Die Mordkommission der Münchner Polizei ist in diesen Tagen mit einem offensichtlich komplizierten Fall beschäftigt, bei dem ein Tatverdächtiger bereits festgenommen und mit einem Haftbefehl wegen Mordes in Untersuchungshaft gebracht wurde, noch bevor die Leiche des Opfers gefunden worden war. Armin Ritterswürden, der Leiter der Mordkommission, sprach am Donnerstag bei einer Pressekonferenz von „komplexen, vielschichtigen Ermittlungen, die sehr in die Tiefe gehen“. Und die vor allem erst am Anfang stünden.Das 51 Jahre alte Opfer stammte aus dem Landkreis Starnberg, der 37 Jahre alte Tatverdächtige aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen, in dem am späten Dienstagnachmittag auch der Leichnam entdeckt wurde. Zuvor war unter anderem der Anzinger Forst im Landkreis Ebersberg mithilfe von Polizeihunden und Drohnen abgesucht worden. Weil diese Maßnahme bereits am Sonntag und Montag große Aufmerksamkeit in der Bevölkerung hervorgerufen hatte, entschlossen sich Polizei und Staatsanwaltschaft nun, mit ihren ersten Erkenntnissen an die Öffentlichkeit zu gehen.Bei der Tatzeit gehen die Ermittler demnach vom vergangenen Mittwoch aus, dem 15. Juli, beim Tatort vom Bereich der Motorworld, einem Gewerbeobjekt für Autoliebhaber samt Hotel und Restaurant im Münchner Stadtteil Freimann. Genauer wollte Ritterswürden die mutmaßliche Örtlichkeit der Gewalttat nicht eingrenzen. Jedenfalls sollen sich die beiden Männer am Nachmittag des 15. Juli in der Motorworld getroffen haben.Nach Auskunft der Ermittler standen sie in einer Geschäftsbeziehung, die aus ermittlungstaktischen Gründen ebenfalls nicht näher erläutert wurde. Laut Juliane Grotz, der Sprecherin der Staatsanwaltschaft, dürfte in dieser Geschäftsbeziehung das Motiv der Tat liegen. Die Staatsanwaltschaft sieht nach ihrem aktuellen Kenntnisstand das Mordmerkmal der Habgier als erfüllt an. Das sei definiert als „rücksichtsloses Streben nach Gewinn um jeden Preis“, erklärte Grotz.Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch die Lebensgefährtin des 51-Jährigen, die ihn noch in der Nacht zum vergangenen Donnerstag, um 3.30 Uhr, bei der Polizei als vermisst gemeldet hatte: Ihr Partner sei nicht nach Hause gekommen, der Kontakt abgebrochen. Obwohl bei erwachsenen, gesunden Menschen in der Regel länger gewartet wird, bis Suchmaßnahmen eingeleitet werden, schaltete ein Beamter des für Vermisstenfälle zuständigen Kommissariats 14 der Münchner Kripo umgehend Kollegen aus Fürstenfeldbruck ein: Die waren wegen des Starnberger Wohnorts des Geschäftsmannes örtlich zuständig. Erst nachdem das Auto des Mannes auf einem Parkplatz der Motorworld entdeckt worden war und sich aufgrund der dort vorgefundenen Spuren Hinweise auf ein mögliches Gewaltdelikt ergaben, übernahm die Münchner Mordkommission, das für Tötungsdelikte zuständige Kommissariat 11, die Federführung.In den folgenden Tagen hätten sich Hinweise und Indizien dann so verdichtet, dass die Beamten am Sonntag von einem Tötungsdelikt ausgingen, berichtete Ritterswürden. Zudem habe es Anlass für die Vermutung gegeben, dass der 51-Jährige in den Anzinger Forst verbracht worden sein könnte, weshalb dort intensiv gesucht worden sei.Der Mord soll im Bereich der Motorworld geschehen sein. Florian PeljakGleichzeitig habe sich ein dringender Tatverdacht gegen den 37-Jährigen erhärtet, der am Montag an seinem Wohnort festgenommen wurde. Einen Tag später erließ das Amtsgericht München auf Antrag der Staatsanwaltschaft München I den Haftbefehl wegen Mordes gegen den Mann. Dieser sei bereits polizeilich in Erscheinung getreten, sagte Ritterswürden; Einzelheiten wollte er auch dazu nicht nennen.Die Nationalität des Mannes werde aus Gründen der Persönlichkeitsrechte bewusst nicht genannt, erläuterte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft: Er besitze eine sehr seltene Staatsbürgerschaft und sei deswegen womöglich leicht zu identifizieren. Bis zu einem Prozess und einer Verurteilung gilt für den Tatverdächtigen die Unschuldsvermutung.Wie die Polizei weiter mitteilte, sei dann bei weiteren Suchmaßnahmen am späten Dienstagnachmittag im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ein Leichnam aufgefunden worden. Eine gerichtsmedizinische Untersuchung habe am Mittwoch ergeben, dass es sich dabei um den vermissten 51-jährigen Deutschen handelte. „Als Todesursache wurde eine gewaltsame Fremdeinwirkung festgestellt“, hieß es im Polizeibericht weiter. Wo genau der Leichnam entdeckt wurde, teilte Kriminalrat Ritterswürden zunächst nicht mit, ebenso wenig Details zum Tatwerkzeug. Vor allem die Ermittlungen zum Tatablauf und den Hintergründen liefen auf Hochtouren.
Mordverdacht in der Motorworld in München: Vermisster Mann tot aufgefunden – 37-Jähriger in Haft
Der Verdächtige soll den 51-Jährigen ermordet haben. Im Zuge der Ermittlungen wurde diese Woche ein Waldstück in Ebersberg durchkämmt.








