Im September wäre Freddie Mercury 80 geworden. Adam Lambert singt mit Queen nun schon seit fast 15 Jahren deren Songs und hat jetzt ein neues Solo-Album veröffentlicht. Ein Gespräch mit dem US-Musiker über ewigen Ruhm, neue Queer-Feindlichkeit und Nummer-1-Hits in China.Adam Lambert wirkt an diesem Vormittag gelassen. Im Videogespräch antwortet der US-Sänger offen, reflektiert und ohne Scheu vor politischen Themen – vom Kulturkampf um das Kennedy Center bis zum Gegenwind gegen LGBTQ-Rechte in den USA. Der 44-Jährige könnte sich auf den sicheren Weg des Entertainers beschränken, stattdessen sucht er das Unbequeme. Sein neues Album „ADAM“ ist düsterer als viele Solowerke, die er zuvor veröffentlicht hat – geprägt auch von seinen jüngsten Bühnenrollen als Judas in „Jesus Christ Superstar“ und als Conférencier in „Cabaret“. Gute Kunst, sagt Lambert, müsse nicht immer angenehm sein. Manchmal liege gerade in der Dunkelheit etwas Verbindendes.Seit seinem Durchbruch als Finalist der US-Castingshow „American Idol“ 2009, seinem frühen Coming-out als schwuler Mann und dem Beginn seiner Solokarriere zählt der Mann mit einem Stimmumfang von rund vier Oktaven zu den technisch versiertesten Rock- und Popsängern seiner Generation. Weltweit bekannt wurde er als Stimme von „Queen + Adam Lambert“. Der sperrige Name ist bewusst gewählt: Die Gründungsmitglieder, Gitarrist Brian May und Schlagzeuger Roger Taylor, verstehen ihn nicht als Ersatz für den 1991 an den Folgen seiner Aids-Erkrankung gestorbenen Freddie Mercury, sondern als Gast, der dessen Vermächtnis mitträgt. Bassist John Deacon hat sich längst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Queen bleibt die Band von Mercury, dem Schöpfer von Hymnen wie „Bohemian Rhapsody“, „We Are the Champions“, „Somebody to Love“ oder „Radio Ga Ga“, dessen Auftritte bis heute Maßstäbe setzen – 2026 wäre er 80 Jahre alt geworden.WELT: Sie haben Cher zu Tränen gerührt, als Sie ihr zu Ehren den Hit „Believe“ 2018 mit Cyndi Lauper im Kennedy Center in Washington sangen. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie sehen, wie Donald Trump versucht, die Kontrolle über das bedeutendste Kulturzentrum der Vereinigten Staaten an sich zu reißen mit Forderungen wie: „Keine Drag-Shows mehr und keine andere antiamerikanische Propaganda“ – dort solle nur noch die beste amerikanische Kunst präsentiert werden?Adam Lambert: Also, ich finde, dass die amerikanische Drag-Kunst ziemlich außergewöhnlich und großartig ist (lacht). Ich bin einfach nur froh, dass die Gerichte zuletzt entschieden haben, dass Trump dem Center nicht mehr seinen Namen hinzufügen darf.WELT: Der vom Präsidenten dominierte neue Vorstand hatte das Kulturzentrum Ende 2025 noch in „The Donald J. Trump and the John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts“ umbenannt. Ein Bundesrichter erklärte diesen Beschluss im Mai für rechtswidrig, weil nur der US-Kongress eine solche Umbenennung beschließen könne.Lesen Sie auchLambert: Ich freue mich darüber, dass Trump gezeigt wurde: „Nein, das können Sie nicht einfach so machen. Sie müssen Ihren Namen wieder entfernen.“ Trump und seine Regierung versuchen oft, Dinge impulsiv aus einem Moment heraus durchzusetzen. Aber am Ende, manchmal nach Wochen oder Monaten, manchmal vielleicht erst nach Jahren bürokratischer Verfahren, stellt sich heraus, dass sie das eigentlich gar nicht durften. Das ist ein Haufen Bullshit. Ich bin wirklich erleichtert, dass es gelungen ist, den Namen des Kennedy Centers zu schützen. Ich hoffe, dass es mit der Zeit gelingt, diese Institution wieder aufzubauen und zu ihrer früheren Größe zurückzuführen. Ja, die von Ihnen zitierten Aussagen und viele andere in ähnlichen Zusammenhängen sind frustrierend und beleidigend. Aber ich glaube fest daran, dass diese