Es gibt Bauwerke, die man abreißt. Und es gibt Bauwerke, die man abreißen will – bis eine ganze Stadt Nein sagt. Die Gedächtniskirche Berlin gehört zur zweiten Sorte. Zweimal in ihrer Geschichte stand der zerstörte Turm am Breitscheidplatz kurz vor dem Verschwinden. Beide Male blieb er stehen.

Heute ist die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche eines der bekanntesten Wahrzeichen der Hauptstadt – und wieder im Umbruch. Ein millionenschwerer Umbau soll die Turmruine völlig neu erschließen: mit Außenaufzug, erweiterter Ausstellung und einer Aussichtsplattform in rund 68 Metern Höhe. Erstmals soll dafür auch Eintritt fällig werden. Wie es so weit kam – und warum dieser Ort sich immer wieder neu erfindet.

Ein Denkmal für den Kaiser: Wie alles begann

Die Geschichte der Gedächtniskirche beginnt mit einem Machtanspruch. Zwischen 1891 und 1895 ließ Kaiser Wilhelm II. das Gotteshaus nach Plänen des Architekten Franz Schwechten errichten – als monumentales Denkmal für seinen Großvater Wilhelm I.

Der Bau war Repräsentation in Stein: ein fast 113 Meter hoher Turm, reich verzierte Sandsteinfassaden, ein prachtvoller Innenraum. Damit gehörte die Kirche zu den bedeutendsten Sakralbauten des Kaiserreichs.