Jugendsprache verbreitet sich heutzutage rasant über die sozialen Medien. Auf TikTok, YouTube oder Instagram werden Begriffe gesetzt, gehen viral und werden schließlich in den Sprachgebrauch übernommen. Seit 2008 wird bereits nach Begriffen gesucht, die die Jugendsprache prägen.Einmal im Jahr entscheiden Menschen zwischen elf und 20 Jahren darüber, welche Sprachfloskel sie besonders angesagt finden. Im vergangenen wurde „das crazy“ gewählt. Nun stehen die Top 10 der Begriffe fest, die „Jugendwort des Jahres“ werden können.Ein besonders häufig genannter Begriff wurde von der Jury des Pons-Langenscheidt-Verlags allerdings nicht für die Endrunde zugelassen. Woran das lag und was die Begriffe in den Top 10 bedeuten (Voting läuft nun drei Wochen): Die Wahl des Jugendwortes lebt von dem, was junge Menschen bewegt, und wie sie die Welt wahrnehmen. Deshalb nehmen wir die Einreichungsphase sehr ernst.Verlag Pons LangenscheidtDie Verantwortlichen bei Pons Langenscheidt teilten mit: „Die Wahl des Jugendwortes lebt von dem, was junge Menschen bewegt, und wie sie die Welt wahrnehmen. Deshalb nehmen wir die Einreichungsphase sehr ernst.“ „67“ Was die Zahlenfolge – gesprochen „six seven“ – genau bedeutet, können nicht einmal die Jugendlichen selbst erklären. Sie wird häufig als Insider verwendet und passt eigentlich bei jeder Gelegenheit – inklusive der abwägenden Handbewegung. Entstanden ist der Hype in den USA durch TikTok, Basketball-Memes und den Song „Doot Doot (67)“ des Rappers Skrilla. „Crashout“ Verliert man komplett die Fassung, rastet aus oder reagiert extrem emotional, dann erlebt man einen „Crashout“. Kann laut Langenscheidt-Verlag sowohl ernsthaft als auch ironisch verwendet werden. Beispiel: „Wenn mein Akku gleich ausgeht, gehe ich Crashout.“ „Digga“ Der Ausruf ist ein absoluter Klassiker unter den Jugendwörtern. Immer wieder schafft er es in die Endauswahl. Kann je nach Situation Bruder, Kumpel, Bro bedeuten – oder als Anrede für jedermann Herhalten: „Digga, was war das denn?!“ „Du bist gut genug“ Die Passage aus dem viralen Song des Produzentenduos Kitschkrieg mit Blumengarten und Shirin David hat sich nicht nur auf TikTok rasant verbreitet. Inzwischen gibt es dazu zahllose Memes, Interpretationen und Parodien. In sozialen Medien wird der charakteristisch mit Kopfstimme gesungene Refrain etwa abgewandelt zu „Arbeitszeitbetruuuuug“ oder „Es ist warm genuuuuug.“ „Gute Käse“ Wenn etwas nicht nur gut genug ist, sondern richtig gut oder sogar stabil, dann ist es laut Langenscheidt-Verlag „gute Käse“. Eine wörtliche Bedeutung hat die Floskel demnach nicht. Sie wird als Lob oder Zustimmung verwendet. Zum Beispiel: „Der Song ist wirklich gute Käse.“ „Macker“ Der Begriff sagt sogar den Älteren etwas und erlebt nun mit eigentlich derselben Bedeutung ein Revival. Er wird je nach Kontext für Freund, Crush oder Kumpel verwendet, oft ironisch oder liebevoll: „Mein Macker kommt später noch vorbei.“ „Peak“ Bedeutet im Englischen „Gipfel“ und wird auch in der Jugendsprache so verwendet. Ist etwas „peak“, dann ist es das Beste vom Besten oder der absolute Höhepunkt. Beispiel: „Das Konzert war echt Peak.“ „Ragebait“ Wer Clickbait kennt, der kann sich auch Ragebait gut erklären. Gemeint sind Inhalte in sozialen Medien, die absichtlich triggern sollen. Etwa mit provokanten Thesen, Falschbehauptungen oder wilden Meinungen soll versucht werden, Wut auszulösen. Das wird bekanntlich vom Algorithmus belohnt und bringt Kommentare, Likes und Reichweite. „Schere“ Bedeutet so viel wie „Mein Fehler.