Der Wert einer Aktie stieg um 472 Prozent: der Mega-Börsengang des chinesischen Chipriesen CXMTMit dem zweitgrössten IPO Chinas kann CXMT den Nachfrageboom nach Speicherchips monetarisieren. Gleichzeitig besteht die Sorge, dass andere Aktien unter dem Börsengang leiden.Sabine Gusbeth, Peking27.07.2026, 16.43 Uhr3 LeseminutenCXMT will die Erlöse des Börsengangs vor allem in Forschung und Entwicklung sowie den Ausbau der Produktionskapazitäten stecken. Hier ein Bürogebäude der Firma in Hefei City.C-Foto / ImagoChinas grösster Chiphersteller CXMT hat am Montag einen historischen Börsengang absolviert. Die Aktien stiegen zum Handelsauftakt am Schanghaier Star Market um rund 472 Prozent. Mit Einnahmen von umgerechnet rund 9,8 Milliarden Dollar ist dies der zweitgrösste Börsengang Chinas nach jenem der Agricultural Bank of China im Jahr 2010.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.CXMT, früher ChangXin Memory Technologies, ist der grösste Speicherchiphersteller Chinas. Durch den Börsengang ist das Unternehmen mit einem Börsenwert von 3,65 Billionen Yuan, umgerechnet rund 473 Milliarden Euro, auf Anhieb zum wertvollsten Konzern an den chinesischen Festlandbörsen aufgestiegen.Dem Unternehmen ist es so gelungen, den gegenwärtigen Nachfrageboom nach Speicherchips zu monetarisieren. Sogenannte DRAM-Speicherchips werden für Datencenter, aber auch für Smartphones und Laptops benötigt. CXMT spielt eine zentrale Rolle in Chinas Plan, die Abhängigkeit von ausländischen Chipherstellern zu verringern.CXMT wolle die Erlöse vor allem in Forschung und Entwicklung sowie den Ausbau der Produktionskapazitäten stecken, sagte der CXMT-Geschäftsführer Zhu Yiming im Vorfeld des Börsengangs. Das Unternehmen wolle zudem einen Beitrag zur Entwicklung der chinesischen Halbleiterindustrie sowie des gesamten industriellen Ökosystems leisten.Grosses Interesse bei Privatanlegern schürt Angst vor Kursverlusten bei anderen AktienDer für Privatanleger vorgesehene Teil des Börsengangs war 212-fach überzeichnet. Einzelanleger erteilten dabei 9,4 Millionen Kaufaufträge für Aktien im Wert von 7,07 Billionen Yuan, wie die auf Finanzdaten spezialisierte Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Das entspricht etwa dem Zehnfachen der Privatanlegeraufträge beim Weltrekord-IPO von SpaceX.Das grosse Interesse am CXMT-Börsengang hat in den vergangenen Tagen die Sorge wachsen lassen, dass andere chinesische Aktien darunter leiden werden. Dies, weil Investoren ihr Geld abziehen, um auf CXMT zu setzen. Bereits in den vergangenen Wochen haben staatlich gestützte Fonds die chinesischen Aktienmärkte gestützt, um die Kursverluste von mehr als 1,5 Billionen Dollar zu begrenzen.Peking versucht seit Jahren, das Vertrauen von Chinas Sparern in Aktien zu stärken und eine Alternative zur Geldanlage im kriselnden Immobilienmarkt zu schaffen. Doch im Juli verloren sowohl der Leitindex CSI 300 als auch der Shanghai-Composite-Index mehr als 6 Prozent. Technologiewerte waren noch stärker betroffen. Der Star-200-Index stürzte um 30 Prozent ab. Die Erstnotiz von CXMT ist nun ein weiterer Stresstest.Hoffnung auf Belebung von KI-Aktien«Die Aufsichtsbehörden haben zwar Schritte zur Rettung des Markts unternommen, diese reichen jedoch noch nicht aus, um die nervösen Anleger zu beruhigen», sagte der Fondsmanager Wang Yapei vom Zijie Private Fund zu Reuters. Einige hoffen jedoch, dass die Notierung von CXMT die Begeisterung für Chip- und KI-Aktien neu entfachen könnte. «Langfristig erwarten wir, dass die KI-bezogenen Investitionen in China weiter steigen werden», sagte ein Analyst der UBS vergangene Woche. «Wir glauben nicht, dass es eine Blase im chinesischen KI-Sektor gibt.»Für neue KI-Euphorie hatte in der vergangenen Woche auch das chinesische Startup Moonshot mit seinem neuen KI-Modell Kimi K3 gesorgt, das laut eigenen Angaben mit Ausnahme der amerikanischen Spitzenmodelle sämtliche Konkurrenzangebote übertrifft.Am Montag will das Unternehmen die Open-Weight-Version seines Modells veröffentlichen. Dann kann es heruntergeladen und lokal betrieben beziehungsweise adaptiert werden. Der Termin dürfte auch Aufschluss darüber geben, ob und inwiefern Peking Beschränkungen für die Nutzung fortschrittlicher chinesischer KI-Modelle einführt, wie kürzlich spekuliert wurde.Chinas Staatsführung investiert Milliarden in den Aufbau einer eigenständigen KI- und Halbleiterindustrie, um unabhängiger von ausländischen Technologien zu werden. Hintergrund sind die 2022 eingeführten amerikanischen Exportbeschränkungen für Hochleistungschips, moderne Chipfertigungsanlagen und andere Schlüsseltechnologien, mit denen Washington Chinas technologischen Aufstieg insbesondere im Bereich künstliche Intelligenz (KI) bremsen will.CXMT wurde 2016 in der ostchinesischen Stadt Hefei gegründet, auch dank Investitionen des staatlichen Hefei Industrial Investment Fund (HIIF). Die staatliche Starthilfe betrug damals umgerechnet 8 Milliarden Dollar. Vier Jahre später produzierte CXMT als erstes chinesisches Unternehmen DRAM-Chips und gilt inzwischen als viertgrösster Speicherchiphersteller weltweit.Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen 61,8 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 9 Milliarden US-Dollar, um, ein Plus von 150 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das erste Halbjahr 2026 rechnet CXMT mit einem Umsatz von 100 bis 120 Milliarden Yuan.Das amerikanische Verteidigungsministerium wirft dem Unternehmen vor, in Verbindung mit Chinas Militär zu stehen, und hat es auf seine schwarze Liste gesetzt. Amerikanische Unternehmen werden damit vor einer Zusammenarbeit gewarnt. Dennoch plant der iPhone-Hersteller Apple laut verschiedenen amerikanischen Medien CXMT-Chips zu kaufen, und verhandelt darüber offenbar mit der US-Regierung.Passend zum Artikel