Zehn Euro im Monat. An vielen Orten bekommen Kinder dafür immerhin noch einen Döner. Sogar ein Päckchen Panini-Sticker ist vielleicht vom Restgeld noch drin. So viel ist dem Staat also die private Altersvorsorge seiner Kinder wert. Wer so über die neue Frühstartrente urteilt, wie manche es jetzt tun, hat ihren Zweck nicht verstanden. Denn auch Kleinstbeträge helfen. Und zwar aus gleich mehreren Gründen.Für ein zukunftsfähiges Rentensystem ist auch dieser kleine Baustein von entscheidender Bedeutung. Denn die erste Säule, die gesetzliche Rente, ist in finanzieller Schieflage. Dagegen helfen die neue Kapitalrente, mehr Betriebsrenten, die neue Riester-Rente, aber eben auch die Frühstartrente. Selbst wenn Eltern nichts zur staatlichen Förderung hinzugeben können, kommt durch den Zinseszinseffekt über ein Kindes- und Erwachsenenleben mehr zusammen, als die Hälfte der Deutschen heute an Vermögen hat.Hinzu kommt der Gerechtigkeitsaspekt. Heute ist es primär eine Frage der finanziellen Verhältnisse der Eltern, wie stark sie für ihre Kinder vorsorgen können. Kinder aus einkommensschwächeren Verhältnissen tragen diesen Nachteil ein Leben lang vor sich her, aufholen können sie ihn nicht. Die staatliche Förderung, auch wenn sie wieder mit der Gießkanne erfolgt, ist zumindest ein Beitrag zu mehr Chancengleichheit.Übrigens nicht nur in monetärer Hinsicht. Wessen Eltern selbst am Aktienmarkt tätig sind, geben dieses Wissen auch an ihre Kinder weiter. Dass künftig jedes schulpflichtige Kind in Deutschland ein staatlich bezuschusstes Vorsorgedepot erhält, fördert die Finanzbildung auch derer, die sich mit dem Kapitalsparen nicht durch die Initiative ihrer Eltern beschäftigen mussten.Zumal der Aufwand für den Staat vergleichsweise überschaubar ist. Mit 200 Millionen Euro rechnet Bundesfinanzminister Lars Klingbeil im kommenden Jahr. Die Ausweitung der Mütterrente, durch die Mütter von vor 1992 geborenen Kindern rund 20 Euro mehr Rente im Monat haben, kostet fünf Milliarden Euro, also 25-mal so viel. Klar: Mit mehr Jahrgängen steigt der Betrag. Doch das Geld ist gut angelegt: Je mehr Kinder mit staatlicher Hilfe früh privat vorsorgen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie später Unterstützung benötigen.Dass vor 2020 Geborene leer ausgehen, ist der desolaten Haushaltslage geschuldet. Für eine 7-Jährige ohne vermögende oder finanzgebildete Eltern ist das kein Trost. Hier muss im parlamentarischen Verfahren nachgebessert werden. Auch dass Kinder, deren Eltern sich nicht um einen Depotvertrag kümmern, bis spätestens zu ihrem 25. Geburtstag die für sie von der Bundesbank kollektiv angelegten Mittel beantragen müssen, leuchtet nicht ein. Spätzünder sollte der Staat nicht sich selbst überlassen.