Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Rohölsorte Brent überschritt am Donnerstag wieder die Marke von 100 Dollar. Innerhalb von drei Wochen ist der Preis damit um 37 Prozent gestiegen. Über 100 Dollar lag der Preis das letzte Mal im Mai, kurz bevor die USA und der Iran Verhandlungen zu einer Friedensvereinbarung begannen.Nicht nur wurde aus diesen Verhandlungen nichts, der Konflikt ist seither wieder eskaliert. Schon bis zum Donnerstagnachmittag stieg der Brent-Preis zeitweise um mehr als fünf Prozent, bevor er dann kurz nach 15 Uhr die Marke von 100 Dollar übersprang.Weiter bis auf 120 Dollar je Fass?Am selben Tag hatte die jemenitische Huthi-Miliz nach Aussage Saudi-Arabiens einen saudischen Öltanker im Roten Meer bombardiert. Die pro-iranische Miliz selbst sprach von zwei angegriffenen Schiffen. Der amerikanische Präsident Donald Trump drohte postwendend mit einer „bedeutenden militärischen Bestrafung“.Neben der Blockade in der Straße von Hormus, der für den Öltransport wichtigen Meerenge vor der Küste des Iran, fürchten Analysten nun, dass mit den Angriffen der Huthi-Miliz eine zweite wichtige Handelsroute ausfällt.Linda Yu von der DZ Bank schrieb am Donnerstag in einem Kommentar zu den Angriffen der Huthis: „Sollte neben Hormus nun auch die Meerenge Bab al-Mandab dauerhaft blockiert werden, müssten Tanker den Umweg Südafrika nehmen. Das würde die Transportzeiten massiv verlängern.“ Einen Brent-Preis von mehr als 120 Dollar pro Barrel hält sie in einem solchen Fall für realistisch.Der Preis für ein Barrel der Ölsorte WTI lag mit rund 90,80 Dollar zwar vergleichsweise weit unter dem Brent-Preis. Aber auch das amerikanische Öl stieg am Donnerstag um etwa 4,5 Prozent im Preis.Beide Preise reagieren im Moment empfindlich auf Störungen. Neben der Blockade der wichtigen Handelsrouten im Nahen Osten sinken auch die Füllstände der Öllager vieler Staaten. Der Chef der Internationalen Energieagentur Fatih Birol bemühte sich zwar am vergangenen Mittwoch in einer Stellungnahme darum, die Märkte zu beschwichtigen.Demnach hätten die Regierungen der IEA-Mitgliedstaaten noch etwa eine Milliarde Barrel Erdöl in ihren Notvorräten. Auch werde der Markt durch eine niedrige Nachfrage aus China abgefedert. Dennoch mahnte er zur Dringlichkeit, etwa beim Hochfahren zusätzlicher Raffineriekapazitäten.