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Porsche: Standorte gesichert – doch der Preis für die Belegschaft ist hoch Am Montag wird das Management des kriselnden Sportwagenherstellers den Beschäftigten ein zweites Sanierungspaket vorstellen. Das Handelsblatt kennt die zentralen Punkte.
Produktion bei Porsche in Zuffenhausen: Wie viele Jobs fallen weg? Foto: Porsche AGStuttgart. Wenn am Montag die Porsche-Belegschaft zur Betriebsversammlung in Zuffenhausen zusammenkommt, steht eine bange Frage im Raum: Die Beschäftigten wollen von der Unternehmensführung wissen, was die Aufsichtsratssitzung am vergangenen Mittwoch erbracht hat – und wie viele Stellen der Konzern zusätzlich streichen will. Von mehreren Seiten ist zu hören, die Debatte sei „sehr kontrovers“ verlaufen.Das Unternehmen teilte lediglich mit, der Aufsichtsrat habe dem Zukunftspaket seine Unterstützung zugesagt. Zunächst werde am Montag die Belegschaft informiert. Nach Informationen des Handelsblatts wird sie Folgendes erfahren:Für die Beschäftigten soll es bei einer Verlängerung der Standortsicherung um fünf Jahre bis 2035 geblieben sein. Dafür zahlen die Arbeitnehmer einen hohen Preis: Nach derzeitigem Stand sollen zusätzlich zu dem laufenden Abbauprogramm von 3900 Stellen bis 2029 weitere 5700 Jobs wegfallen.Das entspräche insgesamt mehr als einem Drittel der Beschäftigten in Weissach und Zuffenhausen – und mehr als einem Fünftel der Belegschaft der Porsche AG. 2025 zählte Porsche weltweit rund 42.000 Beschäftigte. Der Stellenabbau soll wie bisher sozialverträglich über freiwillige Aufhebungsverträge erfolgen.Auch die bereits für dieses Jahr gestrichene Sonderzahlung soll nicht zurückkehren. Allerdings ist sie laut Insidern künftig nicht vom Tisch: Sie werde erfolgsabhängig gezahlt und auf 1500 Euro gedeckelt, zudem solle das Weihnachtsgeld gekürzt werden.Die sogenannte Steinkühlerpause konnten die Beschäftigten demnach verteidigen. Die Regelung aus dem Jahr 1973 – benannt nach dem damaligen IG-Metall-Verhandlungsführer – gewährt Bandarbeitern eine bezahlte Erholungspause von fünf Minuten pro Arbeitsstunde. Damit wird aus einem Siebenstundentag rechnerisch fast ein Sechsstundentag.Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche (l.,), CEO Michael Leiters: Kompromiss nur zähneknirschend akzeptiert. Foto: Bernd Weißbrod/dpaHochgerechnet kostet das Porsche einen erklecklichen zweistelligen Millionenbetrag. Die Regelung gilt nur in Baden-Württemberg und wird von der Gewerkschaft seit Jahren gegen wiederkehrende Begehrlichkeiten der Arbeitgeber verteidigt.Porsche-Chef Michael Leiters musste den Arbeitgebern für den anstehenden Abschluss weiter entgegenkommen als geplant. Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche hatte Leiters ins Amt geholt, um bei Porsche härter durchzugreifen als zuvor Oliver Blume. Unter Blumes Führung gerieten die Verhandlungen über das zweite Sanierungspaket im vergangenen Dezember ins Stocken.Offenbar unterstützt Wolfgang Porsche nun zähneknirschend den von Leiters mit den Arbeitnehmern ausgehandelten Kompromiss. In der Eigentümerfamilie hätte man eine kürzere Laufzeit bevorzugt – zumal, anders als bei Volkswagen, nicht in den Tarif eingegriffen wird.Das Einlenken bringt Wolfgang Porsche und die anderen Familienmitglieder sowie die Volkswagen-Manager im Aufsichtsrat in die Bredouille. Denn die Sonderregelung mit einer Standortgarantie bis 2035 für Porsche schwächt die Position der Kapitalseite und des VW-Aufsichtsrats in der Auseinandersetzung mit den Arbeitnehmern von Volkswagen und Audi.VW-Chef Blume: Drei Volkswagen-Standorte und ein Audi-Werk sind gefährdet. Foto: REUTERSIm Konzern hat Vorstandschef Oliver Blume bis zu 50.000 Arbeitsplätze – einschließlich der Jobs bei Porsche – infrage gestellt und erwägt die Schließung von vier Werken in Deutschland. Betroffen sein könnten die VW-Standorte Hannover, Emden und Zwickau sowie das Audi-Werk Neckarsulm. Blume begründet den vom VW-Betriebsrat strikt abgelehnten Plan mit dem notwendigen Abbau von Überkapazitäten.Dem steht die Porsche-Regelung mit einer Garantie für die beiden Werke Stuttgart-Zuffenhausen und Leipzig gegenüber. Beide Standorte sind ebenfalls deutlich unterausgelastet; Zuffenhausen gilt konzernweit als teuerster Standort. Die Begründung „Porsche ist anders“ werden die Arbeitnehmervertreter von VW und Audi kaum akzeptieren.Neben Wolfgang Porsche sitzen unter anderem Hans Michel Piëch und Oliver Porsche in den Kontrollgremien von Porsche und Volkswagen. Zugleich vertreten VW-Finanzchef Arno Antlitz und Volkswagen-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch im Porsche-Aufsichtsrat die Interessen des Gesamtkonzerns. Volkswagen-Managerin Hauke Stars sitzt nicht nur im Aufsichtsrat von Porsche, sondern auch von Audi.Autobauer Entscheidung „noch in diesem Jahr“ – Blume will VW-Umbau bald besiegeln Porsche steckt in einer schweren Krise: Die Verkäufe in China sind eingebrochen, und Leiters’ Vorgänger, VW-Konzernchef Oliver Blume, hatte zu stark auf Elektroautos gesetzt. Die operative Rendite – lange Zeit bei rund 15 Prozent – sackte im vergangenen Jahr auf sechs Prozent ab. Im ersten Halbjahr ist sie nach den heute veröffentlichten Zahlen des VW-Konzerns wieder auf acht Prozent gestiegen. Der Umsatz ist allerdings um fünf Prozent auf 17,3 Milliarden Euro geschrumpft. Verwandte Themen PorscheOliver BlumeAudiBereits unter Blume leitete Porsche einen Personalabbau und Kostensenkungen ein, etwa mit dem Ende der eigenen Batteriezellenfertigung. Leiters übernahm Anfang des Jahres die Führung. Er kündigte an, Strukturen zu straffen, Kosten zu senken und das Produktangebot grundlegend zu überarbeiten. Seine endgültige Strategie will er auf einem Kapitalmarkttag am 7. Oktober vorstellen. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! Anzeige STELLENMARKT Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden Anzeige Expertentesten.de Produktvergleich - schnell zum besten Produkt
















