Für viele Beobachter gilt Frankreichs Ausscheiden im Halbfinale der zurückliegenden Fußball-Weltmeisterschaft gegen Spanien als eine gute Nachricht für Zinédine Zidane. In 14 Jahren hat Didier Deschamps als Nationaltrainer der Franzosen mit der Weltmeisterschaft 2018 zwar einen Titel geholt, doch er wollte auch in den darauffolgenden Jahren immer wieder an Titeln gemessen werden. Nun kann es sein Nachfolger und ehemaliger Mitspieler in der französischen Nationalmannschaft zwischen 1994 und 2000 noch ein Stück besser machen.Kaum ist sein Name ausgesprochen, wird Zidane bereits die Macht zugeschrieben, alles wieder in Ordnung zu bringen. Die Begeisterung, die ihn umgibt, ist riesig. Sie grenzt an Verehrung. Und sie könnte zu seinem ersten und gleichzeitig größten Gegner werden.Bereits im März wurde von einer mündlichen Vereinbarung zwischen Zidane und dem französischen Fußballverband (FFF) berichtet. Die FFF soll mit gar keinem anderen Coach gesprochen haben. An diesem Dienstag nun verkündete der Verband, dass Zidane neuer Nationaltrainer der französischen Auswahl wird. Der 54-Jährige unterschrieb demnach einen bis ins Jahr 2030 gültigen Vertrag.„Ich habe es oft gesagt: Es gibt nichts Größeres als die französische Nationalmannschaft. Daher ist es eine Freude und natürlich eine große Ehre, Trainer dieser französischen Nationalmannschaft zu werden. Es ist aber auch eine Verantwortung“, wurde Zidane in einer Mitteilung zitiert.„Das ist ein Traum“Zidane verließ Real Madrid im Mai 2021. Seitdem haben Paris Saint-Germain, Juventus Turin, Manchester United, der FC Bayern München sowie der brasilianische Verband sein Umfeld kontaktiert. Er hat jedes Angebot abgelehnt. Für ihn gab es nur ein einziges Ziel. Jahrelang hat er gehofft, dass Deschamps irgendwann seinen Job aufgibt. Und das lieber früher als später. Zidane hat das im Laufe der Zeit immer deutlicher formuliert.„Ich möchte mit der französischen Nationalmannschaft den Kreis schließen. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, dann werde ich da sein“, erklärte er zuletzt mehrmals. Im Mai ging er bei einer Sponsorenveranstaltung in Paris noch einen Schritt weiter: „Ich fühle mich in der französischen Nationalmannschaft zu Hause, wo ich zwölf Jahre als Spieler verbracht habe. Das ist ein Traum.“Erfolgreicher Coach Zinédine ZidaneREUTERSKeinem anderen Trainer ist es gelungen, drei Champions-League-Titel in Serie zu gewinnen. Zidane schaffte dies in den Jahren 2016, 2017 und 2018 mit Real Madrid. Er hat zudem eine Mannschaft mit Cristiano Ronaldo, Sergio Ramos, Gareth Bale, Toni Kroos und Luka Modrić geführt und deren Zusammenhalt über drei Spielzeiten hinweg in den K.-o.-Spielen der Champions League aufrechterhalten. Viele sahen darin den Beweis, dass er der richtige Mann für diesen Posten ist.Seit gut fünf Jahren hat Zidane aber keine Mannschaft mehr trainiert. Das Spiel hat sich seitdem weiterentwickelt, mit intensiverem Pressing und einem zunehmenden Einsatz von Statistiken bei der Spielvorbereitung. Er hat zudem noch nie eine Nationalmannschaft trainiert. Ist ihm das zuzutrauen?1998 wurde Zidane beim Weltmeistertitel spätestens nach seinen zwei Treffern im Finale gegen Brasilien (3:0) zu einer nationalen Ikone. Unabhängig davon, wie er sich als Trainer schlägt, wird es ihm schwerfallen, dem fast göttlichen Status gerecht zu werden, den er als Spieler erlangt hat. Die Fans, die ihn als Retter erwarten, könnten die Ersten sein, die ihm vorwerfen, keiner mehr zu sein. Doch ehemalige Mitspieler von Zidane zeigen sich durchaus optimistisch.„Er ist die Ikone eines ganzen Landes“„Zizou ist ein Alchemist“, meinte der frühere Nationalspieler Emmanuel Petit gegenüber dem Radiosender „RMC Sport“: „Alles, was er anfasst, verwandelt sich in Gold. Durch sein Charisma und seine Ausstrahlung hat er die Fähigkeit, in die Köpfe der Spieler vorzudringen. Sobald er die Umkleidekabine betritt, stehen alle stramm. Er ist die Ikone eines ganzen Landes. Er ist niemand, der besonders viel redet, aber wenn er spricht, dringt er in die Köpfe der Spieler ein. Er wird alle mitreißen.“Kann mit Stars umgehen: Zinédine Zidane im Gespräch mit Kylian MbappéAP Photo/Andrea ComasDeschamps hat seine Mannschaften auf Teamgeist und defensive Solidität aufgebaut. Zidane bleibt in der Erinnerung der Fans mit einem offensiven Spiel und Kreativität verbunden. Die häufigste Kritik an der Ära Deschamps richtete sich gegen den Mangel an Spektakel. Die Fans erwarten von Zidane eine offensivere Spielweise; er muss seinen Stil finden, ohne dabei die Effizienz zu opfern – denn nur sie bringt Titel.Zidanes Problem wird es nicht sein, andere zu überzeugen. Seine Ausstrahlung, seine Erfolge in Madrid und seine enge Verbundenheit mit dem Nationalteam verschaffen ihm sofortige Legitimität. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die Nachfolge eines Nationaltrainers anzutreten, der Frankreich zu einer außergewöhnlichen Stabilität verholfen hat: Weltmeister 2018, WM-Finalist 2022, im Finale der Heim-EM 2016 und im Halbfinale der WM 2026.Thierry Henry brachte es zuletzt beim US-amerikanischen Sender „Fox Sports“ auf seine Weise auf den Punkt, als er Deschamps vor einer wiederkehrenden Kritik verteidigen wollte. „Es wird sehr schwer sein, Didier zu ersetzen“, warnte der ehemalige französische Nationalstürmer. „Man hat oft gehört, er habe Glück gehabt. Das hat aber keineswegs mit Glück zu tun. Er hat eine herausragende Arbeit geleistet.“Eine Warnung, die über eine bloße Hommage hinausgeht: Der nächste Nationaltrainer wird an einer Bilanz gemessen werden, die man kaum noch als selbstverständlich abtun kann. Ein Titelgewinn würde nicht unbedingt ausreichen, um diesen Vergleich aus der Welt zu schaffen. Er müsste auch diese Kultur des Spitzenfußballs einer von Mbappé angeführten Generation aufrechterhalten und den Zusammenhalt einer Mannschaft bewahren, die es gewohnt ist, weit zu kommen.
Fußball: Zinédine Zidane übernimmt Frankreichs Nationalteam als Trainer
Zinédine Zidane tritt die Nachfolge von Didier Deschamps an. Als Spieler hatte er in seiner Heimat einen fast göttlichen Status. Kann er dem auch als französischer Fußball-Nationalcoach gerecht werden?












