Was er in den vier Wochen ohne Formel-1-Rennen machen werde, beantwortete Mercedes-Pilot Kimi Antonelli spontan so: „Schlafen.“ Nach dem Großen Preis von Ungarn, den Lando Norris gewann, hat der WM-Spitzenreiter seinen Vorsprung gegenüber Verfolger Lewis Hamilton auf geruhsame 50 Zähler ausgebaut. Rekordchampion Hamilton, der sich die Bestmarke von sieben Titeln mit Michael Schumacher teilt, geht dagegen mit einer unbequemen Erkenntnis in den Urlaub: Nicht nur die Launen seines Ferraris sind derzeit sein großer Gegner – sondern auch er selbst.Statt Zweiter oder Dritter war er in Budapest am Ende bloß Fünfter hinter seinem Teamkollegen Charles Leclerc geworden. Wieder einmal war sein roter Dienstwagen zu kapriziös, erneut war die Reifenwahl der Scuderia schwierig, am Ende die Terminierung eines zusätzlichen Boxenstopps ein taktischer Schnitzer. Dazu kam eine peinliche Zeitstrafe. Lewis Hamilton, unterwegs in seinem 20. Jahr in der Königsklasse, weiß, dass sich zur Saisonmitte entscheiden wird, wo die Reise hingehen wird. Deshalb sitzt sein Frust tief.Bislang hat der Brite ein gutes erstes Rennhalbjahr gehabt, seinen ersten Sieg in Rot eingefahren, die Stellung in Maranello gefestigt, und seinen Frieden gemacht mit allen Unzulänglichkeiten, die ihn vor Jahresfrist in Budapest auf den Tiefpunkt seiner Karriere brachten. Damals bezeichnete sich der Einundvierzigjährige als „nutzlos“.„Ich bin Welten davon entfernt, wo ich letztes Jahr stand“Mit den Ergebnissen kehrte das Selbstbewusstsein zurück, Hamilton wirkt wie verwandelt: „Ich bin Welten davon entfernt, wo ich letztes Jahr stand. Ich bin extrem stolz auf jeden im Team – und ganz sicher bin ich auch stolz auf mich selbst, dass ich mich aus diesem tiefen Loch herausgeholt habe.“Lewis Hamilton scheitert derzeit nicht an seiner Motivation oder Geschwindigkeit, sondern an seiner Ungeduld. Gerade weil er spürt, dass der achte WM-Titel möglich wäre, versucht er ihn zu erzwingen – und macht ungewöhnlich viele Fehler. Der Mann, der seine Aggressivität jahrzehntelang fast immer perfekt dosierte, wirkt ungewohnt hektisch. Der 106-malige Grand-Prix-Sieger scheint plötzlich zu viel zu schnell zu wollen – vielleicht, weil er so lange auf die Chance warten musste.Schon nach der Qualifikation in Ungarn, als er die Pole-Position knapp verpasst hatte, gab es Ärger. Die Rennkommissare hatten ihn wegen einer offensichtlichen Behinderung von Oscar Piastri um drei Startplätze zurückversetzt. Der Brite nutzte seinen Instagram-Kanal als Ventil: „Ein weiteres Wochenende, an dem ich mich großartig gefühlt habe, aber dann einfach alles schiefgeht. Jeder Punkt zählt, man muss jede Gelegenheit nutzen. Aber nach drei Strafen an drei Wochenenden wird es langsam schwierig, dranzubleiben ...“ Das ist keine zufällige Häufung mehr.Lewis Hamilton, der immer gnadenlos fuhr, aber nie ein Pistenrüpel war, wird zum Verkehrssünder. Bei den Rennen zuvor in Silverstone und Spa war er wegen eines Frühstarts und einer Kollision mit Zeitstrafen belegt worden. Die Negativ-Serie setzte sich auch im Rennen auf dem Hungaroring fort. Ausgangs der Boxengasse war sein Ferrari um 0,1 Kilometer pro Stunde zu schnell gewesen, fünf Strafsekunden kosteten ihn den vierten Rang. „Wer um den Titel fahren will, darf solche Fehler nicht machen“, sagte Hamilton zum Abschied in Budapest. Offen blieb, ob er mehr sich selbst oder die Strategen von Ferrari meinte.
Formel1 in Ungarn: Lewis Hamilton will zu schnell zu viel
Die Formel 1 geht in die Sommerpause und der Rekordpilot mit einer unbequemen Erkenntnis in den Urlaub: Nicht nur die Launen seines Ferrari sind derzeit sein großer Gegner – sondern auch er selbst.














