„Als außenstehender Dienstleister würde ich da nichts mitteilen wollen, wenn das möglich wäre.“ Die vornehme Zurückhaltung des Chefs der Handwerker hängt mit der prominenten Baustelle zusammen: Der Plenarsaal des Hessischen Landtags wird auf den neuen Stand der Technik gebracht. Man nutze die Sommerferien für eine „Operation am offenen Herzen“, erklärt eine Sprecherin des Parlaments. Die Zeit ist knapp. Denn auch im Herzen der hessischen Demokratie hängt alles mit allem zusammen. So ist die Erneuerung der aus dem Jahr 2007 stammenden Medientechnik mit dem Austausch der Pulte verbunden, in denen sie zum Teil untergebracht wird.Insgesamt stehen dort 173 der aus Ahornholz gefertigten einzigartigen Möbelstücke. Außer den 133 Mandatsträgern müssen im Saal auch Minister und Staatssekretäre, Referenten und Stenographen arbeiten können. Rund 2,7 Millionen Euro kostet das Projekt insgesamt. Der Großteil entfällt nach den Angaben des Landesbetriebs Bau und Immobilien mit rund 2,5 Millionen Euro auf den Ausbau der Pulte und die Technik des Plenarsaals. Die erst für das nächste Jahr vorgesehene Überarbeitung der Parkettfläche ist mit 165.000 Euro veranschlagt.Hinterbänkler: Schreiner montieren im Plenarsaal des Landtags mit neuer Technik bestückte Pulte.Lucas BäumlDie Pulte sind nach fast 20 Jahren stark abgenutzt und an vielen Stellen beschädigt. Außerdem ist die technische Ausstattung veraltet. Künftig gehören auch USB-Ladeanschlüsse dazu. Die neuen Pulte sind aus demselben Holz gefertigt wie die alten, aber heller. Der Farbton wird relativ rasch nachdunkeln, zumal der große Raum von Sonnenlicht durchflutet wird.Transparenz ist ein wesentliches Merkmal des Plenargebäudes. Mit seiner weißen Natursteinfassade wurde es in den Jahren 2005 bis 2008 in das historische Stadtschloss eingefügt. Große Fensterflächen ermöglichen freie Sicht und sollen nach den Vorstellungen der Darmstädter Architekten Waechter + Waechter für Offenheit und Transparenz stehen.Die kreisförmige Anordnung, dem sogenannten Runden Tisch nachempfunden, bringt symbolhaft das gleichzeitige Miteinander und Gegenüber der Parlamentarier zum Ausdruck und verdeutlicht die gemeinsame Verantwortung. Das gilt auch für die Besucher auf der Galerie, die durch die kreisrunde Öffnung als Zuhörer an der Diskussion teilhaben können.Regierung und Parlamentarier auf AugenhöheIm Unterschied zu dem früheren Sitzungssaal des Landtags befindet sich die Regierungsbank heute auf derselben Ebene wie die Plätze der Abgeordneten. Regierung und Parlament arbeiten somit auf Augenhöhe. Nur die Präsidentin und ihre Vertreter nehmen gemäß der protokollarischen Rangordnung eine höhere Position ein. Sie leiten die Sitzungen von einem Podest aus.Die Diskussionsanlage wird vollständig ausgetauscht. Damit hängt die Erneuerung der Außenschale des Rednerpultes zusammen. Dort blicken die Politiker künftig auf ein Display, das ihnen die verbleibende Redezeit anzeigt. Geplant ist außerdem, die Videokameras auszutauschen und zu ergänzen.Auf der Besuchergalerie werden zwölf zusätzliche Lautsprecher installiert, um die Akustik zu verbessern. Auch das IT-Netzwerk wird umgestellt. In der Vergangenheit wurden die Videosignale durch sogenannte dezidierte Leitungen übertragen, die nur für diese eine Aufgabe vorgesehen waren. Das hatte beispielsweise zur Folge, dass man ein neues Kabel in jeden Raum des Parlamentsgebäudes verlegen musste, in dem man das Videosignal aus dem Plenarsaal zusätzlich ausstrahlen wollte.Künftig werden die Signale über die ohnehin im ganzen Haus vorhandene Netzwerkverkabelung versendet, die auch für andere Dienste wie Telefonie und Internet benutzt wird. So lasse sich das Bildsignal wirtschaftlicher und flexibler verteilen und verarbeiten, erklärt die Sprecherin des Landtags.Seite an Seite: Die aus dem Plenarsaal ausgebauten Stühle werden am Ende der Sommerferien wieder zurückgebracht.Lucas BäumlVöllig unverändert bleiben die Stühle. Sie stehen im Moment sorgsam aufgereiht am Rande der Lobby vor dem Plenarsaal. Die Seitenprofile, Spannbügel und Armlehnen sind aus verchromtem Aluminium. Der Stoffbezug ist schwarz. Die Höhe der Sitzfläche und die Neigung der Rückenlehne sind hydraulisch verstellbar. Der Stuhl lässt sich um 360 Grad drehen. Auf einer Schiene kann man ihn vor- und zurückschieben.Der Schweizer Hersteller Vitra zählt den 1958 von Charles und Ray Eames entworfenen „Aluminium Chair“ zu den Klassikern der Designgeschichte des 20. Jahrhunderts. Er steht in unzähligen Varianten in Vorstandsetagen, Konferenzsälen und an Schreibtischen. Die Regierungssitze, die so edel anmuten, sind also Massenware.
Hessischer Landtag bekommt neue Technik
Der Plenarsaal des Hessischen Landtags wird in den Sommerferien auf den aktuellen Stand der Technik gebracht. Es kommen neue Pulte hinein. Die Übertragung von Tönen und Bildern wird modernisiert.






