Kreuzfahrten waren bis vor kurzem, in meiner Vorstellung, eine Angelegenheit für andere Leute. Für Rentnerpaare in Funktionsjacken, die sich um halb sechs am Frühstücksbüfett drängeln und sich nicht schämen, scharenweise in bereits vom Übertourismus terrorisierte Städte einzufallen. Oder für Menschen, denen überfüllte Pooldecks und schlecht gemischte Aperol Spritz in Plastikbechern nichts ausmachen. Jedenfalls nichts für mich. Das also war mein Bild von Kreuzfahrtreisen: ein Drittel „Traumschiff“, ein Drittel „Titanic“ und ein Drittel „Triangle of Sadness“. Mit dieser Vorstellung ging ich im apulischen Brindisi an Bord der Explora II. Ich verließ sie nach drei Nächten an Bord im griechischen Hafen von Piräus sehr entspannt und geläutert.
Was habe ich mir da eingebrockt, frage ich mich beim Anbordgehen in Brindisi. Vor mir ein 14‑geschossiges Ungetüm, ein Meeresungeheuer, das mich für drei Tage verschlucken wird: Auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, bei Seekrankheit wie Seenot.
Die Crew der Explora II nimmt mich herzlich in Empfang und bringt mich zu meiner Kabine. Jetzt ist es ohnehin zu spät, umzukehren. Schon beim Betreten der Kabine kommen meine Klischees, ganz ohne Seegang, ins Wanken. Keine Kajüte mit Bullaugen, sondern eine Suite mit bodentiefen Fenstern, geräumigem Balkon, riesigem Bett und einem Bad, das mit Fußbodenheizung und Dyson-Fön eher an das eines sehr guten Hotels als an ein Schiff erinnert, erwartet mich hier.







