Er sollte genügend Platz bieten, nicht zu schwer sein und dann auch noch gut aussehen: Den passenden Koffer zu finden, ist gar nicht so einfach. Marion Klein, Inhaberin des ältesten Schweizer Gepäckherstellers Pack Easy, gibt Tipps für den nächsten Kofferkauf.Frau Klein, auch diesen Sommer verzeichnet der Flughafen Zürich wieder einen Passagierrekord. Wie nehmen Sie das Reiseverhalten der Menschen wahr?Reisen ist in aller Munde und aus unserem mobilen Alltag nicht mehr wegzudenken. Aus Gesprächen mit unseren Kundinnen und Kunden weiss ich: Ferien gehören für viele zur Lebensqualität – darauf möchten sie nicht verzichten.Wie hat diese Entwicklung die Arbeit von Pack Easy seit dessen Gründung im Jahr 1961 verändert?Es hat sich sehr vieles verändert. Die Nachfrage hat zugenommen und dadurch auch das Angebot. Die Kofferproduktion war damals viel simpler und überschaubarer. Es gab lediglich eine Art von Koffer, und zwar den Tragkoffer mit einem Aluminiumrahmen. Diesen hat man aufgeklappt und rechts und links seine Sachen reingepackt.Heute ist die Herstellung viel umfangreicher und vielseitiger, es gibt technisch, aber auch visuell viel mehr Möglichkeiten. Moderne Koffer gibt es mittlerweile in unzähligen Varianten und Ausführungen, zudem tragen wir sie nicht mehr, sondern rollen sie neben uns her. Das Gepäck ist der Spiegel unseres Reiseverhaltens.Zur Person Marion Klein ist Inhaberin und Geschäftsführerin von Pack Easy, dem ältesten Gepäckhersteller der Schweiz. Das Unternehmen wurde 1961 in der Zentralschweiz gegründet. Heute verkauft Pack Easy seine Koffer national und international. Zudem betreibt das Unternehmen eine Kofferklinik, in der beschädigte Koffer aller Marken repariert werden. Inwiefern?Heutzutage sind viel mehr Menschen unterwegs. Von den 1960er bis in die 1980er Jahre war das Reisen ein Privileg der oberen Gesellschaftsschicht. Ihre Bedürfnisse waren homogener, man blieb damals meistens für ein bis zwei Wochen am selben Ort. Im Gegensatz zu heute, wo man viel häufiger den Ort wechselt, die eine Person mit Interrail unterwegs ist, die andere auf einem Road- oder Städtetrip ist. Da ist ein mobileres Gepäckstück gefragter als früher.Gibt es den einen Koffer für alles?Nicht wirklich. Schliesslich gibt es auch ganz unterschiedliche Reisebedürfnisse. Aus diesem Grund werden Trolleys in der Regel auch in drei Grössen unterteilt: das Kabinengepäck in kleiner Grösse. Die mittlere Variante reicht für sieben Tage. Die grosse Grösse benötigt man im Winter bereits ab einer Woche, im Sommer kann man damit gut zwei bis drei Wochen unterwegs sein.Wenn Sie sich für eine Koffergrösse entscheiden müssten, welche wäre das?Die mittlere – das ist ein guter Anfang.Es gibt weiche Koffer und solche aus Hartschale. Welche Vor- und Nachteile hat die jeweilige Variante?Wenn man einen Hartschalenkoffer packt, kann man sein Hab und Gut viel besser organisieren, da beide Seiten des Koffers zur Verfügung stehen. Zudem ist er um einiges robuster und sicherer. Der Vorteil von Weichgepäck ist, dass das Material nachgibt. Wenn man also etwas Unförmiges transportieren möchte, ist es die bessere Wahl. Ausserdem besitzen Weichgepäckstücke meist Aussenfächer, was durchaus praktisch sein kann. Empfehlen Sie einen grossen Koffer oder mehrere kleinere?Das hängt von der Art der Reise ab. Für längere Ferien- oder Familienreisen bietet ein grosser Koffer viel Stauraum und ist besonders praktisch. Wer häufiger unterwegs ist, unterschiedliche Reisen unternimmt oder flexibel packen möchte, profitiert oft von mehreren Koffern in verschiedenen Grössen. Meine Empfehlung: Investieren Sie in ein aufeinander abgestimmtes Kofferset. So haben Sie für jede Reise die passende Grösse zur Hand und reisen flexibel.Worauf muss man beim Kauf eines neuen Koffers achten?Ab der mittleren Koffergrösse finde ich vier Doppelrollen unbedingt nötig. Das sorgt für mehr Stabilität. Noch besser sind gummibeschichtete Räder, die kaum Geräusche