Kein Ende des Dramas in Frankreich in Sicht. Vor Beginn einer neuen Hitzewelle versuchen die Einsatzkräfte im Südwesten des Landes, die Waldbrände bei Bordeaux unter Kontrolle zu bringen. 2500 Feuerwehrleute, 18 Löschflugzeuge und 1500 Soldaten sind in der Region im Einsatz.Während der größere der beiden Brände bei Bordeaux den Einsatzkräften weiterhin zu schaffen mache, sei der flächenmäßig kleinere Brand inzwischen unter Kontrolle, sagte Präsident Emmanuel Macron beim Besuch der Einsatzleitung am Montagabend in Bordeaux. „Wir werden diesen Kampf zum Schutz der Bevölkerung gewinnen“, sagte Macron und lobte „die bemerkenswerte Arbeit zum Schutz der Zivilbevölkerung“.Unterstützung ist nicht nur aus weiten Teilen Frankreichs, sondern auch aus dem Ausland eingetroffen. Aus Deutschland kamen am Montagnachmittag zwei Transporthubschrauber und ein Transportflugzeug A400M mit Material in der Krisenregion an. Sie sollten die französischen Kräfte bei der Bekämpfung der Brände in der Umgebung von Bordeaux unterstützen, teilte das Verteidigungsministerium in Berlin mit. Der Einsatz sei zunächst auf fünf Tage begrenzt.Das ist ein so großer Brand, wie man ihn noch nie gesehen hat.Jerome Steffe, Bürgermeister des Bordeaux-Vororts CestasUm dem Feuer die Möglichkeit einer weiteren Ausbreitung zu nehmen, wurden am Montag an zahlreichen Stellen Schneisen in den Wald gerodet. Ein Übergreifen der Flammen auf weitere Gebiete soll damit verhindert werden. Für die Brandbekämpfung sei auch die weitere Wetterentwicklung mit dem Aufkommen von Wind und Hitze wichtig, hieß es von den Behörden. 220.000 Menschen in Region Bordeaux evakuiert „Das ist ein so großer Brand, wie man ihn noch nie gesehen hat“, sagte der Bürgermeister des Vororts Cestas, Jerome Steffe, am Montag. In einem weiten Umkreis verdunkeln riesige Rauchwolken den Himmel. Der Qualm sei überall zu riechen und mache das Atmen schwer, die Luftqualität sei stark beeinträchtigt, berichtete ein dpa-Reporter aus Bordeaux.Seit Mittwoch wurden mehr als 220.000 Menschen in der auch bei Deutschen beliebten Urlaubsregion an der Atlantikküste in Sicherheit gebracht, auch viele Touristen.Empfohlener redaktioneller Inhalt An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. Externen Inhalt anzeigen Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können. Die Flammen sind inzwischen auf bis zu 15 Kilometer an die Großstadt Bordeaux herangerückt. Rund 42.000 Hektar Wald und Buschland sind zerstört. Das sind 420 Quadratkilometer, eine Fläche größer als die Stadt Köln. Seit der Nacht zum Montag hat die Feuerwehr allerdings eine weitere Ausbreitung verhindern können, die Lage habe sich stabilisiert, hieß es. Region Bordeaux bangt um Tourismusbranche Die von Waldbränden betroffene Tourismusregion um Bordeaux bangt unterdessen um die Saison, nachdem die Regierung Urlauber aufgerufen hat, vorerst nicht anzureisen. „Das ist ein schwerer Schlag für einen Großteil des vorwiegend vom Tourismus geprägten Departements – der Tourismus ist komplett zum Erliegen gekommen, die Saison ist vorbei“, sagte der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) der Gironde, Patrick Seguin, wie der Sender BFMTV berichtete.„Wir bitten die Französinnen und Franzosen eindringlich, sich nicht in die Gironde zu begeben, solange das Feuer noch nicht unter Kontrolle ist“, hatte Regierungssprecherin Maud Bregeon am Montagmorgen gesagt.Die Brände waren vergangene Woche an der nur wenige Kilometer entfernten Atlantikküste ausgebrochen. Aber auch in anderen Gegenden Frankreichs tobten Brände, begünstigt durch Winde und extreme Trockenheit infolge von Hitzewellen. Im Laufe der Woche werden in Bordeaux erneut Temperaturen von bis zu 37 Grad erwartet. Brände in Frankreich erzeugen Feuersturm Unterdessen haben die Brände einen Feuersturm erzeugt, der eine glühend heiße Wolke mit eigenem Wetter hervorbringt: Das Pyrocumulonimbus genannte Phänomen ist der Feuerwehr zufolge nun zum ersten Mal überhaupt in Frankreich aufgetreten.Es entsteht, wenn sich bodennahe Luft so stark erhitzt, dass sie schnell zusammen mit Rauch, Wasserdampf und Asche aufsteigt, oft mehrere Kilometer hoch bis in die Stratosphäre. Dort trifft das Gemisch auf kühlere Luftmassen und erzeugt ein eigenes Wettersystem mit starken Winden, die das Feuer weiter anheizen.Löschen oder unter Kontrolle bringen lässt sich der Feuersturm meistens nicht, unter anderem, weil die Winde ständig die Richtung wechseln, sagt Feuerwehrsprecher Eric Brocardi der Nachrichtenagentur AFP. „Die Folge ist, dass es sich in alle Richtungen ausbreitet und mehrere Feuerfronten bildet, was die Lage völlig unberechenbar macht.