In Frankreich ist der verheerende Waldbrand nahe Bordeaux bis 15 Kilometer an die Grenzen des Großraums der Stadt herangerückt. Eine Evakuierung des rund eine Million Einwohner zählenden Großraums „kommt aber nicht in Frage“, weil sich das Feuer südlich befinde und nicht im Westen vorrücke, erklärte Bürgermeister Thomas Cazenave am Sonntag bei einer Pressekonferenz. Bis zur Stadtgrenze seien es noch 25 bis 30 Kilometer.Die Brandlage sei in der Nacht zu Montag „im Allgemeinen stabil“ gewesen, berichteten französische Medien unter Berufung auf die Präfektur von Gironde. Es habe günstige Bedingungen gegeben, Regen sei gefallen. 84 Feuerwehrleute seien verletzt, hieß es weiter.Am Sonntag bezeichnete Innenminister Laurent Nuñez die Situation vor den Toren von Bordeaux als „sehr ungünstig“. „Eine weitere schwierige Nacht an der Waldbrandfront“, erklärte er am Sonntag im Onlinedienst X. Allein im Département Gironde seien 42.000 Hektar Land verbrannt; 220.000 Menschen seien hier mittlerweile von einer Evakuierungsaufforderung betroffen, fügte Nuñez hinzu. Damit haben die Brände in Frankreich eine der größten Evakuierungsaktionen in der Geschichte des Landes ausgelöst.18 Flugzeuge und Hubschrauber im EinsatzDas Feuer habe in der Nacht wieder an Intensität zugenommen, erzeuge seinen eigenen Wind und „breitet sich unkontrolliert in Richtung des Großraums Bordeaux aus“, fügte Nuñez hinzu. Deshalb hätten fünf weitere Gemeinden in der Nacht evakuiert werden müssen, wovon inzwischen 55.000 Menschen betroffen seien. Nach Angaben der Behörden vom Nachmittag wurden rund 240 Wohnhäuser zerstört. Zur Bekämpfung der Brände sind Nuñez zufolge 18 Flugzeuge und Hubschrauber im Einsatz, darunter auch ein umgerüsteter A400M.Die Brände in der Gegend um Gironde zählen zu den größten in Frankreich seit dem Zweiten Weltkrieg. 1949 hatte ein Großbrand im Gebiet der Gascogne etwa 50.000 Hektar zerstört.Jérôme Steffe, Bürgermeister von Cestas südwestlich von Bordeaux, sagte dem Sender BFMTV, die Stadt sei „glücklicherweise menschenleer“. Es gebe allerdings einige Menschen, die ihr Haus nicht verlassen wollten. Die Stadtverwaltung stehe deswegen mit der Präfektur in Verbindung.Frankreich mobilisiert zusätzliche SoldatenFrankreich verstärkt angesichts der dramatischen Lage die Unterstützung der Feuerwehr. Die Zahl der Soldaten, die die Feuerwehr bei den Löscharbeiten unterstützen, werde von 500 auf 1000 erhöht, teilte Verteidigungsminister Sébastien Lecornu nach einer Sitzung des interministeriellen Krisenstabs mit. Zudem soll ein Militärflugzeug vom Typ A400M mit einem speziellen Löschsystem eingesetzt werden, das bis zu 20 Tonnen Löschmittel abwerfen kann.Die Mobilisierung der Einsatzkräfte bleibe weiterhin sehr groß, erklärte der Innenminister. 18 Löschflugzeuge seien im Einsatz. Sie werfen Wasser oder Brandverzögerungsmittel über den Flammen ab, wie der Minister sagte.Zudem werden 1,5 Millionen FFP2-Masken in die Region Gironde geliefert, um Einsatzkräfte und Bevölkerung vor dem gesundheitsschädlichen Rauch zu schützen.Für Reisende gibt es zudem Erleichterungen: Verkehrsminister Philippe Tabarot teilte mit, dass die Eisenbahngesellschaft SNCF angesichts der Brände eine Sonderregelung für Reisen in die betroffenen Gebiete einführt. Fahrten in die Region Bordeaux und andere betroffene Zonen können demnach kostenlos verschoben oder storniert werden.Frankreich kämpft gegen historische WaldbrändeUnterschiedliche Angaben gab es zunächst zur Lage am Flughafen Bordeaux-Mérignac: Während Innenminister Laurent Nuñez wegen der starken Rauchentwicklung von einer Schließung gesprochen hatte, teilte der Flughafen mit, der Betrieb laufe weiter. Einschränkungen gibt es demnach lediglich beim öffentlichen Nahverkehr zum Flughafen.Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron versprach einen Wiederaufbau der verwüsteten Gegenden. „Wir werden wiederaufbauen, wir werden reparieren, und wir werden so lange vor Ort bleiben, wie es nötig ist“, schrieb Macron am Samstag im Kurzbotschaftendienst X. In diesen schwierigen Zeiten zeige Frankreich, was es sei: „Ein vereintes Volk, das zusammenhält.“Auch die Bilanz für Frankreich insgesamt ist außergewöhnlich und besorgniserregend: Nach Angaben des Innenministers sind seit Jahresbeginn nahezu 100.000 Hektar Land verbrannt – ein historischer Rekordwert. Auch in anderen Regionen Frankreichs, darunter im Département Var und auf der Insel Korsika, kämpfen Feuerwehrleute gegen weitere Brände.Hitzewelle verschärft Waldbrandgefahr in ItalienAuch in Italien gibt es zahlreiche Waldbrände. Besonders betroffen sind die Mittelmeerinsel Sizilien und die Region Kalabrien. Allein auf Sizilien wurden mehrere Dutzend Feuer gemeldet. Die Behörden befürchten eine Verschärfung der Lage durch eine neue Hitzewelle. Immer wieder werden die Flammen durch den aus Afrika kommenden Scirocco-Wind angefacht.