In dem von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Freitag angekündigten Kabinettsumbau spielt auch der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann eine große Rolle. Der 48-Jährige löst seine Parteikollegin Nina Warken ab und wird Gesundheitsminister der schwarz-roten Koalition. Diese Personalie kam für einige überraschend, Linnemann hatte sich bisher kaum in der Gesundheitspolitik hervorgetan – und war vor einem Jahr noch der Meinung, er sei nicht der Richtige für dieses Amt.Nun sieht sich Linnemann schon vor seiner Vereidigung mit klaren Forderungen der Sozialverbände konfrontiert. „Erster Akt muss sein, die Gesundheitsreform zu überdenken, die vor allem erhebliche Leistungskürzungen und Mehrbelastungen für die Versicherten vorsieht“, sagte die Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmeier, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.„Und auch die anstehende Pflegereform muss endlich kommen.“ Sie dürfe aber keine „Sparreform“ werden, sagte Engelmeier. „Sie muss die Betroffenen und deren Angehörige in den Mittelpunkt stellen.“ Für Reformen in Gesundheit und Pflege müsse gelten, die Versorgung zu verbessern und nicht nur pauschal kürzen.Carsten Linnemann muss sich nun auch an seinen Versprechen vor der Wahl messen lassen.Michaela Engelmeier, Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD)Sie fügte hinzu: „Carsten Linnemann muss sich nun auch an seinen Versprechen vor der Wahl messen lassen, so etwa die Sozialbeiträge auf 40 Prozent zu kürzen.“ Dies wäre möglich, wenn der Bund die versicherungsfremden Leistungen wie die Gesundheitskosten für Grundsicherungsempfänger übernähme und aus Steuern finanziere. Auch die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, sagte mit Blick darauf dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „Carsten Linnemann muss sich im Kabinett auch unbeliebt machen.“ Idealerweise setze er durch, dass gesamtgesellschaftliche Aufgaben in der Kranken- wie in der Pflegeversicherung von allen Steuerzahlenden getragen werden, nicht allein von den Beitragszahlenden. „Das wäre ein Schritt zu mehr Gerechtigkeit und würde die Beitragszahlenden spürbar entlasten.“ Auch Ärzte formulieren Forderungen an Linnemann Am Freitag hatten sich bereits die Mediziner zum designierten Gesundheitsminister geäußert. Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, Linnemann stehe „für die Modernisierung bestehender Strukturen“. Dieser Gestaltungswille sei auch im Gesundheitswesen nötig. Auch der Hausärztinnen- und Hausärzteverband wies darauf hin, dass sich der CDU-Politiker für Strukturreformen eingesetzt habe. Verbandschefin Nicola Buhlinger-Göpfarth betonte in Bericht zugleich, er habe dabei immer die Bedeutung gesehen, die Bürgerinnen und Bürger auf diesem Weg mitzunehmen. „Genau diese Fähigkeiten werden für das Gelingen der anstehenden Reformen im Gesundheitswesen essenziell sein.“Als einer der wenigen SPD-Politiker äußerte sich Gesundheitsexperte Christos Pantazis zu der noch unfertigen Personalrochade. Linnemann übernehme eines der anspruchsvollsten Ressorts der Regierung, und er freue sich auf konstruktive Zusammenarbeit, sagte Pantazis. Für die SPD sei zentral, dass sich Gesundheitspolitik am Gemeinwohl orientiere. Warken-Vorgänger Karl Lauterbach (SPD) beschied Linnemann auf X, man könne mit ihm „gut arbeiten“.Der Grünen-Gesundheitsexperte im Bundestag, Janosch Dahmen, sagte der „Augsburger Allgemeinen“, die Herausforderungen im Gesundheitswesen seien gewaltig. „Sie brauchen kein Motto wie ,Einfach mal machen’“, sagte er in Anspielung auf entsprechende Äußerungen Linnemanns, „sondern Expertise, Empathie und den konsequenten Fokus auf die Menschen.“ Er wünsche Linnemann Erfolg.Der Linken-Gesundheitspolitiker Ates Gürpinar sagte der „Rheinischen Post“: „Linnemann ist ein sozialpolitischer Hardliner, und das lässt Schlimmes befürchten.“FDP-Chef Wolfgang Kubicki erinnerte auf der Plattform X an Aussagen Linnemanns, nach denen die Krankenkassen-Zahl in Deutschland drastisch reduziert werden und die Sozialbeiträge bei 40 Prozent des Bruttolohns gedeckelt werden sollten. Linnemann müsse sich nun beweisen. „Wir werden ihn daran erinnern.“ (lem)
„Muss sich im Kabinett auch unbeliebt machen“: Sozialverbände nehmen designierten Gesundheitsminister Linnemann in die Pflicht
Ob Gesundheits- und Pflegereform oder Entlastung der Beitragszahler: Auch die Sozialverbände haben klare Erwartungen an den 48-Jährigen, der in der schwarz-roten Regierung Nina Warken ablösen soll.












