Wenn Matthias Neth, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, zufrieden ist, dann allenfalls mit der geschäftlichen Entwicklung der noch 50 öffentlich-rechtlichen Institute in dem südwestlichen Bundesland. Die Bilanzsumme ist im Vorjahresvergleich kumuliert leicht um 1,2 Prozent auf jetzt 254,5 Milliarden Euro gestiegen. Die Sparkassen, die dort gemeinsam mit der Landesbank LBBW einen Marktanteil von rund 50 Prozent haben, gaben auch mehr Kredite aus als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres.Aber, und das zog sich wie ein roter Faden durch die Ausführungen von Neth auf der Halbjahrespressekonferenz in Stuttgart: die wirtschaftlichen Umstände sind schwierig. „Die deutsche Wirtschaft ist besser in das Jahr gestartet als zunächst erwartet. Von einem nachhaltigen Aufschwung kann jedoch noch keine Rede sein. Gerade Baden-Württemberg steht als stark industriell geprägtes Land weiterhin unter erheblichem Druck“, sagte Neth. Erst jüngst hatte der in Stuttgart beheimatete Sportwagenbauer Porsche den Abbau von weiteren 5000 Arbeitsplätzen angekündigt.Neth wertet es schon als Erfolg, dass das Volumen von Krediten an Unternehmen und Selbständigen auf dem Niveau des Vergleichszeitraums 2025 liegt. „Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten halten sich viele Unternehmen mit Investitionen zurück. Zugleich nehmen Unternehmensinsolvenzen bundesweit zu“, sagt er. Damit hätten auch die Ausfallrisiken im Kreditgeschäft zugenommen. „Wir sehen, dass Ratings sich verschlechtern, aber nennenswerte Wertberichtigungen“ habe es noch nicht gegeben, sagte Neth.Genauer hinschauen bei der KreditvergabeDer Präsident des Sparkassenverbands gestand zu, dass die öffentlich-rechtlichen Institute bei der Vergabe von Unternehmenskrediten „die Bonität der Unternehmen und vorhandene Sicherheiten noch sorgfältiger“ prüfen. Von einer „restriktiveren Kreditvergabe“ mochte er aber ausdrücklich nicht sprechen. „Die Sparkassen sind bereit, mehr Geschäft zu machen“, sagte Neth.Im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres stieg das an Privatpersonen vergebene Kreditvolumen um 2,1 Prozent auf 79,6 Milliarden Euro und liegt jetzt fast gleichauf mit den 81,8 Milliarden Euro an Krediten, die die Sparkassen in Baden-Württemberg an Unternehmen vergeben haben.Regelrecht explodiert ist indes im Ländle die Kreditvergabe an Kommunen. Ihnen haben die Sparkassen jetzt sechs Milliarden Euro geliehen, das sind 20 Prozent mehr als vor einem Jahr. Gleichzeitig sanken die Einlagen der Kommunen bei den Sparkassen im Südwesten um 15 Prozent auf jetzt 9,1 Milliarden Euro. „Die öffentlichen Haushalte stehen mit dem Rücken zur Wand. Ihre Finanzsituation muss uns besorgen“, sagte Neth. Die Effekte der Reformen der Bundesregierung haben das stark von der Automobilindustrie geprägte Bundesland noch nicht erreicht. Neth sieht noch keine Belebung und hat auch nicht die Erwartung, dass es „steil nach oben geht“.Und auch die Bürger halten ihr Geld zusammen. Zwar wuchsen die Einlagen von Privatleuten bei den 50 Sparkassen um knapp zwei Prozent auf 132 Milliarden Euro. Der Anstieg entfällt aber vornehmlich auf Sichteinlagen, die kurzfristig verfügbar sind. Ein Trend, der sich schon vor einem halben Jahr abgezeichnet hatte.Kein Konsum auf Pump„Auf Pump“ lebt die „schwäbische Hausfrau“ aber nicht. Im Gegenteil. Das Volumen der Konsumentenkredite ist leicht rückläufig und liegt zum Halbjahr bei 6,93 Milliarden Euro, gestiegen ist indes das Volumen der Immobilienkredite um 1,8 Milliarden auf jetzt 72,7 Milliarden Euro. Und auch Aktien werden beliebter: Der Wertpapierumsatz (Käufe plus Verkäufe) stieg in den ersten sechs Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,1 Prozent auf 19,8 Milliarden Euro. Ergebniszahlen berichtet der Sparkassenverband Baden-Württemberg zum Halbjahr nicht.
Sparkassen Baden-Württemberg: Reformen wirken noch nicht
In Baden-Württemberg haben die Sparkassen einen Marktanteil von 50 Prozent. Sie können die wirtschaftliche Lage gut einschätzen. Ihr Fazit: Die versprochenen Reformen wirken noch nicht. Und es gibt Alarmsignale.






