Eine Umsatzsteigerung von neun Prozent verzeichnete der französische Kunstmarkt Frankreichs schon 2025, so hält es der aktuelle Marktreport des Messeunternehmens Art Basel und der Schweizer Großbank UBS fest. Mit Verkäufen, die sich auf 4,5 Milliarden Dollar summierten, liegt Frankreich im internationalen Kunstmarktranking auf Platz vier. Getragen wurde die jüngste Hausse von starken Auktionsergebnissen. Im aktuellen Jahr setzt sich dieser Trend fort.Christie’s hat in Paris mit 27 Auktionen – 2025 waren es nur 22 – die Vorabschätzungen meist übertroffen. Versteigerungen namhafter Sammlungen wie der von Arthur Georges Veil-Picard mit Kunst des 18. Jahrhunderts oder der Kunsthändlerin Thessa Herold überflügelten die Erwartungen weit. Aus der Sammlung Veil-Picard mit 30 Losen kamen Meisterwerke von Jean-Antoine Watteau, Élisabeth Vigée-Lebrun und Hubert Robert unter den Hammer. Als teuerstes Los erreichte das beschwingte Gemälde „L’Heureuse Famille“ von Jean-Honoré Fragonard 2,3 Millionen Euro (Taxe 1,5 bis zwei Millionen Euro).Aus exquisiten PrivatsammlungenEin Zeichen setzen im April die Prestigeauktionen impressionistischer bis zeitgenössischer Kunst bei Christie’s. Vergangenes Jahr lag das Gesamtergebnis bei 58 Millionen Euro, in diesem Frühjahr bei fast 81 Millionen. Die außerordentliche Versteigerung „Radical Genius“ mit Werken auf Papier aus einer anonymen Privatsammlung setzte mit 33 Losen bereits mehr als 15 Millionen Euro um und die Abendveranstaltung „20/21“ gut 40 Millionen.Unter ihren Vorabschätzungen blieben die beiden Toplose: Claude Lalannes monumentale Bronzeskulptur „Pomme de New York“ erreichte 4,9 Millionen Euro (Taxe fünf bis sieben Millionen). Für das Gemälde „Femme au chapeau“ von Maurice de Vlaminck fiel der Hammer bei 4,5 Millionen Euro (5/7 Millionen). Andere Werke Lalannes stiegen dagegen weit über die Schätzungen, ebenso Gemälde von Fernando Botero, Giorgio de Chirico oder ein wundervolles, mit Metallblättchen besetztes abstraktes Bild von Anna-Eva Bergman, das für 450.000 Euro (100.000/150.000) den Besitzer wechselte und einen Rekord für die norwegische Künstlerin markiert.Spitzenreiter bei Bonhams Cornette de Saint Cyr: Frank Stellas Diptychon „Costa Mesa“ aus dem Jahr 1967 wurde bei 1,5 Millionen Euro zugeschlagen.Bonhams / VG Bild-Kunst, Bonn 2026Auf der Designauktion im Mai hatte neben Jean Royère, Albert Cheuret und den Brüdern Diego und Alberto Giacometti das Bildhauerpaar Lalanne die größten Erfolge. Bei deren gemeinsam gestalteter Bronzeskulptur „Pomme de Ben“ sitzt ein Äffchen von François-Xavier auf dem gebogenen Stiel von Claudes Apfel. Der Preis kletterte auf 6,1 Millionen Euro (3/5 Millionen) – der bislang höchste Zuschlag bei Christie’s in Paris.Bei Sotheby’s spielten die Prestigeauktionen moderner Kunst im April 46,3 Millionen Euro ein, ein deutliches Plus gegenüber 38,5 Millionen im Vorjahr. Das Auktionshaus von Patrick Drahi hatte weniger zu bieten als der Konkurrent Christie’s, doch das teuerste Los des französischen Auktionsmarkt im ersten Halbjahr wurde bei Sotheby’s zugeschlagen: Für Claude Monets Gemälde „Vétheuil, effet du matin“ fiel der Hammer nach zehnminütigem Bietergefecht bei 8,35 Millionen Euro, jenseits der Obertaxe von acht Millionen. Aus derselben Sammlung wie dieses Bild stammte Monets Gemälde „Les Îles de Port-Villez“, das auf 5,2 Millionen stieg (3/5 Millionen).Stieg bei Millon weit über die Taxe auf 926.800 Euro brutto: Franz