Für ihr erstes Video aus der ukrainischen Hauptstadt hat Laura Loomer eine besondere Kulisse gewählt. Die MAGA-Influencerin lässt sich vor einem McDonald’s an der U-Bahn-Station „Lukjaniwska“ filmen. Die Gegend im Nordwesten Kiews wird von Russland besonders oft mit Raketen und Drohnen überzogen. Auch die Filiale des amerikanischen Fastfood-Konzerns hat durch die Einschläge Schaden genommen, sogar das charakteristische gelbe M an der Fassade ist durch die Hitze schon einmal geschmolzen. Das von Ruinen umgebene Schnellrestaurant ist aber weiterhin geöffnet, dient auch manchem Ukrainer als Symbol für die eigene Widerstandsfähigkeit.Laura Loomer ist eine rechte Podcasterin, der in sozialen Medien rund zwei Millionen Menschen folgen. Noch bedeutsamer als ihre Reichweite ist aber ihr Zugang. Sie brüstet sich mit ihrer engen Bindung zum amerikanischen Präsidenten. Zuletzt habe sie sich mit Donald Trump in der Präsidentenmaschine eine Portion Pommes geteilt, prahlt Loomer in Kiew und unterlegt die Behauptung mit einem gemeinsamen Foto aus dem Flugzeug.„Russland ist einfach sehr gut im Informationskrieg“Die Podcasterin inszeniert ihr Burgeressen in Kiew als Replik auf einen anderen rechten Meinungsmacher. Im Februar 2024 reiste der frühere Fox-News-Moderator Tucker Carlson nach Moskau. Er besuchte dort auch ein Schnellrestaurant, das seit dem Rückzug westlicher Unternehmen von einem russischen Eigentümer unter neuem Namen weitergeführt wird. Carlson pries Russland als sanktionsresistent und modern, interviewte sogar Herrscher Wladimir Putin. Der anbiedernde Auftritt kam nicht überraschend. Die MAGA-Bewegung ist schon immer empfänglich für russische Narrative, eigentlich auch Loomer.Im Netz bedient die Trump-Unterstützerin das rechtspopulistische Spektrum, schreckt auch vor Verschwörungstheorien nicht zurück. Bis zu ihrem überraschenden Kiew-Besuch übernahm sie häufig die russische Darstellung. Die Ukraine nannte sie „korrupt“ und „von Nazis kontrolliert“. Nun hat sich der Ton geändert. Auf Twitter schreibt Loomer nach einem Luftalarm, sie komme sich „wie ein Arschloch vor, weil ich die Not der Ukrainer die letzten fünf Jahre heruntergespielt“ habe. Russland sei einfach „sehr gut im Informationskrieg“. Derartige Eingeständnisse sind selten. Auch deshalb stellt sich die Frage, ob Loomers Manöver angesichts ukrainischer Erfolge stellvertretend für einen größeren außenpolitischen Sinneswandel in Washington steht.Kiew wirbt weiterhin um die Gunst der US-AdministrationDie Ukrainer jedenfalls wirkten vorbereitet und zeigten keinerlei Berührungsängste. Loomer kam in Kiew sowohl mit dem stellvertretenden Präsidialamtschef als auch der Kulturministerin zusammen. Später besuchte sie das Kiewer Höhlenkloster und führte sogar ein Exklusivinterview mit Präsident Wolodymyr Selenskyj. Auf der Plattform X veröffentlichte sie erste Ausschnitte des Gesprächs. Darin äußert sich Selenskyj auf Englisch zu einer Begegnung mit Trump am Rande der Trauerfeier für Papst Franziskus im April 2025. Selenskyj spricht von einem „historischen Treffen“ im Vatikan, durch das man die Beziehungen innerhalb von 15 bis 20 Minuten wirklich verbessert habe.Exklusivinterview mit dem Präsidenten: Für Loomer öffneten sich einige Türen.LauraLoomer/XObwohl Trump alle finanzielle Unterstützung für Kiew eingestellt hat, werben die Ukrainer weiterhin unentwegt um die Gunst der US-Regierung. Für die Abwehr von ballistischen Raketen etwa ist Kiew auf Patriot-Systeme und Abwehrraketen angewiesen. Amerikanische Geheimdienstinformationen ermöglichen Treffer im russischen Hinterland. In Kiew ist man darum bemüht, direkten Zugang zu Trump zu bekommen. Eine weitere Gelegenheit könnte sich schon in der kommenden Woche bieten. Loomer zufolge kündigte Selenskyj im Interview an, für die Beisetzung des kürzlich verstorbenen US-Senators Lindsey Graham nach Washington reisen zu wollen. Graham hatte jahrelang für Hilfen für Kiew geworben und galt als Fürsprecher der Ukraine beim amerikanischen Präsidenten.Wie weit Loomers Einfluss bei Trump reicht, darüber wird in Washington gestritten. Einst bekannt für krude Verschwörungstheorien stellt sich die 33 Jahre alte selbsterklärte „Investigativjournalistin“ gern als inoffizielle Beraterin des Weißen Hauses dar. Dort bemüht man sich allerdings immer wieder, ihre Bedeutung herunterzuspielen. Loomer übt regelmäßig Kritik: an den Gesprächen mit den „Terroristen“ in Iran zum Beispiel oder am Umgang der Regierung mit den Epstein-Dokumenten.Die Reise nach Kiew schien in der Heimat aber keinen Unmut zu schüren. Trump selbst hat schon reagiert. Er bewarb einen Ausschnitt aus dem Selenskyj-Interview auf seiner Plattform Truth Social mit den Worten „Very good!!!“. Loomers Botschaft scheint in diesem Fall angekommen zu sein.
Laura Loomer in Kiew: Sinneswandel der MAGA-Influencerin
Eine rechte Podcasterin reist überraschend nach Kiew und interviewt dort Präsident Selenskyj. Rückt die MAGA-Bewegung von Russland ab?