Phase vorübergehen wird.WELT: Sie leben seit Beginn Ihrer Karriere in der Castingshow „American Idol“ offen als schwuler Mann, haben sich für die Rechte von LGBTQ-Menschen eingesetzt. Wie gehen Sie persönlich mit dem von Trendforschern ausgerufenen „Vibe Shift“ um – diesem grundlegenden gesellschaftlichen Wandel, der weg von Wokeness, Diversitäts- und Identitätspolitik führt und mehr auf nationale Identität und traditionelle Werte pocht?Lambert: Wir bewegen uns derzeit zwar rückwärts. Aber man muss diese Entwicklung einordnen. Als ich nach meinen Erfolgen mit „American Idol“ 2009 plötzlich ins Bewusstsein des Mainstreams eingetreten war, gab es – soweit ich mich erinnere – zumindest in den USA keine offen schwulen männlichen Popstars. Es gab zwar Ikonen wie Elton John oder George Michael, die sich zu späteren Zeitpunkten in ihrer Karriere geoutet hatten. Aber von Anfang an offen schwul zu sein, das war damals noch Neuland. Seitdem hat es sehr viele Fortschritte gegeben. Wenn man sich allein nur die Streamingdienste anschaut, findet man dort unzählige queere Künstler. Das ist großartig. Aber als ich anfing, lautete die unausgesprochene Botschaft noch: „Schwule können keine Mainstream-Popstars sein“. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Ja, im Moment erleben wir Gegenwind vonseiten der US-Regierung, und bestimmte Rechte werden infrage gestellt. Trotzdem kann man nicht auslöschen, was bereits erreicht wurde.WELT: Brian May bezeichnete die USA Anfang 2026 in einem Interview als „gefährlichen Ort“ und schloss eine Queen-Tournee dort vorerst aus. Einen konkreten Anlass nannte er nicht. Seine Äußerungen erfolgten jedoch kurz nach den tödlichen Vorfällen in Minnesota und den anschließenden Protesten, weshalb mehrere Medien einen Zusammenhang vermuteten. Werden Queen also erstmal nicht in den USA auftreten?Lambert: Es gibt im Moment keine konkreten Pläne. Aber mir hat auch nie jemand gesagt: „Es ist vorbei.“ Deshalb weiß ich es nicht. Brian und Roger sind die Chefs. Ich bin nur Gast in dieser Band. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es für Brian tatsächlich gefährlich wäre, derzeit nach Amerika zu kommen (lacht). Er hat ja sowieso Bodyguards und solche Dinge. Also, er hätte nichts zu befürchten.WELT: Mercury hat sich nie als homosexuell oder bisexuell geoutet – abgesehen von seiner ironischen Bemerkung, er sei so schwul wie eine Narzisse. Heute wird er aufgrund seiner Beziehungen überwiegend als schwuler Mann, teilweise auch als bisexuell beschrieben. Am 5. September dieses Jahres wäre er 80 Jahre alt geworden. Haben Sie etwas geplant, um diesen Geburtstag zu feiern?Lambert: Das ist eigentlich eine gute Idee. Vielleicht sollte ich tatsächlich seinen Geburtstag feiern. Der Gedanke gefällt mir. Das Schönste in all den Jahren mit Queen war für mich, immer mehr über Freddie zu erfahren und einen Einblick darin zu bekommen, wer er war und was ihn ausgemacht hat. Er war bekanntlich jemand, der nicht besonders gern Interviews gab. Er war eher ein zurückhaltender Mensch. Mit der Zeit habe ich mich neben Brian und Roger mit vielen Menschen ausgetauscht, die ihn gut gekannt haben. Ihre Geschichten über ihn zu hören, war inspirierend.WELT: Welche waren besonders inspirierend?Lambert: Ich erinnere mich an eine vor Jahren erschienene BBC-Dokumentation namens „Freddie’s Loves“. Darin wurden viele seiner schwulen Freunde aus den Achtzigern interviewt – Menschen aus London und einige aus New York. Sie erzählten sehr lustige Geschichten über Freddie. Dass sie alle zusammen mitten in London in einem Haus lebten, welche Spitznamen sie füreinander hatten, welche Insider-Witze sie miteinander teilten. Das war eine wunderbare Möglichkeit, Freddie kennenzulernen. Plötzlich sah ich ihn als jemanden, mit dem ich selbst hätte befreundet sein können.WELT: Was haben Sie in den fast 15 Jahren, in denen Sie mit Brian May und Roger Taylor zusammenarbeiten, über Mercury erfahren, das Sie vorher nicht wussten?Lesen Sie auchLambert: Ich habe durch sie vor allem seinen Humor besser verstanden. Roger sagte einmal zu mir: „Freddie und du, ihr beide hättet euch sehr unterhaltsame Wortgefechte geliefert. Freddie hätte dich gemocht. Ihr hättet euch gegenseitig zum Lachen gebracht.