PfadnavigationHomeSportFußballBundesligaFC Schalke 04Bundesliga-Aufsteiger„Neue Limits werden verlangt“ – Wie Schalke den Klassenerhalt schaffen willStand: 07:18 UhrLesedauer: 5 MinutenSchalkes Trainer Miron Muslic bereitet seine Mannschaft im Trainingslager im Stubaital auf die Saison in der Bundesliga vorQuelle: Fabian Strauch/dpaDie Rückkehr des FC Schalke 04 in die Bundesliga hat beim Traditionsklub Euphorie ausgelöst. Doch die Planungen für die neue Saison sind von einer klugen Selbsteinschätzung geprägt.I am from Bosnia – you made me a Schalke Star“ – so beginnt der Ohrwurm der „Motherfunkers“, einer Gelsenkirchener Band, der sich im Ruhrgebiet seit einigen Monaten wachsender Beliebtheit erfreut. Der Song „Dance, Miron, Dance“, ganz im Stil des Balkan-Pop, ist eine Hommage an Miron Muslic, den Trainer des FC Schalke 04.In der zu Ende gehenden Woche erklang der „tanzende Miron“ häufig in Neustfift im Stubaital. Dort absolviertet der Bundesliga-Rückkehrer bis Sonntag sein Sommertrainingslager – und er wurde von 1500 mitgereisten Fans begleitet. Die machten den Aufenthalt in dem 5000-Einwohner-Örtchen zu einem regelrechten königsblauen Happening. Viel größer kann die Vorfreude auf die kommende Saison kaum sein.„Schalker, Glückauf“, hatte Muslic die euphorischen Anhänger nach der ersten Einheit in Neustift via Mikrofon begrüßt, sie dann aber gleich darauf eingestellt, dass sie in erster Linie eher freudlose Trainingsarbeit zu sehen bekommen werden. Schließlich gelte es, die physische Grundlage für eine Spielzeit zu legen, die dem Team alles abverlangen wird. Herausforderung Bundesliga„Wir wissen, dass die Aufgabe Bundesliga eine große Herausforderung ist. Es werden neue Limits von uns verlangt – aber wir trauen uns auch zu, uns anzupassen und uns zu steigern“, erklärte der 43-Jährige. Das wird auch nötig sein: Denn was ihre Möglichkeiten angeht, werden sich die Schalker nach der Decke strecken müssen, um in der Klasse zu bleiben.„Wir brauchen einen guten Mix, in dem wir unsere defensive Stabilität auf den Platz bringen und vorn durchschlagskräftig sind“, sagte Muslic. Schalke, so der Plan des Österreichers bosnischer Abstammung, soll vor allen Dingen ein unangenehmer Gegner werden – also so agieren, wie es die Mannschaft bereits zu Beginn der vergangenen Zweitligasaison getan hatte.Damals hatte es Muslic geschafft, ein Bollwerk zu errichten, an dem sich spielerisch überlegene Teams reihenweise die Zähne ausbissen. Die Offensivbemühungen bestanden aus vereinzelten, dann aber blitzartig vorgetragenen Angriffen nach Balleroberungen. Erst in einem zweiten Schritt, nach weiteren Verpflichtungen in der Winterpause, konnte auch eine spielerische Entwicklung eingeleitet werden, die dann am Ende zur souveränen Zweitligameisterschaft mit 70 Punkten führte.Lesen Sie auchDer Schlüssel, um auch in der ersten Liga zu bestehen, kann jedoch kaum darin liegen, sich mit Mannschaften, die qualitativ ungleich besser besetzt sind, einen offenen Schlagabtausch zu liefern. Dazu sind die substanziellen Unterschiede einfach zu groß. Und um die durch Transfers zu überwinden, fehlen schlicht die Mittel. Schalke muss sich wirtschaftlich hinten anstellen.Begrenzte Mittel, kreative LösungenDie vergangenen drei Jahren in der Zweiten Liga – vor allem die beiden Saisons, die auf einem zweistelligen