Selten ist in der amerikanischen Musikbranche jemand schneller berühmt geworden und noch schneller abgestürzt als David Anthony Burke. Nach Kompositionen für Montagen des Videospiels Fortnite am Computer in seinem Kinderzimmer wurde D4vd, wie sich der New Yorker nennt, im Sommer 2022 über Nacht als Sänger bekannt.Sein Popsong „Romantic Homicide“ fand bei Tiktok Millionen Fans, bevor er durch das kalifornische Label Interscope Records entdeckt und neu aufgelegt wurde. Wenige Monate später folgte der Titel „Here With Me“, ein Jahr später erschienen die Tonträger „Petals To Thorns“ und „The Lost Petals“. Ende April 2025 veröffentlichte Burke sein erstes Studioalbum „Withered“.Als einer der hellsten neuen Sterne der Musikbranche hatte der damals Zwanzigjährige schon vor Erscheinen des Albums Werbeverträge bei Bose, Crocs und Hollister unterzeichnet. Wie Louis Poimiroo, Interscopes Finanzchef, vor einigen Tagen bei einer Anhörung vor Gericht in Los Angeles sagte, hatte Burke es als D4vd aus seinem Kinderzimmer innerhalb kürzester Zeit zu einer Marke im Wert von fast 20 Millionen Dollar geschafft.Er soll die Leiche erstochen und zerstückelt habenDer Absturz des Sängers soll sich schon während seines steilen Aufstiegs angebahnt haben. Die Staatsanwaltschaft des Bezirks Los Angeles wirft Burke vor, seine Freundin Celeste Rivas Hernandez erstochen und zerstückelt zu haben – zwei Tage vor Erscheinen seines ersten Albums. Wie der stellvertretende Leiter der Rechtsmedizin des Bezirks Los Angeles, Grant Ho, jetzt bei der Anhörung zur Offenlegung der Beweise für einen Mordprozess aussagte, hatte Rivas Hernandez ihren 15. Geburtstag noch vor sich, als sie durch Stiche in Lunge und Leber getötet wurde.Das Bekanntwerden einer sexuelle Beziehung zu einer Minderjährigen, in Kalifornien geahndet als Vergewaltigung, hätte Burkes Musikkarriere noch schneller beendet, als sie begonnen hatte. Während die stellvertretende Bezirksstaatsanwältin Beth Silverman in den vergangenen Tagen mit Ho debattierte, wie lange der Leichnam im Tesla des Sängers in den Hollywood Hills lag, saß der Angeklagte in dunkler Brille und orangefarbenem Gefängnisoverall regungslos neben seinen Anwälten.Er zeigte kaum EmotionenAuch bei der Aussage des Gerichtsmediziners zur Obduktion von „Celeste“ zeigte Burke kaum Emotionen. Während ein Foto ihres zerstückelten Leichnams auf eine Leinwand projiziert wurde, schilderte Ho, dass Larven, verflüssigte Körperteile und der starke Verwesungsgeruch darauf hindeuteten, dass die Vierzehnjährige monatelang in Burkes Tesla lag. Die Betreiber eines Abschlepphofs hatten im vergangenen September das Los Angeles Police Department (LAPD) alarmiert, nachdem ihnen Gerüche aus dem Wagen aufgefallen waren.Im Kofferraum fanden die Beamten Leichenteile in Plastiktüten, die Rivas Herandez zugeordnet werden konnten. Die Eltern der Schülerin aus Lake Elsinore etwa 150 Kilometer südöstlich von Hollywood hatten das Mädchen im Frühjahr 2024 vermisst gemeldet. In den Wochen zuvor hatte es wiederholt über einen Freund mit dem Namen David geschwärmt.Wie der Polizeibeamte Corey Farrell jetzt bei der Anhörung in Los Angeles aussagte, fanden er und seine Kollegen Dutzende Fotos auf Burkes Smartphone, die den Angeklagten bei sexuellen Begegnungen mit der damals 13 und 14 Jahre alten Schülerin zeigten. Die Staatsanwältin Silverman hatte zuvor schon auf Textnachrichten zwischen Opfer und mutmaßlichem Täter verwiesen, in denen sich beide über Verhütung austauschten.Sie haderte mit dem SchwangerschaftsabbruchNach