“ Es war sehr liebenswürdig von Roger, das über mich zu sagen.WELT: Wenn Sie mit Queen auftreten, sagen Sie auf der Bühne oft, dass Sie zwar deren Hits singen, aber kein Ersatz für Freddie Mercury sind, nur eine Art Medium, das hilft, seine Lieder, sein Vermächtnis zu feiern. Das ist einerseits bescheiden – aber im nächsten Moment müssen Sie sich sofort mit Grandezza aufpumpen, um das Überlebensgroße dieser Lieder zur Wirkung zu bringen. Wie bringen Sie diese beiden Extreme zusammen – Demut und Größenwahn?Lambert: Nun, es entspricht einfach der Wahrheit: Niemand kann Freddie Mercury ersetzen, er war unglaublich. Aber er ist leider nicht mehr unter uns. Und da Brian und Roger weiterhin ihre Lieder live spielen wollen, brauchen sie natürlich einen Sänger. So gesehen hatte ich einfach wahnsinniges Glück. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort.WELT: Sie meinen, als May und Taylor 2009 beim Finale von „American Idol“ mit Ihnen zusammen „We Are The Champions“ spielten. Daraus entwickelte sich eine bis heute bestehende Zusammenarbeit.Lambert: Ja, ich weiß, dass ich diese Songs singen kann. Ich weiß auch, dass es dafür ein bestimmtes Maß an Können braucht sowie eine gewisse Furchtlosigkeit oder Schamlosigkeit, um auf die Bühne hinauszugehen und diese Lieder zu singen. Aber noch mal: Ich bin nur ein Gast bei Queen.WELT: Es gibt in den Konzerten Momente, in denen Freddie Mercury auf einer riesigen Leinwand zu sehen ist und sich eine Krone aufsetzt – was Sie dann auf der Bühne wiederholen. Darf man sich das als einen Augenblick der Verschmelzung vorstellen?Lambert: Für mich ist es einfach eine großartige Feier seiner Person, das alles ist eine Hommage an ihn. Es ist eine Ehre, diese Songs zu singen. Und die Krone kommt ins Spiel, weil die Band nun mal Queen heißt. Das ergibt einfach Sinn.WELT: Zum 70. Thronjubiläum von Elizabeth II, also der echten Queen, traten Sie 2022 mit Brian May und Roger Taylor vor dem Buckingham Palace auf. Konnten Sie als Amerikaner nachvollziehen, wie surreal dieser Moment für viele Briten gewesen sein muss?Lambert: Das war ein wunderschöner Moment. Ich fühlte mich sehr geehrt, die Gelegenheit zu bekommen, in diesem Augenblick gewissermaßen Großbritannien zu repräsentieren. Ich durfte so etwas wie ein Ehrenbrite sein. Ich meine: Wir spielten vor dem Buckingham Palace! Das war nicht von dieser Welt. Vor uns stand eine halbe Million Menschen, die ganze Straße hinunter. Ich habe mich auch deshalb so sehr darüber gefreut, weil der Buckingham Palace, also die königliche Familie, damit einverstanden war, dass ich dort mitmache. Denn einige Jahre zuvor, 2012, war Queen gebeten worden, bei der Schlussfeier der Olympischen Spiele aufzutreten. Damals wollten die Verantwortlichen allerdings nicht, dass ich dort mit Queen singe, weil sie jemanden aus Großbritannien als Gastsänger haben wollten.WELT: Die Britin Jessie J. sang stattdessen „We Will Rock You“.Lambert: Deshalb durfte ich damals leider nicht mit ihnen auftreten. Umso mehr freut es mich, dass sich das seitdem geändert hat.WELT: Hatten Sie 2022 Gelegenheit, die reale Queen zu treffen?Lambert: Leider nicht. An dem Tag war alles sehr hektisch. Wir mussten sofort weiterreisen, weil wir mitten in einer Tournee waren. Es war alles wie ein Wirbelwind. Immerhin: Nicht allzu lange danach durfte