Gibt man ihm 22 Prozent, wäre das zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben. Aber 22 Prozent hatte die Berliner CDU in den Umfragen auch lange nach dem Stromausfall im Südwesten der Stadt. Das wäre für den neuen Kandidaten Stefan Evers zwar ein derzeit realistisches Ergebnis für die Wahl am 20. September, aber kein wünschenswertes. Nicht für ihn, nicht für die CDU, und nicht für die bürgerliche Mitte Berlins. Ja, die gibt es tatsächlich noch in Berlin. Doch die hat sich seit der letzten Wahl für die CDU wieder zu großen Teilen verdünnisiert.

Allein die Tatsache, dass Kai Wegner das Handtuch geworfen hat, brachte der CDU drei Prozentpunkte in der öffentlichen Meinung. Aber die konservativen Berliner haben noch nicht „Hurra!“ geschrien, nur weil Evers notgedrungen die Kandidatur übernommen hat. Daher kletterte die CDU anfangs auch nur von 17 auf 20 Prozent. Wegen des Wegner-Effekts. Für einen langanhaltenden Jubel braucht es mehr. Viel mehr, um das letzte Wahlergebnis von 2023 mit 28 Prozent zu egalisieren. Viel mehr, um die über die Jahre verprellten Wähler von AfD oder BSW zurückzuholen. Die letzte INSA-Umfrage zeigte schon wieder nach unten. Die AfD ist demnach stärkste Kraft. Evers muss jetzt maximal liefern. Es steht viel auf dem Spiel.