Neue Orte für die Weltkulturerbe-Landkarte: Unesco ehrt D-Day-Strände und südsudanesische SümpfeDie Unesco wurde als humanitäres Versprechen gegen das Vergessen und die Zerstörung ins Leben gerufen. Heute nimmt die Organisation bekannte und unbekannte Gegenden ins Weltkulturerbe auf, um auf diese aufmerksam zu machen. Was zeichnet die neuen Orte aus?27.07.2026, 17.35 Uhr3 LeseminutenDas Monument «Les Braves» am Omaha-Strand erinnert an den D-Day in der Normandie. Er gilt nun – zusammen mit anderen Regionen – als Weltkulturerbe der Unesco.Christophe Petit Tesson / EPASandstrand, tosende Wellen des Atlantiks. Wo heute Touristen spazieren, waren einst 150 000 Soldaten an einem Tag gelandet. Es war der 6. Juni 1944, und die grösste Landeoperation der Weltgeschichte begann. Der sogenannte D-Day markiert den Auftakt der Befreiung Europas von den Verheerungen des deutschen Nationalsozialismus vom Westen her. Ein Tag, der bedeutend für die Welt ist – und bedeutend für die Unesco. Die Uno-Organisation hat die Landungsstrände in der Normandie, mit Dutzenden anderen Orten rund um den Globus, nun in ihre Weltkulturerbe-Liste aufgenommen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die französischen Strände mit den Codenamen Sword, Juno, Gold, Omaha und Utah sind ein Ort des Erinnerns und des Gedenkens. Museen, Friedhöfe und Denkmäler zeigen heute ein Stück der Geschichte, die den Anfang vom Ende des Zweiten Weltkriegs einläutete. Die Wahl dieser Gegend unterstreicht den Wandel der Unesco: Sie ehrt nicht mehr nur rein ästhetisch schöne Meisterwerke, sondern bestimmt auch Gedächtnisorte, die es zu bewahren gilt.Dauerhafter Frieden in Europa?Die Landung der Alliierten in der Normandie war entscheidend für die künftige Nachkriegsordnung und damit ausschlaggebend dafür, wie Europa heute aussieht. Den 21 Unesco-Delegierten, die sich in diesem Jahr in Busan in Südkorea trafen, war genau dieser Punkt wichtig. Der D-Day markiere den Beginn eines dauerhaften Friedens auf dem europäischen Kontinent, heisst es in ihrer Erklärung.Dass dieser Frieden durch Russlands zerstörerische «Spezialoperation», die Moskau offiziell nicht Krieg nennt, ein wackliger ist, erwähnen die Delegierten nicht. Russland ist nach dem Überfall auf die Ukraine weiterhin Mitglied der Unesco, seinen Sitz im Exekutivrat verlor es aber 2023. Damit kann Moskau nicht mehr über die Weichenstellungen und das Budget der Unesco mitbestimmen.Die Alliierten am Omaha-Strand am 6. Juni 1944.NaraDie Welterbeliste umfasst 1273 Stätten in 173 Vertragsstaaten. Diese seien, so sagt es die Unesco, «von herausragendem universellem Wert». Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte das Hervorheben ausgesuchter Stätten ein humanitäres Versprechen gegen das Vergessen und die Zerstörung sein.In der Schweiz sind 13 Regionen Weltkultur- oder Weltnaturerbe: die Berner Altstadt, die Region Jungfrau-Aletsch, die Rhätische Bahn. In Frankreich liegen nach der Anerkennung der D-Day-Landungsstrände und mehrerer Festungen des Languedoc in der Region Okzitanien im Süden des Landes aus dem 13. und 14. Jahrhundert nun 55 Welterbestätten, gleich viele wie in Deutschland. In China und in Italien finden sich – mit je 60 Denkmälern und Regionen – die meisten Unesco-Welterbestätten.Die grosse Antilopenwanderung im Boma-Badingilo-Gebiet im Südsudan.Brian Inganga / APPremiere für den SüdsudanDer Südsudan bekommt dagegen seinen ersten Eintrag in der Liste und damit auch internationale Fördergelder: für das Boma-Badingilo-Gebiet. Es umfasst Savannen, Überschwemmungs- und Feuchtgebiete und zählt zu den grössten Sumpfgebieten weltweit. Hier leben Elefanten, Löwen, Leoparden, Wildhunde. Jedes Jahr durchwandern die Region rund sechs Millionen Antilopen. Damit übertrifft die Antilopenwanderung die als «Great Migration» bekannte Gnuwanderung im Osten Afrikas.Für das vom Bürgerkrieg gezeichnete junge Land dürfte die Nominierung mehr als nur eine Auszeichnung sein. Das Label ist eine Art Schutzschild gegen Wilderei und ökologische Zerstörung. Der südsudanesische Minister für Naturschutz und Tourismus, Denay Jock Chagor, hofft laut einer Erklärung, dass sein Land nun auch mit Naturreichtümern assoziiert werde, nicht nur mit Konflikten.Die Berliner erweitern ihr Erbe derweil mit der sogenannten «Papageiensiedlung» in Zehlendorf, einer der sieben «Siedlungen der Moderne». Sie gelten der Unesco bereits seit 2008 als schützenswert. In Skandinavien punkten 13 Gebäude des Finnen Alvar Aalto, in Tunesien sind die blau-weissen Häuser in der Küstenstadt Sidi Bou Said seit neuestem Welterbe.Auch die Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf ist von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden.Sebastian Gollnow / dpaPassend zum Artikel
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