den bisherigen Ermittlungen war Rivas Hernandez als Dreizehnjährige schwanger geworden. Mit dem Hinweis, die Familiengründung bis nach der Hochzeit aufschieben zu wollen, soll der Sänger seine Freundin damals zu einer Abtreibung gedrängt haben. Ein Jahr später, Anfang 2025, begann Rivas Hernandez, mit dem Schwangerschaftsabbruch zu hadern. „Ich habe das unschuldige Leben eines echten Kindes beendet“, schrieb sie damals.Die Textnachrichten zeigten auch, dass die Schülerin und der Sänger sich wiederholt trennten. Laut Anklage drohte Rivas Hernandez am 22. April 2025, die sexuelle Beziehung mit Burke öffentlich zu machen. „Ich werde meinem Vater so viele Lügen über dich erzählen, dass sie deine Karriere und dein Leben beenden“, schrieb die Schülerin damals. Einen Tag später soll der Einundzwanzigjährige sie in der Garage seines Anwesens im noblen Viertel Bird Streets in den Hollywood Hills erstochen und in einem blauen, aufblasbaren Wasserbecken mit Kettensägen zerlegt haben. Auch einen Finger des Opfers trennt Burke ab. Laut Staatsanwaltschaft trug Rivas Hernandez an dem Finger den tätowierten Namen des Sängers.Reisepass am Highway gefundenIn den Schnittwunden und an den abgetrennten Körperteilen des Opfers fand der Gerichtsmediziner Ho später blaue Plastikstücke, die von dem Wasserbecken stammten. Ein Mitarbeiter der kalifornischen Straßenbaubehörde Caltrans entdeckte an einem Highway im benachbarten Bezirk Santa Barbara zudem Rivas Hernandez' Reisepass. Burkes Tesla konnte für die Nacht des 23. April 2025 laut der Staatsanwältin Silverman ebenso in der Region geortet werden wie das Smartphone des Sängers.Burkes Verteidigerin Blair Berk, bekannt für prominente Mandanten wie Mel Gibson, Britney Spears und Harvey Weinstein, verwies derweil auf vermeintliche Versäumnisse der Ermittler. „Sie haben die Sägen nicht beschlagnahmt, um zu prüfen, ob die Ketten mit den Spuren der Zerstückelung übereinstimmten?“, spielte die Juristin auf Ungereimtheiten zu den Werkzeugen an. Zudem sei die Auswertung von Mobilfunkdaten nicht eindeutig. Sie belegten gerade nicht, dass D4vd am Steuer saß, als sein Tesla nach dem mutmaßlichen Mord in Santa Barbara County geortet wurde.Berk deutete auch Ungereimtheiten bei der späten Festnahme ihres Mandanten an. Obwohl Burkes Wagen mit den Leichenteilen schon im vergangenen September entdeckt wurde, hatten die kalifornische Justizbehörden den Sänger erst im April verhaftet und Anklage wegen fortgesetzten sexuellen Missbrauchs eines Kindes, Mordes und Verstümmelung einer Leiche erhoben.Nach der fast eine Woche langen Anhörung entschied die Vorsitzende Richterin Charlaine Olmedo am Montagnachmittag (Ortszeit), D4vd vor Gericht zu stellen. Die von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Beweise reichten für einen Mordprozess. Falls die Geschworenen das Verbrechen bei dem bevorstehenden Verfahren als Versuch des Sängers sehen, seine Musikkarriere zu retten, droht ihm die Todesstrafe.Die sogenannte death penalty wird in Kalifornien zwar seit zwei Jahrzehnten nicht mehr vollstreckt. Die Wähler des Pazifikstaates weigerten sich aber bei Volksentscheiden in den Jahren 2012 und 2016, die Todesstrafe aus den kalifornischen Gesetzen zu streichen.
Er soll eine 14-Jährige getötet und zerstückelt haben: D4vd wegen Mordverdacht vor Gericht
Er soll eine 14-Jährige getötet und zerstückelt haben, die Leiche verweste monatelang in seinem Tesla: Nun muss der amerikanische Musiker D4vd vor Gericht. Wollte er mit der mutmaßlichen Tat seine Karriere retten?












