Zügig, hieß es am Mittwochnachmittag aus Regierungskreisen, werde der Kanzler über die Nachfolge von Thorsten Frei als Chef des Bundeskanzleramts entscheiden. Am Ende bedeutete „zügig“ dann gerade mal gut 24 Stunden, denn schon am frühen Donnerstagabend wurde bekannt: Die bisherige Bundesgesundheitsministerin Nina Warken soll neue Kanzleramtschefin werden.Ausgelöst hatte die Personalrochade der Rücktritt von Jens Spahn als Unionsfraktionschef am Samstag, nachdem er bekanntgegeben hatte, dass er und sein Mann mit Hilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden waren. Am Mittwoch hatten CDU-Chef Merz Friedrich Merz und CSU-Chef Markus Söder daraufhin dem geschäftsführenden Fraktionsvorstand Frei als neuen Fraktionschef vorgeschlagen; am kommenden Mittwoch wird dieser sich in einer Sondersitzung der Unionsfraktion zur Wahl stellen.Merz baut rasch um – als Kanzler, aber auch als ParteichefDass Warken nun ins Kanzleramt umziehen soll, wo ihre Kernaufgabe die interne Koordinierung der Regierungsgeschäfte sein wird, sorgt naturgemäß für eine weitere Lücke auf der Unionsseite des Kabinetts. Doch auch die soll nach Informationen der Süddeutschen Zeitung und anderer Medien bereits geschlossen worden sein: Carsten Linnemann, bislang Generalsekretär der CDU und stellvertretender Unionsfraktionsvorsitzender für Arbeit und Soziales, soll Bundesgesundheitsminister werden.Was wiederum, richtig, die nächste Vakanz nach sich zieht, dieses Mal in der Parteizentrale, dem Konrad-Adenauer-Haus. Doch offenbar hat Merz, dieses Mal in seiner Rolle als Parteichef, auch dafür schon eine Neubesetzung im Sinn: Neue Generalsekretärin soll dem Vernehmen nach Franziska Hoppermann werden, seit 2025 Bundesschatzmeisterin der Partei. Eine Bestätigung der drei Personalien durch Kanzleramt und Partei stand am Donnerstagabend noch aus.Franziska Hoppermann, Bundestagsabgeordnete und CDU-Bundesschatzmeisterin, soll dem Vernehmen nach als neue Generalsekretärin der Partei vorgeschlagen werden. Michael Kappeler/picture alliance/dpaWarken, die auch Vorsitzende der Frauen-Union ist, war von einigen Unionsabgeordneten auch als neue Fraktionschefin ins Spiel gebracht worden. Dass sie noch vor der Sommerpause als erste Ministerin mit ihrem Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung eine größere Reform durch Bundestag und Bundesrat gebracht hatte, brachte ihr einige Anerkennung ein. Dann aber ging der Fraktionsvorsitz doch an Frei, der ein enger Vertrauter des Kanzlers ist und als Favorit für den Posten galt.Von Linnemann wiederum ist bekannt, dass er nach dem Wahlsieg der Union gerne Arbeits- und Sozialminister geworden wäre, dieses Ressort ging aber in den Koalitionsverhandlungen an die SPD. Das Amt des Wirtschaftsminister dagegen schlug Linnemann aus und entschied sich, lieber CDU-Generalsekretär zu bleiben. Während Arbeit und Soziales schon immer sein politisches Spezialgebiet war, gilt das für die Gesundheitspolitik nicht in gleichem Maße. Allerdings stehen dort tiefgreifende Reformen an, in der Pflege und auch in der Gesundheitsversorgung. Linnemann, der regelmäßig Reformen anmahnt, um die deutsche Wachstumsschwäche in den Griff zu bekommen, könnte sich auf diesem Feld also als Reformer beweisen.Im Herbst stehen schwierige Wahlkämpfe im Osten und in Berlin an – sicher auch ein Grund für das TempoHoppermann, 44 Jahre alt, wäre die dritte Generalsekretärin der Geschichte der CDU, nach Angela Merkel, die das Amt von November 1998 bis April 2000 innehatte, und Annegret Kramp-Karrenbauer, die von Februar bis Dezember 2018 Generalsekretärin war. Die Hamburgerin sitzt seit 2021 im Bundestag; zuletzt war sie Vorsitzende der Enquetekommission „Aufarbeitung der Corona-Pandemie und Lehren für zukünftige pandemische Ereignisse“. Als Schatzmeisterin der CDU war sie die Nachfolgerin von Julia Klöckner, nachdem diese Bundestagspräsidentin geworden war.Als Generalsekretärin wird sie es nun direkt mit drei schwierigen Wahlkämpfen zu tun bekommen, die im Herbst anstehen. In Berlin, wo der Regierende Bürgermeister Kai Wegner kürzlich von der Spitzenkandidatur zurücktreten musste, ist die CDU in den Umfragen etwa gleich groß wie Linke und AfD; in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt liegt die AfD vorn.
Kabinettsumbildung: Linnemann wird Gesundheitsminister, Warken wird Kanzleramtschefin
Nach dem Rücktritt von Jens Spahn handelt Friedrich Merz schnell: Die Bundesregierung wird umgebildet – und die CDU bekommt eine neue Generalsekretärin