verursachen, wenn man um sechs Uhr morgens über ein Kopfsteinpflaster-Trottoir zum Flughafen eilt. Praktisch ist auch, wenn sich der Koffer mit einem Reissverschluss erweitern lässt. So gewinnt man bis zu 5 cm und 20 Liter Mehrvolumen.Ein guter Koffer lässt sich auf beiden Seiten befüllen und verfügt beidseitig über Packgurte und jeweils eine verschliessbare Trennwand, damit Kleidung und andere Gegenstände nicht darin herumwirbeln. Achten Sie zudem darauf, dass er über ein TSA-Schloss verfügt. Dieses Schloss ermöglicht es dem Zoll weltweit, Ihren Koffer zu öffnen und per Stichprobe zu kontrollieren, ohne ihn aufzubrechen. Was eignet sich als Handgepäck?Auch beim Handgepäck bin ich ein Fan von Trolleys. Mit einem rollenden Koffer kommt man am Flughafen besser und schneller voran. Eine andere Option ist ein Weekender. Dieser verfügt ebenfalls über genügend Platz und kann am Gestänge des Koffers befestigt werden, so dass man ihn nicht tragen muss. Ein Weekender ist das ideale Handgepäckstück und kann am Gestänge des Koffers befestigt werden. Getty Images Bei Koffern geht es in erster Linie um Funktionalität und Qualität. Sind Ihnen die Ästhetik und das Design dennoch wichtig?Das wichtigste Kriterium bei einem Koffer ist tatsächlich das Material. Es muss qualitativ hochwertig und robust sein, denn nur so sind Langlebigkeit und Sicherheit garantiert. Gleichzeitig legen wir aber auch grossen Wert auf das Aussehen. Wenn Kundinnen und Kunden in unserem Verkaufsgeschäft einen Koffer in die Hand nehmen, stellen sie sich oft zuerst vor den Spiegel, um sicherzugehen, dass er zu ihnen passt.Die visuellen Ansprüche an einen Koffer haben sich deutlich erhöht, er hat sich zu einem Lifestyle-Artikel entwickelt. Man begegnet ihm nicht mehr nur am Bahnhof oder am Flughafen, sondern auch im Museum oder im Restaurant. Da muss er optisch auch etwas hergeben.Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Gepäckstück entwerfen?Wir arbeiten mit verschiedenen Produktdesignern aus dem In- und Ausland zusammen. In der Regel gehen wir mit einer ersten Idee auf sie zu, die wir anschliessend gemeinsam weiterentwickeln und ausarbeiten. Koffer sind in den letzten Jahren zum Lifestyle-Artikel avanciert. Getty Images Woher nehmen Sie die Ideen für ein neues Produkt?Unsere Inspiration kommt unter anderem aus der Möbel- und der Automobilbranche. Das reicht von den Farben und Formen bis hin zur Materialentwicklung. Wir besuchen jedes Jahr Auto- und Möbelmessen, um uns über die neuesten Trends zu informieren.Können Sie ein Beispiel nennen?Für unsere «Flow»-Kollektion haben wir uns unter anderem von den Designphilosophien von Audi und Porsche inspirieren lassen. Beide Marken präsentierten Fahrzeuge in einem Mokkabraun. Diese Farbe hat uns so gut gefallen, dass wir sie übernommen haben. Auch Designelemente wie die dynamische Formensprache der Frontpartie und die Optik der Innenausstattung sind bei der Koffergestaltung eingeflossen. Hat man seinen Koffer gefunden, muss man ihn auch packen. Welche Tricks gibt es dafür?Packwürfel sind Gold wert. Damit ordnet und organisiert man sein Gepäck automatisch und hat auch mehr Platz. Ein weiterer Trick ist, auf der Seite mit dem Rollgestänge weiche Kleidung hineinzulegen, um die Unebenheit auszugleichen. Unförmige Gegenstände wie Schuhe oder das Necessaire sollten dabei von den weichen Kleidern getrennt und auf der anderen Kofferseite verstaut werden. So holt man auf beiden Seiten das Optimum heraus.Ein letzter Tipp: Deponieren Sie die schweren Sachen ganz unten im Koffer. So werden die leichteren Kleidungsstücke unterwegs nicht zerdrückt, das Gewicht verlagert sich nach unten, und der Koffer rollt leichter. 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Worauf sollte man beim Kauf eines Koffers achten, und wie packt man ihn platzsparend?
Worauf muss man beim Kofferkauf achten, und wie packt man ihn am effizientesten? Marion Klein von Pack Easy über Kofferdesign und das Reisen.








