Elon Musks Machtspiel 2026: Er wirbt für Marine Le Pen und finanziert die Republikaner in den ZwischenwahlenEr wolle sich nur noch um sein Geschäftsimperium kümmern, sagte der Billionär. Doch Musk versucht Wahlen in Europa zu beeinflussen und hat bereits 90 Millionen Dollar in den amerikanischen Wahlkampf gesteckt.24.07.2026, 05.30 Uhr6 LeseminutenDer Tesla-CEO und politische Akteur Elon Musk tritt an einer AfD-Wahlkampfveranstaltung im Januar 2025 virtuell auf.Sean Gallup / GettyElon Musk ist von Marine Le Pen angetan, ebenso von Alice Weidel, Calin Georgescu, der Vox-Partei und anderen europäischen Rechtsaussenparteien. Er verbreitet propagandistische Kurznachrichten, tritt an einer AfD-Wahlkampfveranstaltung virtuell auf, kritisiert europäische Institutionen und beschwört den angeblichen Niedergang des alten Kontinents. In den USA engagiert er sich als wichtiger Geldgeber der Republikaner für die Zwischenwahlen – gleichauf mit den Silicon-Valley-Milliardären Marc Andreessen und Ben Horowitz. Mehr gibt nur George Soros aufseiten der Demokraten aus, wie eine Datenrecherche der «Washington Post» zeigt.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Dabei hatte Musk eigentlich vor, sein politisches Engagement zu reduzieren. Er werde in Zukunft viel weniger Geld für die Politik spenden, erklärte er vor gut einem Jahr: «Ich glaube, ich habe genug getan.» Das war kurz bevor er das Department of Government Efficiency als Leitfigur verliess. Sein grosser Plan, nach Donald Trumps Wahlsieg den Staat radikal zu verschlanken, endete für ihn enttäuschend. Er erzeugte mehr Schlagzeilen und Rechtsklagen als handfeste Sparerfolge. Die Tesla-Aktie befand sich im Sinkflug – und Musk versprach den Aktionären, sich fortan vorrangig um seine Geschäfte zu kümmern. Sein Rückzug wurde von einem Gezänk mit Präsident Trump begleitet, das in Musks Versprechen gipfelte, eine Drittpartei zu gründen.Doch das ist alles Lärm von gestern. Tatsächlich hat sich Musk nie aus der Politik verabschiedet. Im Gegenteil: Er hat sein Engagement intensiviert. Er mischt sich nun auch in europäische Wahlen ein. In den USA unterstützt er die Republikanische Partei insgesamt und einzelne Kandidaten. Zudem investiert er in seine Wahlkampforganisation America PAC, deren Ziel es ist, Wähler für die Zwischenwahlen im November zu mobilisieren. Das macht ihn auch zu einem Operateur im Wahlkampf der Republikaner.Auf in eine gemeinsame Zukunft: Trumps wichtigster Geldgeber, Elon Musk, und der frisch gewählte Präsident beobachten den Test des SpaceX-Starship in Texas im November 2024.Von «Dark Maga» zu «Make Europe Great Again»Musks Interesse an der Politik ist über Jahre hinweg gewachsen. Zunächst trieben ihn seine Geschäftsinteressen an; wie viele Unternehmer spendete er an beide Parteien und wählte die Demokraten. Doch im Mai 2022 sagte er sich los: «Sie wurden zur Partei der Spaltung und des Hasses, ich kann sie nicht länger unterstützen und werde republikanisch wählen», deklarierte er. Bald darauf übernahm Musk Twitter, stellte Donald Trumps Konto wieder her und öffnete die Plattform auch für rechtsextreme Inhalte.Der libertäre Milliardär tritt für einen schlanken Staat ein, eine harte Einwanderungspolitik und patriarchale Familienwerte. 2024 traf er sich mit den Silicon-Valley-Milliardären David Sacks und Peter Thiel zu einem «Anti-Biden-Brain-Trust»-Treffen und investierte persönlich über 250 Millionen Dollar in den Wahlkampf von Donald Trump. Er setzte sich die «Dark Maga»-Mütze auf und wurde zu Trumps ständigem Begleiter.In Europa versucht er als eine Art Königsmacher von Anti-Establishment-Kandidaten mitzumischen. «Von Maga zu Mega: Macht Europa wieder grossartig!», postete er im Januar 2025. Er gibt Wahlempfehlungen aus wie jüngst für Marine Le Pen: Sie sei Frankreichs letzte Hoffnung, verkündete er Mitte Juli auf X. Zuvor hatte er die französische Justiz wegen des Verfahrens gegen Le Pen angegriffen. Sie wurde wegen Veruntreuung von EU-Geldern verurteilt. Ebenso glaubt Musk, dass nur die AfD-Chefin Alice Weidel Deutschland vor illegaler Migration retten könne. Auf deren Folgen ist er besonders fixiert.Bei den rumänischen Wahlen setzte sich Musk für den prorussischen Ultranationalisten Calin Georgescu ein. Dieser gewann 2024 überraschend die erste Runde der Präsidentschaftswahl. Das Verfassungsgericht annullierte den Wahlgang nach Berichten über Unregelmässigkeiten und mutmassliche russische Einflussnahme. Wie Trump und Vizepräsident J. D. Vance sieht Musk darin ein Paradebeispiel für undemokratische Tendenzen in Europa.In Spanien prophezeit Musk den Wahlsieg der Rechtspartei Vox, obwohl die nächsten regulären Wahlen erst 2027 stattfinden. In Irland hilft er dem Kampfsportler Conor McGregor, dem die nötigen Nominierungen für eine Präsidentschaftskandidatur fehlten. Musk sieht darin – wie auch Trump – eine Verletzung demokratischer Rechte. Er bietet McGregor finanzielle Hilfe an, die dieser ausschlägt.Die Führungsfigur des Rassemblement national, Marine Le Pen, darf nach einem Gerichtsentscheid für das