S»Seit 15 Jahren sind wir ein Paar, meine Frau ist 66 Jahre alt, ich bin 71. Sexualität war in früheren Jahren immer ein wichtiger Bestandteil unserer Beziehung. Im Laufe der Jahre wurde dies seltener, seit einem Jahr gibt es gar keine Sexualität mehr zwischen uns, überhaupt kaum noch Körperkontakt. Ich spüre nach wie vor das Bedürfnis nach gemeinsamer Libidopflege, auch erregt mich die Gegenwart meiner Frau noch immer. Bei ihr ist das nicht mehr so, Gespräche zu diesen Themen führt sie nicht mehr gern, als Ursache für die Veränderung nennt sie einen inzwischen anderen Hormonhaushalt und Erschöpfung nach der Arbeit. Ich möchte die Beziehung zu meiner Frau erhalten, eine ›Auslagerung‹ kommt für uns beide nicht wirklich infrage. Handelt es sich um einen unlösbaren Konflikt?« Anonym, per MailEs ist mir unangenehm, hier öffentlich über Ihre Sexualität nachzudenken, daher ersetze ich Sexualität einfach durch etwas anderes, weniger Intimes: Sagen wir Tandemfahren. Sie sind früher sehr gerne mit Ihrer Frau Tandem gefahren, nun mag sie nicht mehr, Sie würden aber schon noch gerne. Gibt es da eine Lösung, wenn von vornherein ausgeschlossen wird, dass Sie mit jemand anderem Tandem fahren – und gesetzt den Fall, das weiß ich nämlich gar nicht, man kann nicht allein Tandem fahren? Nein. Leider gibt es hier keine weitere Lösung. Es geht um eine Aktivität, zu der es beide Partner braucht. Wenn einer nicht will, hat der andere, was diese Aktivität angeht, leider Pech gehabt. Zumal Tandemfahren ja auch etwas sehr Intimes ist, um mich kurz dem eigentlichen Thema wieder anzunähern, man möchte jedenfalls niemanden gegen dessen Willen irgendwie zum Tandemfahren überredenEs kann natürlich sein, dass Ihre Frau irgendwann wieder Lust bekommt, mit Ihnen Tandem zu fahren. Wir wissen ja, nichts im Leben ist für immer, alles verändert sich, was man heute für gegeben hält, sieht morgen womöglich schon wieder ganz anders aus. Vielleicht würde es sogar an der gegenwärtigen Situation etwas ändern, wenn Sie aufhören, es so stark zu wollen. So ein Erwartungsdruck kann das Gegenüber ja auch hemmen.Aber wie man’s auch dreht und wendet: So, wie Sie den Fall schildern, mit all den von vornherein ausgeschlossenen eventuellen Lösungsmöglichkeiten, die man sonst vorschlagen würde, ist die Sache im Moment nicht zu Ihren Gunsten zu lösen. Das Nichtwollen schlägt hier klar das Wollen. Das Tandem können Sie momentan in den Keller räumen. (PS: Sie schreiben, eine Aus­lagerung komme für Sie beide »nicht wirklich« infrage. Nicht wirklich ist nicht Nein. Vielleicht steckt hier Ihre Antwort?)Johanna Adorján Illustration: Grafilu