PfadnavigationHomePolitikAuslandIndien in AufruhrEin Prüfungsskandal, etliche Suizide – und die „Kakerlaken“-BewegungStand: 20:34 UhrLesedauer: 3 MinutenAnhänger der Bewegung feiern in Neu-DelhiQuelle: Getty Images/Elke ScholiersAus Protest gegen einen Skandal um Zulassungsverfahren an medizinischen Hochschulen entstand in Indien die „Kakerlaken“-Bewegung. Wochenlang kam es zu Demonstrationen. Nun haben die jungen Aktivisten eines ihrer Ziele erreicht.Erfolg für die „Kakerlaken“-Bewegung in Indien: Nach ihren wochenlangen Protesten hat sich der Bildungsminister dem Druck gebeugt und ist zurückgetreten. Die Bewegung kündigte daraufhin ein Ende der Proteste an, die seit Wochen andauerten und sich nach und nach im ganzen Land ausgebreitet hatten.Er habe „großen Respekt vor den Bestrebungen, Empfindungen und berechtigten Erwartungen der Jugend des Landes“, schrieb der bisherige Bildungsminister Dharmendra Pradhan im Kurznachrichtendienst X. Er habe Premierminister Narendra Modi sein Rücktrittsgesuch vorgelegt. Der Minister für Verbraucherfragen, Ernährung und öffentliche Verteilung, Shri Pralhad Joshi, soll zusätzlich zu seinem bisherigen Ressort die Leitung des Bildungsministeriums übernehmen.Der Rücktritt Pradhans gilt als großer Erfolg der jungen „Kakerlaken-Volkspartei“ (Cokroach Janta Party/CJP) und ihrer Anhänger. Er war eine ihrer Kernforderungen. Aus ihrer Sicht sollte der Minister die politische Verantwortung dafür übernehmen, dass Unterlagen einer Hochschul-Zugangsprüfung bekanntgeworden waren. Bei dem staatlichen Zulassungsverfahren an medizinischen Hochschulen konkurrierten in diesem Jahr rund 2,3 Millionen Bewerber um 130.000 Plätze. Nachdem die Fragen und Antworten der Aufnahmetests allerdings durchgesickert waren, wurden die Tests annulliert und mussten später wiederholt werden. Etliche Teilnehmer begingen daraufhin aus Verzweiflung Suizid. In Medienberichten ist von bis zu 20 Selbstmorden die Rede. Der Skandal war der Anlass für die Gründung der „Kakerlakenpartei“. Ihr Name geht zurück auf eine Aussage eines Obersten Richters des Landes. Er hatte arbeitslose junge Menschen als „Kakerlaken“ bezeichnet.Lesen Sie auchDie Protestbewegung entwickelte sich nach Einschätzung von Beobachtern zu einer großen Herausforderung für die Regierung und die hindu-nationalistische Regierungspartei BJP. Zuletzt war es bei Straßenprotesten in Neu-Delhi zu schweren Zusammenstößen der Bewegung und der Polizei gekommen. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein. Auf beiden Seiten gab es zahlreiche Verletzte.In den Gesprächen mit Vertretern der Protestbewegung sagte die Regierung nach Angaben der Gesprächsteilnehmer zu, dass die Demonstranten keine Strafverfahren befürchten müssten. Zuvor erhobene Vorwürfe, Demonstranten hätten Gewalt gegen Beamte angewendet, würden zurückgezogen. Bis zum Dienstag solle dafür eine schriftliche Garantie vorliegen, hieß es. Zudem kündigten Gesundheitsminister Jagat Prakash Nadda und die CJP an, dass Familien von Studienanwärtern, die im Kontext des Skandals Suizid begangen hätten, Schmerzensgeld erhalten würden.Unter Tausenden Anhängern der „Kakerlaken“-Bewegung war nach Bekanntwerden des Rücktritts des Bildungsministers lauter Jubel ausgebrochen, wie Augenzeugen berichteten und Videos von einem seit Wochen besetzten Kundgebungsort in Neu-Delhi zeigen. In der Hauptstadt hatten sich wieder Tausende Anhänger der CJP versammelt. Der Protestort Jantar Mandar war wie in den Wochen zuvor von Tausenden Polizisten umstellt.Lesen Sie auchWie es mit der jungen Bewegung, die sich spontan entwickelt hat, nach dem angekündigten Ende der Proteste weitergeht, war unklar. Der CJP-Gründer Abhijit Dipke rief die Anhänger laut der Zeitung „The Times of India“ auf, ihn nicht zum Helden zu machen. „Macht nicht diesen Fehler.“Auf X gab Dipke bekannt, dass bei ihm Typhus diagnostiziert worden sei. Der 30-Jährige, der unter anderem in den USA studiert hat, gilt in Indien inzwischen als eine Symbolfigur der Gen-Z-Protestbewegung, die sich gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und politische Missstände wendet. Zur „Generation Z“ gehören Menschen, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurden.Haben Sie suizidale Gedanken, oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter http://www.telefonseelsorge.de. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.dpa/KNA/ll
Indien in Aufruhr: Ein Prüfungsskandal, etliche Suizide – und die „Kakerlaken“-Bewegung - WELT
Aus Protest gegen einen Skandal um Zulassungsverfahren an medizinischen Hochschulen entstand in Indien die „Kakerlaken“-Bewegung. Wochenlang kam es zu Demonstrationen. Nun haben die jungen Aktivisten eines ihrer Ziele erreicht.















