Der Sammelband „Verleugnete Verfolgte“ erinnert an NS-Opfer, die als „asozial“ und „Berufsverbrecher“ diffamiert wurden und bis heute vergessen werden.
Essenausgabe im Steinbruch, KZ Flossenbürg
Itar-Tass/Bavaria/Imago
Dass sein Großonkel Lorenz W. straffällig wurde, da ist sich Klaus Weisbrod sicher, war das Ergebnis finanzieller Not. In den 1930er Jahren waren Wirtschaft und Lebensalltag zerrüttet. „Viele Menschen, die bis dahin unbescholten waren, waren in ihrem Überlebenskampf gezwungen, straffällig zu werden“, schreibt der Rechtswissenschaftler in dem Buch „Verleugnete Verfolgung“.
Die Nationalsozialisten verstanden kriminelle Delikte nicht als Ergebnis sozialer Verhältnisse, sondern als Effekt vermeintlich defekter Gene. Sie steckten Menschen, die straffällig geworden waren und ihre Strafen längst abgesessen hatten, daher in Konzentrationslager. Lorenz W. kam nach Flossenbürg und wurde später im Zuge der „Aktion 14f13“ – bei der ab 1941 für arbeitsunfähig erklärte KZ-Häftlingen in „Heil- und Pflegeanstalten“ getötet werden sollten – in der Tötungsanstalt Bernburg von den Nazis ermordet.