Tabellenplatz abgeschlossen werden mussten – haben dazu geführt, dass der Klub in der Fünfjahreswertung, auf deren Basis die Fernseheinnahmen verteilt werden, weit zurückgefallen ist. Für die kommende Saison darf Schalke mit etwa 36 Millionen Euro rechnen – rund 25 Millionen Euro weniger als etablierte Konkurrenten wie Mainz, Hoffenheim oder Union Berlin.Das stellt hohe Anforderungen an Sportvorstand Frank Baumann und Scouting-Direktor Max Lüftl, der seit Januar seine Expertise bei Transfers einbringt. Die Philosophie, nach der verfahren wird, ist deshalb: schnell und innovativ sein – und in Nischen schauen. „Wir wissen, dass wir noch etwas tun müssen. In allen Mannschaftsteilen wird auf der Zugangsseite noch etwas passieren“, hatte Baumann auf der Mitgliederversammlung vor einer Woche gesagt. Ob dies noch während des Trainingslagers passieren werde, ließ er offen.Dann tat sich aber doch noch etwas. Am Mittwochabend wurde bekanntgegeben, dass Maximilian Wölber, 28, kommen wird. Der österreichische Innenverteidiger, dessen Vertrag mit Leeds United aufgelöst wurde und dessen Leihe an Werder Bremen in der vergangenen Saison auch wegen Verletzungen nur zu zwei Kurzeinsätzen geführt hatte, ist ein typischer Schalke-Transfer: Wölber kostet wenig, brennt aber auf einen Neustart. Insofern passt er ins Muster.Transfers mit EntwicklungspotenzialAuch Satoshi Tanako, der für eine Million Euro vom Zweitligabsteiger Fortuna Düsseldorf kam, Junior Adamu (SC Freiburg, 800.000 Euro) und Robin Gosens, der vom AC Florenz ausgeliehen wurde, hatten bei ihren alten Klubs aus unterschiedlichen Gründen kaum noch Perspektiven. Dies heißt aber nicht, dass sie an genereller Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt haben. Darauf setzen zumindest die Schalker.Gosens ist bislang die spektakulärste Verpflichtung. Der Ex-Nationalspieler sei ein „Bessermacher“, sagt Muslic, ein „Mentalitätsspieler“ – eine „Mann, der brennt“. Der 32-jährige Linksverteidiger passe perfekt ins Anforderungsprofil – vor allen Dingen, weil seine körperliche und psychische Robustheit benötigt wird.Die Schalker wissen genau, was nach drei Jahren im Unterhaus auf sie zukommen wird: Spiele mit deutlich höherer Intensität, in denen sie häufig dem Ball und dem Gegner hinterherlaufen werden. Sie gehen die Herausforderung mit einem zwar knappen Budget, aber mit Einfallsreichtum und einer realistischen Selbsteinschätzung an – wie ein ganz normaler Aufsteiger halt.Die Chancen stehen gut, dass diese pragmatische Sichtweise auch den traditionell euphorischen Fans vermittelt werden kann. Bei der Mitgliederversammlung, die für Schalker Verhältnisse ungewohnt harmonisch ablief, wurde die Probe aufs Exempel gemacht. Um das Abstimmungstool zu testen, gab es eine elektronische Probestimmung. Die Frage lautete: „Wie sind deine Erwartungen an die kommende Saison?“ Als Antwortmöglichkeit waren vorgegeben: „Klassenverbleib“, „Hauptsache Derbysieg“, „oberere Tabellenhälfte“ und „Europapokal.“ Eine klare Mehrheit entschied sich für: „Klassenverbleib“.
Bundesliga-Rückkehr: „Neue Limits werden verlangt“ – wie Schalke 04 den Klassenerhalt schaffen will - WELT
Die Rückkehr des FC Schalke 04 in die Bundesliga hat beim Traditionsklub Euphorie ausgelöst. Doch die Planungen für die neue Saison sind von einer klugen Selbsteinschätzung geprägt.






