutsche Belegschaft des Premiumherstellers. In Deutschland sind insgesamt rund 80.000 Personen beim Autobauer beschäftigt. BMW will Personal im sogenannten indirekten Bereich abbauen, das sind jene Mitarbeitenden, die nicht am Band stehen und die Autos montieren.Also dürften von den Sparmaßnahmen vorwiegend jene BMWler betroffen sein, die etwa in der Konzernzentrale oder im Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) im Norden der Stadt arbeiten.Intern war die Stimmung im Vorfeld der Betriebsversammlung angesichts der jüngsten Entwicklungen in der Automobilindustrie nervös. Erst Anfang der Woche hatte der Sportwagenbauer Porsche bekannt gegeben, weitere 5000 Stellen abzubauen. Im gesamten Volkswagen-Konzern stehen sogar 50.000 weitere Stellen zur Disposition.Milan Nedeljkovic im BMW-Werk Spartanburg in South Carolina: Der Vorstandschef ist erst gut zwei Monate im Amt. Foto: AP Photo/Jason WalleDie geltende Beschäftigungsgarantie wird das BMW-Management indes erneut bestätigen. Sie gilt, solange der Konzern einen positiven Vorsteuergewinn schreibt. Zudem bleiben auch die Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld unverändert, wobei der Autobauer bereits vor zwei Jahren das Weihnachtsgeld gekürzt hat.Managementstruktur wird angepasstDie Erfolgsbeteiligung der Mitarbeiter hängt an ähnlichen Kennzahlen wie die variable Vergütung des Vorstands des Dax-Konzerns. Angesichts der Krise, in der sich die gesamte Branche und damit auch BMW befindet, dürfte diese für die gesamte Hierarchie im laufenden Jahr ohnehin geringer ausfallen. Sparen werden die Münchener über alle Ebenen hinweg. Im Zuge des Stellenabbaus soll auch die Managementstruktur im Konzern angepasst werden. Der Vorstand dürfte davon unberührt bleiben. Ab einer Ebene darunter, bei den Bereichsleitern, soll hingegen bereits umstrukturiert werden.Anders als etwa die Konkurrenz lässt BMW die Produktion in weiten Teilen unberührt. In den Werken gibt es zwar auch einen sogenannten indirekten Bereich beim Personal – aber dieser ist im Verhältnis zu den Sparten Entwicklung und Verwaltung äußerst klein. An den Produktionskapazitäten von BMW in Deutschland soll sich nichts ändern.Zum Vergleich: Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume hatte Anfang des Monats dem Aufsichtsrat Sparpläne präsentiert, die die Schließung von vier Werken zur Folge haben könnten. BMW verweist hingegen darauf, dass seine Werke in Deutschland gut ausgelastet seien.China-Geschäft unter DruckProbleme hat der Autobauer allerdings woanders. Unter anderem in China, dem größten Automarkt der Welt. Lange galt die Volksrepublik als Gewinngarant für die Münchener. Branchenkenner schätzen, dass in guten Jahren etwa die Hälfte des Gewinns deutscher Premiumhersteller in China erwirtschaftet wurde. Nun erodiert der Markt: Bei Elektroautos tobt ein Preiskampf, die Nachfrage nach Verbrennern ist massiv eingebrochen.Autobauer Vom Gewinntreiber zur Belastung: So groß ist das China-Problem für BMW Eine exklusive Datenanalyse zeigt: Die Zahlen auf dem wichtigsten Einzelmarkt brechen ein. Der neue Vorstandschef Milan Nedeljkovic sucht nach Auswegen. Hinzu kommen weitere schwierige Rahmenbedingungen wie der weltweite Zollstreit zwischen den USA, Europa und China. Vor diesem Hintergrund hat der Autobauer beschlossen, sich deutlich zu verschlanken. „Man hat jeden Stein umgedreht und geprüft: Ist das noch rentabel?“, sagt ein Konzerninsider.Das China-Geschäft wird von den aktuellen Maßnahmen kaum betroffen sein. Ein Großteil der chinesischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat befristete Verträge. Viele davon hat BMW angesichts der Lage in der Volksrepublik bereits im vergangenen Jahr auslaufen lassen. Inzwischen liegt die Auslastung der Werke dort Experten zufolge nur noch bei knapp 50 bis 60 Prozent.Angesichts der operativen Hürden und wegen der intensiveren Restrukturierung sowie der damit verbundenen Kosten hat BMW bereits Mitte Juni seine Prognose für das laufende Jahr gekappt. Mit einer potenziellen Restrukturierung, um die Herausforderungen zu stemmen, hat sich der Konzern allerdings schon vorher beschäftigt, heißt es.Beim Vorsteuergewinn erwartet der Konzern nun einen „deutlichen Rückgang“ anstatt eines „moderaten Rückgangs“. In der BMW-Sprache bedeutet das ein Minus von mehr als 15 Prozent. Für die wichtige Marge in der Autosparte rechnet der Konzern nur noch mit einer Spanne von ein bis drei Prozent.Neue PersonalchefinMit den tiefgreifenden Veränderungen in der Belegschaft kommt auch eine neue Personalchefin. Dorothea von Boxberg wird den Vorstandsposten zum 1. September von Ilka Horstmeier übernehmen, die die Maßnahmen noch ausgehandelt hat. Mit der Umsetzung von Horstmeiers Plänen wird dann die neue Personalchefin beschäftigt sein. Auch deshalb übernimmt von Boxberg bereits im September. Verwandte Themen BMWChinaDeutschlandDaxOliver BlumePorscheMit der 52-Jährigen kommt eine externe und branchenfremde Vorständin zu BMW. Für den bayerischen Konzern ist das ein ungewöhnlicher Vorgang, alle aktuellen Vorstandsmitglieder arbeiteten vor dem Aufstieg ins Top-Management schon viele Jahre bei BMW. Intern heißt es allerdings, dass angesichts der herausfordernden Zeiten in der Automobilindustrie ein frischer Blick willkommen sei.Das hob auch BMW-Aufsichtsratschef Nicolas Peter hervor. Er lobte zudem „entscheidende Führungsstärke, um die erforderliche strukturelle Transformation der BMW Group in den kommenden Jahren voranzutreiben“. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. 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