ich Kate Middleton kennenlernen. Ich habe bei ihrem Weihnachtsspecial gesungen. Ich konnte Prinzessin Kate die Hand schütteln und sie kennenlernen. Das war ein schöner Moment.Lesen Sie auchWELT: Mit Freddie Mercury verbindet man einige ikonische Posen – etwa als er 1986 mit seiner gelben Fantasie-Uniform, den weißen Adidas-Schuhen und seiner legendären Rückwärtsbeuge auf die Bühne des Wembley-Stadions kam. Gibt es eine Pose von ihm, die Sie besonders fasziniert – nicht um sie zu kopieren, sondern weil sie so viel über seine Ausstrahlung erzählt?Lambert: Nun, Sie sprechen von Freddie in den Achtzigern. Ich finde ja: Freddie in den Siebzigern war modisch deutlich extravaganter. In jener Zeit haben die Jungs von Queen wirklich verrückte Sachen getragen. Plateauschuhe. Abgefahrene Overalls. Lycra-Leggings. Lange Haare. Augen-Make-up. Die Siebziger waren ziemlich farbenfroh. Ehrlich gesagt mag ich diese Epoche modisch lieber.WELT: Reden wir über Ihr neues Album „Adam“, das klingt mit seinem Mix aus Techno, Rock und Dancefloor düsterer als frühere Solo-Werke. Nur der Song „Do Ya See Me Now“ klingt dann doch so, als hätten Sie ihn auch mit Queen singen können.Lambert: Ja, mit diesen großen, übereinandergeschichteten Harmoniestimmen und diesen mächtigen Classic-Rock-Akkorden. Von der Produktion her erinnern viele Passagen zwar eher an den Alternative Rock der Neunziger, aber der Refrain vermittelt dieses große Stadionrock-Gefühl. All jene, die meine Arbeit mit Queen kennen und vielleicht genau deshalb dieses Soloalbum hören, werden darauf nicht allzu viel von dem entdecken, was sie aus meinen Konzerten mit Brian und Roger mit mir in Verbindung bringen. Aber am Ende des Albums bekommen sie dann diesen Song, der beide Welten miteinander verbindet.WELT: Dies ist Ihr sechstes Solo-Album. Welchen Einfluss hat die Arbeit mit Queen grundsätzlich auf Ihre Karriere als eigenständiger Künstler?Lambert: Meine Erfahrungen mit Queen haben mich natürlich geprägt, haben mir geholfen, zu wachsen, und mich zu einem besseren Musiker gemacht. Und sie haben meinen musikalischen Horizont entscheidend erweitert.WELT: Haben Sie jemals darüber nachgedacht, gemeinsam mit Brian May und Roger Taylor neue Songs für Queen zu schreiben?Lambert: Nein.WELT: Warum nicht?Lambert: Das müssen Sie Brian und Roger fragen. Aber wissen Sie, wenn wir das machten, wäre es nicht mehr Queen. Für mich besteht Queen aus Freddie Mercury, John Deacon, Brian May und Roger Taylor. Das ist Queen.WELT: Sie selbst haben als Musiker etwas erreicht, das Mercury nicht vergönnt war – Sie sind 2016 mit Queen, aber auch solo in China aufgetreten, hatten dort mit einem Ihrer Solo-Songs sogar einen Nummer-1-Hit.Lambert: Ja, mit „Whataya Want From Me“. Das passierte, nachdem ich 2024 als Gaststar in der chinesischen Castingshow „Singer“ meinen Hit von 2009 gesungen hatte. Diese Sendung wird von 300 Millionen Menschen gesehen, das ist gigantisch.WELT: Mitte der Achtziger hatten sich Queen und Wham! noch ein Rennen darum geliefert, als erste große westliche Popband in der Volksrepublik China aufzutreten. Letztlich entschieden sich die Behörden 1985 für Wham!, während Queen leer ausging. Freddie Mercurys extravagante Bühnenpersona soll damals nicht gerade hilfreich gewesen sein.Lambert: Ach wirklich? Und bei George Michael wurde das anders gesehen? (lacht schallend)WELT: Whams Manager Simon Napier-Bell führte rund 18 Monate lang Gespräche mit chinesischen Behörden. Und griff dabei zu einer fragwürdigen PR-Strategie: Er legte den Entscheidungsträgern zwei Broschüren vor: eine mit Fotos von Wham!, auf denen George Michael und Andrew Ridgeley geschniegelt, freundlich und jugendlich wirkten; eine zweite mit Bildern von Freddie Mercury in seinen extravagantesten Bühnenoutfits und -posen.Lambert: