PfadnavigationHomeReiseNatur vor der HaustürUm Flamingos zu sehen, müssen Sie nicht nach Florida fliegenStand: 07:02 UhrLesedauer: 4 MinutenBunte Vögel vor der Haustür: Flamingos im Naturschutzgebiet Zwillbrocker Venn im MünsterlandQuelle: Lars Berg/dpaNordrhein-Westfalen ist ein erstaunliches Ziel für Hobby-Vogelkundler: Man trifft dort auf seltene Arten und kann das Naturerlebnis in vollen Zügen genießen – dank guter Infrastruktur, Wanderrouten und Beobachtungshütten. Drei Beispiele.Zwillbrocker Venn bei Vreden Wer wilde Flamingos mit ihren rosafarbenen Federn in der freien Natur beobachten will, muss nicht bis nach Florida fliegen. Ein Ausflug in das westliche Münsterland reicht.Neben Tausenden Lachmöwen brüten Dutzende Flamingos auf einer Insel im Zwillbrocker Venn, Reste eines Hochmoores und Naturschutzgebiet an der Grenze zu den Niederlanden. Die exotisch anmutenden Tiere halten den Kopf meist unter die Oberfläche, wenn sie im Wasser stehen. Mit ihren Schnäbeln filtern sie Kleinlebewesen heraus. Lesen Sie auchGleich drei Flamingo-Arten sind zur Balz- und Brutzeit anzutreffen. Den Herbst und Winter verbringen sie in der Regel im Rheindelta in den Niederlanden, wie der Vize-Geschäftsführer der Biologischen Station, Nikolai Eversmann, erklärt. Erst seit 1983 brüten Flamingos regelmäßig im Zwillbrocker Venn. „Also wo sie letzten Endes herkommen, ist ein Stück weit unbekannt“, sagt Eversmann. Man gehe davon aus, dass sie aus Vogelparks oder Privathaltungen entwischt sind. Lesen Sie auchErik Ottema, der mit seiner Kamera auch gerade in der Beobachtungshütte steht, glaubt nicht an diese Theorie. Der Flamingo-Spotter beobachtet seit 2017 intensiv die Tiere und führt Tagebuch über das Geschehen. Er glaubt vielmehr an die Fähigkeiten der Flamingos, große Distanzen überwinden zu können. Fest steht: Die Flamingos im Münsterland gelten als die nördlichste wild brütende Flamingokolonie der Welt.Infos: www.bszwillbrock.de/de/biologische-station-zwillbrockBislicher Insel bei XantenDer Seeadler ist hier der Star. Die Greifvögel mit einer Spannweite von bis zu 2,5 Metern leben ganzjährig auf der früheren Insel. Die Chancen, sie zu sehen, sind aktuell relativ gut.Jungtiere bräuchten richtig viel Futter, die Eltern hätten damit mächtig zu tun, schildert die Leiterin des RVR-Naturforums Bislicher Insel, Ilka Weidig. Der Nachwuchs drehe schon erste Flugrunden. Nachdem die Jungtiere das Nest verlassen, kämen sie aber zum Schlafen zurück. „Man kann den Horst nicht übersehen“, meint Weidig. Er befinde sich auf einer toten Pappel ohne Laub.Weidig verweist auch auf die Löfflerkolonie. Die Vögel mit ihrem weißen Gefieder sind nicht ganz so groß wie Graureiher. Der lange Schnabel hat eine löffelartige Verbreiterung. Infos: www.rvr.ruhr/index.php?id=342Kriekenbecker Seen bei NettetalDer Seidensänger „begrüßt“ die Gäste zuweilen mit lautem Gesang. Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, sei das erste Männchen vermutlich aus Richtung Westen hier im Jahr 2022 angekommen, erklärt der Leiter der Biologischen Station, Manuel Püttmanns. Der Teichrohrsänger ist ein weiterer kleiner Singvogel, der hier lebt. Zu den zahlreichen Wasservögeln gehört der Haubentaucher mit seiner schwarzen, aufstellbaren Federhaube am Kopf und seinem rot-schwarzen Backenbart. Er baue Schwimmnester und beginne erst relativ spät im Mai und Juni zu brüten, wenn der Seerosengürtel auf den Seen groß geworden ist, sagt Biologin Stefani Pleines in einem Film der Biologischen Station. Infos: bsks.de/krickenbecker-seenTipps und weitere Infos für Vogelfreunde:Ausrüstung: Es braucht nicht viel, aber das Fernglas sollte man nicht vergessen. Die Flamingos im Zwillbrocker Venn etwa sind meist mehrere Hundert Meter entfernt. Getränke und Proviant mitnehmen sollten je nach Tourenlänge natürlich auch mit.Zeitfenster: Mittags und am frühen Nachmittag sitzen die Vögel oft schlecht sichtbar im Schatten, während frühmorgens die Chancen auf schöne Sichtungen am besten stehen. Dann ist es auch nicht so voll. Lesen Sie auchGeduld mitbringen: Beobachtungshütten bieten eine gute Aussicht, und auch Apps und digitale Bestimmungsbücher helfen bei der Vogelbeobachtung. Doch höchstes Gut ist oft das Warten. Führungen buchen: Von Experten an die Hand genommen, ist das Erlebnis oft intensiver. Sie geben Erläuterungen, kennen Standorte und haben oft ein Beobachtungsfernrohr, Spektiv, dabei. Weitere Gebiete mit Vogelvielfalt in NRW: Rieselfelder Münster, Versmolder Bruch (Kreis Gütersloh), Rietberger Emsniederung (Kreis Güstersloh), Enger Bruch (Kreis Herford), Naturschutzgebiet Hetter-Millinger Bruch (Kreis Kleve), Großes Torfmoor (Kreis Minden-Lübbecke), Dreiborner Hochfläche (Kreis Euskirchen) Allgemeine Regeln: Immer gilt, auf ausgewiesenen Wegen zu bleiben und Abstand zu Wildtieren zu halten. Hunde sollten an der Leine gehalten werden. Abfall und leere Flaschen wieder mitnehmen.Volker Danisch, dpa