Xaver Winterhalter, „Porträt Louis-Philippe I.m König von Frankreich“, 1840, Öl auf Leinwand, Höhe 217 ZentimeterMillonZwei Sammlungen hatten im ersten Halbjahr bei Sotheby’s besonderen Erfolg. Die Kollektion des 2021 verstorbenen Pariser Antiquitätenhändlers Jean-Marie Rossi – eine eklektische Mischung aus Mobiliar des 18. und 19. Jahrhunderts, Designobjekten und Kunstwerken der Nachkriegsmoderne – spielte 12,5 Millionen Euro ein, fast das Doppelte der Erwartung. Ebenso verdoppelte die Sammlung des Chemikers Fred Feinsilber ihre Gesamttaxe mit einem Ergebnis von 5,8 Millionen Euro. Feinsilbers Kollektion zeichnete dagegen ästhetische Kohärenz aus: Sie führte Werke von Alberto und Diego Giacometti, Pablo Picasso, Wassily Kandinsky und Jean Dubuffet zusammen.Zu seiner Kollektion gehörte auch eine eindrucksvolle Gruppe von elf Gemälden Victor Brauners. Mit dem Gemälde „Victor Victorios écrasant les envoûteurs“ reagierte der Künstler 1949 in phantasievoller Ironie auf André Breton, der ihn kurz zuvor aus der Surrealisten-Gruppe ausgeschlossen hatte. Taxiert auf 300.000 bis 400.000 Euro, wurde es bei 670.000 zugeschlagen gewährt, ein Rekord. Kurz vor der Sommerpause kam bei Sotheby’s schließlich die Sammlung der insolventen Münchner Kunsthandlung Röbbig zur Auktion. Mehr als 400 Lose spielten den Erwartungen entsprechend 3,4 Millionen Euro ein.Stärken der einheimischen HäuserDas größte heimische französische Auktionshaus Artcurial vermeldet mit einem Umsatz von 105 Millionen Euro einen leichten Zugewinn im Vergleich zu 2025. Die Bronze„Singe attentif II“ von François-Xavier Lalanne erhielt bei 1,1 Millionen Euro den höchsten Zuschlag des Halbjahrs (600.000/800.000). Bemerkenswert ist der Rekordpreis für eine Zeichnung Jacopo Ligozzis, die eine Szene aus der „Göttlichen Komödie“ mit „Dante und Vergil vor dem Gericht des Minos“ darstellt. Mit Zuschlag bei 600.000 Euro vervierfachte das Blatt seine Obertaxe.Vervierfachte seinen oberen Schätzwert mit dem Rekordzuschlag bei 600.000 Euro: Jacopo Ligozzis Zeichnung „Dante und Vergil vor dem Gericht des Minos“ bei ArtcurialArtcurialBonhams Cornette de Saint Cyr gibt mit 56 Millionen Euro Umsatz einen Zuwachs von sieben Prozent bekannt. Hier wurde ein Diptychon Frank Stellas mit 1,5 Millionen Euro teuerstes Los der Saison. An Bonhams vorbei zog aber das Auktionshaus Millon im ersten Semester mit einem Umsatz in Frankreich von 56,4 Millionen Euro und einem Wachstum von 33 Prozent. Ein Porträt des französischen Königs Louis-Philippe von Franz Xaver Winterhalters verbuchte inklusive Aufgeld 926.800 Euro. Das Auktionsunternehmen Piasa feiert im September sein dreißigjähriges Bestehen mit räumlicher Vergrößerung und dem Einzug in ein elegantes Stadtpalais am Parc Monceau. Im ersten Halbjahr stieg sein Umsatz um zwölf Prozent auf 31,5 Millionen Euro.Im Drouot blieben die Geschäftszahlen vergleichbar mit denen des Vorjahrs. Das teuerste Los des Halbjahrs wurde bei Drouot Estimations vermittelt: Diego Giacomettis Konsolentisch „La Promenade des amis“ verdoppelte bei 4,9 Millionen Euro die Obertaxe. Ein rares Blatt von Hans Baldung Grien, das „Porträt von Susanna Pfeffinger“, wurde kurz vor der Auktion bei Lefèvre & Associés zum nationalen Kulturgut erklärt und zurückgezogen, um eine staatliche Akquisition zu ermöglichen. Die Verhandlungen sind noch im Gang. Anfang 2027 soll eine Fernsehdokumentation über die Geschichte der Zeichnung auf Arte ausgestrahlt werden.