“ Ein Hubschrauber bei den Löscharbeiten des Waldbrands in Betxi, Castellon. © dpa/Carme Ripollés Leichte Entspannung in Spanien – vorerst In Spanien zeichnet sich eine leichte Entspannung der Lage ab. Die Behörden haben die Evakuierungsanordnungen für 13 Gemeinden in den Regionen Madrid und Kastilien und León aufgehoben. Die Aufhebung sollte am Dienstag um 17.00 Uhr Ortszeit in Kraft treten, wie das spanische Innenministerium erklärte. Die Bewohner könnten nun damit beginnen, in ihre Häuser zurückzukehren.Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska hatte zuvor von einer „positiven Nacht“ gesprochen. „Dank des enormen Einsatzes der Helfer“ konnten Fortschritte bei der Bekämpfung des Feuers erzielt werden, sagte Grande-Marlaska am Dienstag in einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Dennoch befänden sich die Arbeiten zur Brandbekämpfung „in einer kritischen Phase“.„Heute können wir etwas beruhigter sein, insbesondere angesichts der Wetterbedingungen, die uns in den kommenden Stunden erwarten“, fügte der Minister hinzu.Die Präsidentin der Region Madrid, Isabel Díaz Ayuso, äußerte sich ebenfalls optimistisch. Die Lage „bei den Waldbränden bessert sich allmählich“, erklärte sie. „Wir können heute optimistischer sein und mit der Planung der sicheren Rückkehr der Bewohner in mehrere Gemeinden beginnen.“„Wir sehen Licht am Ende des Tunnels“, sagte auch Ministerpräsident Pedro Sánchez nach einer Sitzung des Krisenstabs in Madrid. Die Regierung werde „bis zur letzten Flamme“ alle verfügbaren Mittel einsetzen. Die von den Bränden betroffenen Gebiete seien nun zu Katastrophenzonen erklärt worden, wodurch erste Hilfen anliefen.Der sozialistische Politiker erneuerte zudem seinen Appell für einen parteiübergreifenden Klimapakt. Die Leugnung des vom Menschen verursachten Klimawandels sei „der schlimmste Brennstoff“ im Kampf gegen Brände und Klimakrise, warnte Sánchez vor Journalisten.Die EU hatte am Montag erklärt, weitere Flugzeuge zur Brandbekämpfung nach Spanien zu schicken. „Derzeit sind neun Luftfahrzeuge vor Ort im Einsatz, und morgen werden es elf sein – bereitgestellt aus unserer europäischen strategischen Reserve“, hatte EU-Kommissarin Hadja Lahbib der Nachrichtenagentur AFP gesagt. Rennen gegen die Zeit Die Löscharbeiten entwickeln sich derweil zu einem Rennen gegen die Uhr, denn der Wetterdienst Aemet hat für Mittwoch den Beginn der vierten Hitzewelle des Sommers im beliebten Urlaubsland angekündigt. Diese soll mindestens bis Sonntag anhalten. Temperaturen von bis zu 42 Grad sowie eine sinkende Luftfeuchtigkeit könnten die Arbeiten deutlich erschweren.Rund 63.000 Menschen mussten vor den Flammen in Sicherheit gebracht werden, fast die Hälfte von ihnen in der Region um die Hauptstadt Madrid. Seit Jahresbeginn sind demnach bereits 175.000 Hektar Land verbrannt – das ist das Sechsfache der vernichteten Fläche im Vorjahreszeitraum. Die Regierung spricht von den schwersten Waldbränden in der jüngeren Geschichte des Landes.Besonders betroffen bleiben die Provinz Ávila westlich von Madrid sowie die benachbarten Regionen Madrid und Toledo, wo die Brände zusammen knapp 80.000 Hektar Wald- und Buschland verwüstet haben. Seit dem Wochenende hat sich die Ausbreitung der Brände dort aber deutlich verlangsamt. Bei Waldbränden im Osten des Landes nahe Valencia wurden mehr als 7000 Hektar Land verwüstet, es gab ein Todesopfer.Der Brand in Ávila wurde nach ersten Erkenntnissen der zuständigen Behörden vermutlich durch landwirtschaftliche Arbeiten ausgelöst. Nach Medienberichten wurde dort ein Mann unter dem Vorwurf der fahrlässigen Brandstiftung festgenommen. Er soll trotz eines wegen der Hitzewelle geltenden Verbots schweres Gerät benutzt und dadurch das Feuer ausgelöst haben. (dpa, AFP, Tsp)