Markus Krall polarisiert wie kaum ein anderer Autor im liberal-konservativen Spektrum. Für seine Anhänger ist der Bestsellerautor und Unternehmensberater einer der schärfsten Analytiker der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands. Kritiker werfen ihm dagegen vor, den Niedergang des Westens herbeizuschreiben und Verschwörungserzählungen zu verbreiten.
In seinem neuen Buch „Götterdämmerung“ verbindet Krall erstmals Wirtschaft, Philosophie, Geopolitik und Gesellschaftsfragen zu einer umfassenden Gegenwarts- und Zukunftsprognose. Seine These: Der Westen steht am Ende einer Epoche. Die eigentlichen Konflikte unserer Zeit, so Krall, werden nicht zwischen Parteien und Staaten ausgetragen.
Viel entscheidender sind die Kämpfe derer, die sich für Freiheit einsetzen und denen, die nach einer neuen Form des Sozialismus streben. Im Interview mit dieser Zeitung stellt sich Krall den Vorwürfen seiner Kritiker und erläutert, warum er davon überzeugt ist, dass Deutschland vor einem grundlegenden Umbruch steht.
Herr Krall, Sie werden seit Jahren als Untergangsprophet bezeichnet. Fast jedes Ihrer Bücher beschreibt einen historischen Wendepunkt oder eine existenzielle Krise. Was entgegnen Sie Kritikern, die sagen: Herr Krall prognostiziert seit Jahren den großen Zusammenbruch, aber er tritt nie in der angekündigten Form ein?Den Weltuntergang prophezeie ich nicht. Ich prophezeie eine existenzielle Krise unserer Gesellschaft und ich glaube, das ist gut begründet. Wer die Augen aufmacht, sieht, dass wir längst mittendrin sind. Wir haben als Gesellschaft falsche Entscheidungen getroffen, politisch, aber auch wertetechnisch. Wenn man mich Untergangsprophet nennen will, kann ich nur sagen: Es geht tatsächlich etwas unter, aber nicht die Welt, sondern falsche Ideen, falsche Ansätze und falsche Politik. Daraus entsteht etwas Neues. Wer meine Bücher bis zum Ende liest, weiß, dass ich immer auch beschreibe, wie es nach der Krise besser werden kann. Das wird oft übersehen. Aber ich kann damit leben. Es ist eben schwer zu akzeptieren, wenn jemand Dinge infrage stellt, an die wir uns so sehr gewöhnt haben.