Das ist kurios.WELT: Worauf ich hinauswollte: Eine der Überraschungen Ihres neuen Albums ist Ihre Zusammenarbeit mit dem chinesischen Popstar Lexie Liu auf dem Song „Porcelain“. Wie kam dieses Joint Venture zustande?Lesen Sie auchLambert: Schon vor Jahren war ich bei einem Management, das in China große Möglichkeiten sah. Ich dachte: Ja, klar machen wir das. Lexie Liu habe ich 2024 kennengelernt, als ich eine Folge der chinesischen Show „Singer“ gemacht habe. Sie wurde mir als Begleiterin für die Show zugeteilt. Sie hatte selbst Jahre zuvor daran teilgenommen. Sie war nicht nur meine Dolmetscherin, sondern auch eine Art Buddy. Wir haben uns gut verstanden. Und als ich den Song „Porcelain“ fertigstellte, dachte ich, es wäre perfekt, Lexie als Gast dazuzuholen. Das Lied handelt von toxischer Männlichkeit, diesem aufgeplusterten Imponiergehabe und Balzverhalten. Es geht darum, dass Männer – besonders jene, die am lautesten brüllen und am härtesten wirken wollen – meistens die zerbrechlichsten sind. Dass sie eben Herzen aus Porzellan haben.WELT: Dass sich ein amerikanischer und ein chinesischer Popstar zusammentun, um über toxische Männlichkeit zu singen, ist in vielerlei Hinsicht kurios – aber auch deshalb, weil sich die USA und China nach Phasen der Annäherungen derzeit wieder als verfeindete Systeme gegenüberstehen.Lambert: Da stecken viele Metaebenen drin, nicht wahr (lacht). Grundsätzlich finde ich, dass bei solchen Projekten ein spannender kultureller Austausch stattfindet. Wenn ich, als westlicher Künstler in China auftrete, ist das dort für viele Menschen wahrscheinlich immer noch exotisch. Ich gehe überall hin, wo mich die Leute singen hören möchten. Solange es ein sicherer Ort ist und ich mit der Politik einverstanden bin.WELT: Sind Sie mit der gegenwärtigen Politik in China einverstanden?Lambert: China ist nicht gerade der einfachste Ort für jemanden wie mich, das zeigt sich auch, wenn es darum geht, eine Genehmigung zum Arbeiten zu bekommen. Deshalb nutze ich jede Gelegenheit, die ich bekommen kann.WELT: Im Gegensatz zu Mercury waren Sie, ein öffentlich bekannter Unterstützer der LGBTQ-Community, mehrmals in China. Sie gaben 2013 und 2016 Solokonzerte in Schanghai und Peking, wurden 2013 mit dem Chinese Music Award ausgezeichnet. Sind das nur Momentaufnahmen oder lassen sich daraus Rückschlüsse ziehen, was eine vorsichtige Öffnung Chinas betrifft?Lambert: Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob sich in China wirklich so sehr verändert hat. Dort ist man immer noch ziemlich konservativ. Ich habe zuletzt versucht, dort eine Tour zu machen, fünf bis sechs Konzerte. Alles war bereits gebucht. Das war nach meinem TV-Auftritt in China 2024. Die Tour war organisiert. Ich hatte bereits an den Live-Arrangements gearbeitet. Eine Woche bevor es losgehen sollte, zog die Regierung die Genehmigung zurück. Es hieß: „Nein, wir möchten doch nicht, dass Sie kommen.“ Einen Grund nannten sie nicht. Wir hatten sogar alle Songs aus dem Programm genommen, die subversiv, zu sexuell aufgeladen oder zu politisch hätten wahrgenommen werden können. Die Setlist war absolut familientauglich. Trotzdem wurde mir die Genehmigung entzogen. Es könnte also nach wie vor schwierig sein, dort auf Tour zu gehen.Zur PersonDer am 29. Januar 1982 in Indianapolis geborene Sänger, Songwriter und Schauspieler schaffte 2009 als Finalist der US-Castingshow „American Idol“ seinen internationalen Durchbruch. Es folgten die Studioalben „For Your Entertainment“ (2009), „Trespassing“ (2012), „The Original High“ (2015), „Velvet“ (2020) und 2026 „ADAM“. Seit 2012 steht Lambert als Sänger von Queen + Adam Lambert gemeinsam mit Brian May und Roger Taylor auf den größten Bühnen der Welt. Am 23. Juli 2026 trat er in Berlin in „Huxleys Neue Welt“ auf.