französische Präsidentschaftsamt kandidieren.Tom Nicholson / ReutersGemischte BilanzAm direktesten mischt sich Musk in die britische Politik ein, etwa nachdem ein Ring pakistanischer Kinderschänder aufgeflogen war. Er machte den damaligen Premierminister Keir Starmer persönlich für den Skandal verantwortlich. Dieser sei «ein Komplize der Massenvergewaltigung gewesen, um Stimmen zu gewinnen», behauptete Musk, ohne Beweise für die Anschuldigung vorzulegen.Verwirrung stiftet Musk im nationalkonservativen Lager in Grossbritannien. Schon 2025 wandte er sich von Nigel Farage und dessen Anti-Establishment-Partei Reform UK ab. Stattdessen legte er sich für den rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson im Namen der Redefreiheit ins Zeug.Farage jedoch findet Robinson zu extrem und grenzt sich klar von ihm ab. Seit kurzem unterstützt Musk eine Konkurrenzpartei am rechten Rand namens Restore Britain. Vor der Unterhauswahl im Bezirk Makerfield postete er die Nachricht: «Nur Restore Britain kann Grossbritannien retten.» Farage warf Musk danach vor, die britische Rechte absichtlich zu spalten. Schliesslich gewann der Labour-Kandidat Andy Burnham die Wahl; Musks Kandidatin holte nur wenige Wählerprozente.Die Bilanz von Musks Interventionen ist bestenfalls gemischt. Zweifellos besitzt er mit seinen 240 Millionen Followern auf X das lauteste Megafon, das sich ein Politiker oder eine Politikerin wünschen kann. In rechtspopulistischen Kreisen ist Musks Zuspruch ein durchaus begehrtes Gütesiegel. Die führende AfD-Politikerin Alice Weidel plauderte eine Stunde lang im Zweiergespräch mit Musk über Deutschland und die Gefahren der Migration, bevor ihre Partei bei den Wahlen 2025 die 20-Prozent-Marke durchstiess. Inwiefern Musk der AfD zum Erfolg an der Urne verhalf, lässt sich nicht messen. Studien finden aber Hinweise darauf, dass X rechtsgerichtete Inhalte überproportional verbreitet.In Rumänien, Grossbritannien und Irland setzten sich Musks Favoriten nicht durch. Möglicherweise wirkte sein Engagement sogar kontraproduktiv. In einer Umfrage in Grossbritannien bewerteten nur 12 Prozent der Befragten Musks Einmischung als positiv. Mehrere europäische Regierungschefs kritisierten Musk scharf. Emmanuel Macron warf ihm vor, eine reaktionäre Bewegung anzuführen und sich direkt in europäische Wahlen einzumischen. Kritiker wiesen darauf hin, dass Musk vor allem wegen der strengeren Regulierung digitaler Dienste in Europa aufgebracht ist. Ende 2025 verhängte die EU gegen Musks Plattform X eine Strafe in Höhe von 120 Millionen Euro wegen Transparenzmängeln.Der Nationalkonservative Nigel Farage von Reform UK hat sich mit Elon Musk wegen des rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson überworfen.Carl Court / GettyDie «rechte Internationale»Bei seinen Interventionen in der europäischen Politik scheint Musk eher impulsiv und punktuell als strategisch vorzugehen. Oft verbreitet er gängige spekulative Thesen, die in konservativen Medien kursieren. In einem luftleeren Raum findet sein Engagement jedoch nicht statt. Er verschickt seine Nachrichten häufig im Einklang mit Äusserungen von Mitgliedern der Trump-Regierung oder von Präsident Trump selbst. Dieser empfing den irischen Martial-Arts-Kämpfer McGregor im Weissen Haus. Nicht zu vergessen ist Vizepräsident Vance’ Standpauke zur Redefreiheit und Demokratie an der Münchner Sicherheitskonferenz 2025.Musk handelt als einflussreicher Akteur innerhalb eines rechtskonservativen Netzwerks, das sich in den vergangenen Jahrzehnten global aufgespannt hat. Die Friedrich-Ebert-Stiftung zählt zwischen 2000 und 2024 insgesamt 3000 Redner von 1800 verschiedenen Organisationen, die an über 300 Konferenzen in 35 Ländern aufgetreten sind – von den USA über Argentinien und Brüssel bis Israel. Federführend sind die amerikanischen Organisationen Conservative Political Action Conference und National Conservative Conference. Kritische Beobachter von Carnegie Europe sprechen von einer «rechten Internationalen» unter der Führung der USA, die eine globale rechtsnationale Wende zum Ziel habe.Katalysator der RepublikanerIn den USA, wo der südafrikanischstämmige Musk eingebürgert ist, spielt er eine direktere Rolle als in Europa. Musk hat bereits 91 Millionen Dollar in den Wahlkampf der Republikaner investiert. Empfänger sind die Republikanische Partei und Trump nahestehende Organisationen. Zudem unterstützt er Kandidaten wie seinen ehemaligen Mitspieler im Department of Government Efficiency, Vivek Ramaswamy, bei der Gouverneurswahl in Ohio.Der frischgebackene erste Billionär der Welt reaktivierte auch die Organisation America PAC, die bereits 2024 im Dienst von Donald Trump Wähler in Swing States wie Pennsylvania mobilisierte. Die Wahlkampfmaschine wird von ihm und weiteren Tech-Milliardären alimentiert. In den Zwischenwahlen fällt die Beteiligung üblicherweise tief aus, was den Republikanern schaden könnte. Musk mit seinem astronomischen Reichtum bleibt deshalb ein wichtiger Machtfaktor.Passend zum Artikel
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