Die Unterschätzte: Die bisherige Gesundheitsministerin Nina Warken wird Chefin des deutschen KanzleramtsMit der Juristin wird erstmals eine Frau das Kanzleramt führen. Warken gilt als durchsetzungsstark und gehört zum konservativen Flügel der Christlichdemokraten. Ihre politische Karriere verlief lange im Hintergrund.24.07.2026, 12.04 Uhr3 LeseminutenKarrieresprung für Nina Warken: Der deutsche Regierungschef Friedrich Merz macht sie zur Kanzleramtschefin.Markus Schreiber / APFür das Amt der deutschen Gesundheitsministerin galt Nina Warken als Ersatzkandidatin. Die 47-Jährige musste einspringen, weil der CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann das Ministeramt ablehnte. Nicht wenige in der Unionsfraktion waren skeptisch, ob Warken, die anhin wenig in der Öffentlichkeit bekannt war, die komplizierte Aufgabe meistern würde. Doch sie belehrte ihre Kritiker eines Besseren und überraschte mit ihrer Durchsetzungskraft nicht nur Kanzler Friedrich Merz. Jetzt kommt ein weiterer Karrieresprung hinzu. Merz macht sie zur Kanzleramtschefin und damit zu seiner wichtigsten Mitarbeiterin.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nina Warken habe gezeigt, dass sie ein Ministerium führen und Reformen auch gegen Widerstände durchsetzen könne, sagte Merz am Freitag bei Vorstellung der Personalie. Ausserdem sei Warken eine «harte Verhandlerin». Das habe jeder gemerkt, der mit ihr zusammengearbeitet habe.Als erste Frau in der Geschichte der Bundesrepublik wird die Juristin das Bundeskanzleramt führen. Die Erwartung an Warken ist, dass sie nicht nur die Regierungsarbeit koordiniert, sondern das Kanzleramt wieder als Schaltzentrale der Macht stärkt.Warken gilt als fleissig, immer gut vorbereitet und freundlich im Umgang, aber zuweilen als blass im Auftreten. All diese Eigenschaften dürften ihr im Kanzleramt jedoch zum Vorteil werden.Warken legte gegen Widerstände Gesundheitsreform vorAnders als ihr Vorgänger Thorsten Frei, dem seine Kritiker vorgehalten haben, zu oft in Talk Shows gesessen zu haben, drängt es Warken nicht in die Öffentlichkeit. Sie galt auch in der Bundestagsfraktion, der sie seit 2013 angehört, als Hintergrundarbeiterin, die aber durchaus mit Ehrgeiz und Selbstbewusstsein ihren Weg verfolgte.Als Gesundheitsministerin verlief der Start von Warken holprig. Sie hatte sich bis dahin mit Innenpolitik und Rechtsthemen beschäftigt. Die Ministerin spielte auf Zeit, setzte verschiedene Kommissionen für wichtige Reformvorhaben ein. Die Ergebnisse der Pflegekommission rügte sogar der Kanzler öffentlich als «nicht befriedigend».Dann legte Warken aber innerhalb weniger Monate das bislang umfangreichste Sparpaket im Gesundheitswesen vor, um die Krankenkassenbeiträge zu stabilisieren. Sie hatte sich dafür mit den mächtigen Interessengruppen von Ärzten, der Pharmaindustrie und den Krankenhäusern angelegt, denen sie Sparanstrengungen abforderte. «Man braucht schon ein dickes Fell», sagte sie damals. Einen Beliebtheitswettbewerb könne man damit nicht gewinnen.Breites Netzwerk und gute DrähteDie Gesundheitsreform nötigte auch dem Kanzler Respekt ab. Sein Ton änderte sich. Er lobte Warken öffentlich für ihr «hochprofessionelles Agieren» und sprach von einer «grossartigen Arbeit», die beispielhaft für weitere Reformen sei. Ab diesem Moment qualifizierte sich die in Tauberbischofsheim lebende Warken für höhere Aufgaben.Die Nominierung von Warken als Kanzleramtschefin ist auch ein Signal an die Frauen in der Unionsfraktion, die auf mehr Einfluss pochten. Seit dem vergangenen Jahr ist Warken Vorsitzende der Frauen Union und hat sich damit ein Unterstützer-Netzwerk aufgebaut. Sie hat gute Drähte in die Landesverbände und in die Bundestagsfraktion, die für ihre Arbeit als Kanzleramtschefin nützlich sind.Politisch gehört Warken zum konservativen Flügel der Christlichdemokraten und steht damit dem Kanzler nahe. So hat sie beispielsweise 2017 im Parlament dagegen gestimmt, dass Homosexuelle heiraten dürfen.Warken war lange InnenpolitikerinWarken hat früh ihre politische Heimat in der CDU gefunden. Im Alter von 20 Jahren trat sie der Jungen Union bei, deren stellvertretende Bundesvorsitzende sie von 2006 bis 2014 war. Warken studierte Jura in Heidelberg und arbeitete danach als Rechtsanwältin. Parallel engagierte sie sich für die CDU auf lokaler Ebene.Als sie 2013 in den Bundestag gewählt wurde, sollte die Mutter von drei Kindern in den wenig prestigeträchtigen Familienausschuss verfrachtet werden. Warken bestand aber auf ihrer fachlichen Expertise als Juristin. Sie kam in den Innenausschuss und in den Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Morde der rechtsextremen Terrorgruppe NSU.2021 wurde sie zur parlamentarischen Geschäftsführerin der Unionsfraktion gewählt und stand damit im engen Austausch mit dem damaligen Fraktionschef Merz.Von der Kanzleramtschefin wird der Erfolg der Regierung abhängen. Nina Warken muss aufziehende Konflikte erkennen, bevor sie eskalieren, unterschiedliche Interessen zusammenbringen und sich gegen Kritiker durchsetzen.Passend zum Artikel