Das war eine kurze Show. So überraschend, wie Christiane Schenderlein die erste Staatsministerin für Sport und Ehrenamt in der Geschichte der Bundesrepublik wurde, so überraschend kommt ihre Abberufung. Nach 14 Monaten ist das Kapitel nach dem Willen von Bundeskanzler Friedrich Merz Geschichte. Die Sächsin, vor ihrem Einstieg von Erfahrungen im Spitzensport weitgehend unbeleckt, wechselt als Parlamentarische Staatssekretärin ins Gesundheitsministerium, nolens volens. „Ich respektiere diesen Wunsch und freue mich gleichzeitig auf die neue Aufgabe“, ließ die 44 Jahre alte CDU-Politikerin mitteilen.Auf eine Erklärung verzichtete der Regierungsschef vorerst. Und Frau Schenderlein bezog sich in ihrer Mitteilung ausnehmend sachlich auf das, was sie erreicht hat: die Sportabteilung – ein Wunsch des Sports an die Politik – erstmals im Bundeskanzleramt aufzubauen, an den Tisch des Chefs zu setzen. In der Bundesrepublik gehörte die Spitzensportförderung bis zur neuen Regierung ins Pflichtfach des Innenministers, mitunter als Anhängsel je nach Sportbegeisterung der Führung.Das Sagen hat die PolitikEine Staatsministerin hat nicht die Macht eines großen Ressorts im Rücken. Aber Christiane Schenderlein führte den Reformprozess des Spitzensports – teils im Kampf mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zu Ende. Im Oktober soll das erste Sportfördergesetz in Kraft treten, das im Wesentlichen den Vorstellungen der Politik entspricht: Das Sagen haben jedenfalls die Bundespolitiker im Stiftungsrat der zu gründenden Spitzensportagentur. Die Führung des Gremiums kommt aus dem Kanzleramt. Die Institution soll dem Spitzensport in Deutschland auf die Sprünge helfen.In Schenderleins Amtszeit wuchs – entgegen allen Vorhersagen – auch der Etat für den Spitzensport. 361,7 Millionen Euro sind für 2027 geplant, ein Rekord. Gleichzeitig scheint der innerdeutsche Bewerberprozess für die Ausrichtung Olympischer Sommerspiele so wie Paralympics 2036, 2040 oder 2044 nach vielem Hin und Her nun in ruhigem Fahrwasser bis zur Entscheidung Ende September. Zwar ist der Prozess Sache des DOSB. Aber weit über die Regierung hinaus hat die Politik in Bund und manchen Ländern Sommerspiele zu ihrer Sache erkoren.Die Reibereien mit dem DOSB um den Einfluss in der Spitzensportagentur, manche gern bemühte Bemerkungen aus dem Sport, die Staatsministerin verstünde nichts von dem, was sie regieren müsse, sprechen für ein angespanntes Verhältnis. Die Ankündigung von Christiane Schenderlein Ende April, einen Gesetzesentwurf zur Hilfe für Dopingopfer der DDR noch in diesem Jahr zu präsentieren, stieß auch nicht auf Gegenliebe.Dass aber im Verlauf des Wochenendes über mehrere Nachfolgerinnen beraten wurde und schließlich eine ehemalige Fußball-Nationalspielerin gewählt worden sein soll, ist ebenso überraschend. Nadine Keßler, Europameisterin und Weltfußballerin 2014, soll es werden. Das hieß es aus dem DOSB. Merz aber schwieg vorerst.
Friedrich Merz beruft Christiane Schenderlein als Sport-Staatsministerin ab
Der Kanzler beruft Christiane Schenderlein als Sport-Staatsministerin ab. Sie wechselt ins Gesundheitsministerium. Ihre Nachfolgerin soll eine ehemalige Fußball-Nationalspielerin werden.










