Schmierereien und Brandanschläge: Angriffe auf Moscheen in Grossbritannien häufen sichDie Zahl der polizeilich erfassten Hassverbrechen im Vereinigten Königreich befindet sich auf einem Höchststand. Auch die Zahl antisemitischer Vorfälle ist weiterhin hoch.28.07.2026, 16.00 Uhr3 LeseminutenWorshippers leaves after taking part in Friday Prayers at the London Islamic Cultural Society (LICS) and Mosque in Haringey, north London. Hundreds of mosques across the country are strengthening their security and protective measures ahead of planned protests, the Muslim Council of Britain (MCB) has said. There are fears that Islamic places of worship could be targeted during demonstrations expected to take place over the weekend following the Southport stabbing attack. Picture date: Friday August 2, 2024. (Photo by Jonathan Brady/PA Images via Getty Images)Jonathan Brady / PA Images / GettyAlle fünf Tage wird in Grossbritannien eine Moschee angegriffen. Das geht aus neuen Daten hervor, die vom British Muslim Trust veröffentlicht wurden. Dabei handelt es sich um eine Partnerorganisation der britischen Regierung, die antimuslimischen Hass überwacht. Die drei am stärksten betroffenen Gebiete sind London, Greater Manchester und die West Midlands.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nach Angaben der Londoner Polizei wurden allein in der Hauptstadt in den vergangenen zwölf Monaten 1636 Fälle von antimuslimischen Hassverbrechen registriert – ein Anstieg um 31,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Hauptstadt erlebte neun separate Angriffe auf Moscheen. Eine Moschee in Birmingham wurde in den letzten zwölf Monaten dreimal attackiert.Häuser, Autos und Moscheen im ganzen Land werden Ziel von Brandstiftung. In den vergangenen Wochen wurden in Blackburn im Norden Englands mehrere Brandanschläge gemeldet, bei denen drei Gebetsräume oder Moscheen ins Visier genommen wurden. Ähnliche Angriffe wurden auch bei Moscheen und Wohnhäusern im Grossraum Manchester gemeldet. Mitte Juli wurde ein 14-jähriger Junge wegen der Vorbereitung terroristischer Anschläge auf zwei Moscheen in Sutton angeklagt.Der Nahostkonflikt als KatalysatorDie Zahl der polizeilich erfassten Hassverbrechen im Vereinigten Königreich hat in den vergangenen Jahren seit Beginn der Aufzeichnung 2004 massiv zugenommen. In den zwölf Monaten bis März 2025 wurden in England und Wales 137 550 Hassverbrechen von der Polizei registriert. Nach Einschätzung der Regierung waren 38 000 Fälle davon religiös motiviert.Islamfeindliche Angriffe erreichten derzeit ein alarmierendes Ausmass, hatte Amnesty International schon im Juni gemahnt. Die Gewalt habe vielfältige Formen angenommen. Dazu gehören Einschüchterungsversuche, Gewalt, Sachbeschädigung, Belästigung, antimuslimische Hassrede, Online-Belästigung und Vandalismus.Der Leiter der Londoner Polizei, Sir Mark Rowley, erklärte vor wenigen Tagen, die Polizei werde ihre Bemühungen zum Schutz der Bevölkerung vor Hassverbrechen weiter verstärken. Als Referatsleiter für Hassverbrechen im National Police Chiefs’ Council ist der Polizeichef Mark Hobrough von der Gwent Police für die landesweiten polizeilichen Massnahmen zuständig. Der «New York Times» sagte er im Mai, er glaube «leidenschaftlich» an die Meinungsfreiheit. Gleichzeitig warnte er vor einer «Pyramide des Hasses», in der hasserfüllte Äusserungen und Aufstachelung im Internet «eine Akzeptanz» für Übergriffe in der realen Welt schüfen.Hobrough erklärte, das Problem sei seiner Meinung nach zum Teil durch Desinformation im Internet, in Verbindung mit globaler Instabilität und einer zunehmend spaltenden politischen Rhetorik, angeheizt worden. Dies führe zu einem Anstieg islamfeindlicher, antisemitischer und rassistischer Straftaten im Vereinigten Königreich. Sprich: Der Nahostkonflikt wirkt wie ein Katalysator für religiösen Hass im Inland, von dem sowohl jüdische als auch muslimische Gemeinschaften betroffen sind.«Pandemie des Antisemitismus»Auch die Zahl antisemitischer Vorfälle ist weiterhin hoch. Der Community Security Trust, eine britische Wohltätigkeitsorganisation, die Hassverbrechen gegen britische Juden erfasst, meldete den zweithöchsten jemals registrierten Jahreswert: Im Jahr 2025 wurden im Vereinigten Königreich 3700 antisemitische Vorfälle verzeichnet. Das entspricht einem Anstieg von 4 Prozent gegenüber 2024 und deutet auf anhaltend hohe Zahlen seit dem Hamas-Überfall auf Israel vom 7. Oktober 2023 hin.Im Mai sprach der Leiter der Londoner Polizei, Mark Rowley, von einer «sich ausbreitenden Pandemie des Antisemitismus» im Vereinigten Königreich. Ein Teil des Anstiegs der insgesamt gemeldeten Hassverbrechen lässt sich auch auf die häufigere Meldung zurückführen, wobei die Dunkelziffer laut Amnesty International noch als hoch gilt.Passend zum Artikel