“ Der Begriff kommt aus der Gaming-Szene und wird dort verwendet, um sich nach einem blöden Fehler zu entschuldigen. Kann aber auch in allen anderen Alltagssituationen verwendet werden. Beispiel: „Schere. Habe mich wochenlang nicht gemeldet.“ „Süper“ Stammt aus dem Türkischen und bedeutet „super“. Bekannt geworden ist die Floskel laut Verlag durch ein virales Video eines Ultramarathonläufers, der nach seinen Rennen auf die Frage, wie es ihm gehe, mit „Süper!“ antwortete. Voting für die Top Ten zwischen 28. Juli und 20. August möglich Bis zum 20. August kann nun über die Top 10 des Jugendworts des Jahres abgestimmt werden. Danach darf über die Top 3 entschieden werden. Der Sieger soll am 10. Oktober verkündet werden. Nicht dabei ist „Mehrzweckeier“ Vielfach haben die Jugendlichen dem Verlag zufolge auch den Begriff „Mehrzweckeier“ eingereicht. Dieser sei am Ende der Einreichungsphase unter den Top 10 gewesen, teilte der Verlag mit. Die Verantwortlichen entschieden sich aber, die Floskel nicht für die Endabstimmung zuzulassen. „Da der Begriff auf eine Kampagne zurückgeht und gleichzeitig auf einer persönlichen Beleidigung beruht, erfüllt er gleich zwei zentrale Ausschlusskriterien“, hieß es vom Verlag. Bei dem Begriff handelt es sich wohl um eine Abwandlung von „Merz leck Eier“. Aufgetaucht waren diese Worte unter anderem vor einigen Monaten bei Protesten junger Menschen gegen die Wehrpflicht. Bei einer Schüler-Demonstration Anfang März in Berlin hatte ein 18-Jähriger ein Plakat mit der Aufschrift „Merz leck Eier“ getragen.Die Polizei teilte anschließend mit, dass sie gegen den jungen Mann wegen des Verdachts der Verleumdung von Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz ermittelt. Auch bei späteren Protestzügen tauchten Plakate mit dieser Aufschrift auf. Sie könnten auf die Bundeswehr-Musterung anspielen.Wir hatten lange Zeit das Gefühl, die Boomer wollen uns erklären, was die Jugendsprache ist.Levi Penell, Content-CreatorAuf TikTok wird übrigens auch gesucht, welche Begriffe jüngere Leute mit der älteren Generation verbinden. Dort lässt der 25-jährige Content-Creator Levi Penell wieder über das „Boomerwort des Jahres“ abstimmen.„Es ist eine satirische Antwort auf das Jugendwort des Jahres“, erklärte Penell Mitte Mai der Deutschen Presse-Agentur. „Denn hier hatten wir lange Zeit das Gefühl, die Boomer wollen uns erklären, was die Jugendsprache ist. Und oft waren es dann Worte, die man als Jugendlicher noch gar nicht gehört hat.“Als Boomer bezeichnen Jugendliche generell Menschen der älteren Generation. Der Berliner sucht mit seiner Community auf Tiktok und Instagram Begriffe, die sie mit Älteren verbinden, aber „die irgendwie hart gehen, also auf bestimmte Art und Weise auch ganz geil sind“.2024 wählte die jüngere Generation das Wort „Sportsfreund“ zum „Boomerwort des Jahres“, ein Jahr später „Baujahr“ als Synonym für das Geburtsjahr. Aus den Begriffen, die Nutzerinnen und Nutzer vorschlagen, wählt der Berliner die beliebtesten aus und stellt diese zur Auswahl. (lem, dpa)
„Gute Käse“, „Schere“, „Digga“: Was die Favoriten bei der Wahl zum Jugendwort 2026 bedeuten
Wenn Jugendliche sich unterhalten, bleiben Außenstehende oft ratlos. Wer mitreden will, sollte in diesem Jahr diese zehn Begriffe kennen. Ein Ausdruck wurde aber nicht für die Endrunde zugelassen.








