KONTEXT:Wochenzeitung

Als sich die Gewerkschaft Verdi kürzlich mit den landeseigenen Spielbanken auf mehr Gehalt geeinigt hatte, waren die Beschäftigten erleichtert. Doch nun geschah etwas sehr Ungewöhnliches: Der Casino-Aufsichtsrat kippte die Vereinbarung und die Leute stehen ohne Lohnerhöhung da.

Rien ne va plus, nichts geht mehr. Bei den Gehaltsverhandlungen haben sich Gewerkschaft und Geschäftsführung verhakt. Foto: Julian Rettig

Casinos haftet glamouröses Flair an. Elegant gekleidete Croupiers, die geschickt im Umgang mit Roulettekessel, -kugel, Jetons und Spielkarten sind. Zuvorkommend und immer mit freundlichem Lächeln im Gesicht erfüllt das Servicepersonal die Wünsche der gut betuchten und mindestens ebenso teuer wie stilvoll gekleideten Gäste. Zugleich haben Spieltempel auch etwas Anrüchiges an sich, Orte, die zwielichtige Gestalten anlocken. Zu gerne möchte man Mäuschen spielen in den Hinterzimmern, wo vielleicht gar krumme Deals gedreht werden. Diese Klischees, verbreitet von Hollywoodfilmen wie James Bond, sind natürlich nicht (mehr) Realität – auch wenn immer wieder Skandale rund um das Glücksspiel aufgedeckt werden. Meist geht es dabei aber um Online-Casinos.

Umso besser, möchte man meinen, dass Glücksspiel in Deutschland streng reguliert ist. In Baden-Württemberg sind drei Casinos sogar komplett in der Hand einer staatlichen Gesellschaft: der Baden-Württembergischen Spielbanken GmbH & Co. KG. Die erfülle laut Beteiligungsbericht des Landes im Südwesten "den gesetzlichen Auftrag, ein sicheres Glücksspielangebot legal zur Verfügung zu stellen". Mehr als 700.000 Menschen machten 2024 von diesem "sicheren" Angebot im Auftrag des Gesetzes Gebrauch und verkehrten in einer der in Baden-Baden, Konstanz und Stuttgart ansässigen Spielhallen.