Der Flughafen München soll zu einem der wichtigsten europäischen Drehkreuze für den internationalen Flugverkehr ausgebaut werden. Gemeinsam planen die Flughafen München GmbH (FMG), die Betreiberin des Airports im Erdinger Moos, und die Lufthansa einen Erweiterungsbau, der an das Satelliten-Terminal auf dem Vorfeld östlich des Terminals 2 anschließen soll. Mit dem sogenannten T-Stiel soll die Kapazität des Flughafens jährlich um etwa zehn Millionen Passagiere erhöht werden – im vergangenen Jahr starteten und landeten am Münchner Flughafen etwas mehr als 43 Millionen Fluggäste.Dass durch die Neubaupläne am Terminal 2, mit dem der Satellit über eine unterirdische Bahn verbunden ist, die Diskussion um eine dritte Startbahn neu entfacht werden könnte, glaubt Jost Lammers, Geschäftsführer des Flughafens, aber nicht. Bei der Präsentation der Neubaupläne im Biergarten des Airbräus im Airport Center am Mittwochvormittag sagte Lammers, es werde keine zusätzliche Startbahn benötigt, um das prognostizierte Wachstum beim Fluggastaufkommen bewältigen zu können. Das „Zwei-Bahn-System“ – also Starts und Landungen auf den bestehenden zwei Start- und Landebahnen – könne ein Plus von zehn Millionen Fluggästen im Jahr abwickeln, so der Flughafen-Chef.Jost Lammers, CEO des Flughafens, und Heiko Reitz von der Lufthansa stellen die Neubaupläne vor. Martin MühlfenzlGeplant ist, dass das neue Terminal von der Terminal 2 Gesellschaft gebaut wird, einem gemeinsamen Joint Venture der Flughafen GmbH und der Lufthansa, das seit 2003 für die Infrastruktur des Terminals verantwortlich zeichnet. Nach der Zwangspause durch die Corona-Pandemie hatte die Gesellschaft im Jahr 2023 die Pläne für den T-Stiel wieder aufgenommen; nun, so Lammers, finde der Übergang in eine „ganz konkrete Planungsphase mit externen Planungsbüros“ statt.Der Münchner Flughafen und die Lufthansa wollen mit dem neuen Terminal auf dem Vorfeld den Entwicklungen in der internationalen Luftfahrtbranche Rechnung tragen. Zwar würden die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Luftfahrtunternehmen innerhalb Deutschlands insbesondere aufgrund der stetig steigenden Kosten immer schwieriger, betonten Lammers und Heiko Reitz, Hub Manager der Lufthansa am Standort München, unisono. So koste der Start eines Flugzeugs des Typs Airbus 320 am Münchner Flughafen eine Airline etwa 4000 Euro an Gebühren und Steuern, in Madrid hingegen nur 600 Euro.Die Bedeutung von Drehkreuzen im internationalen Flugverkehr aber nehme immer weiter zu, so Lammers, der als Präsident auch dem weltweiten Dachverband der Flughafenbetreiber (ACI) vorsitzt. In diesem Jahr, so der Flughafen CEO, überschreite die Zahl der Passagiere weltweit erstmals die Marke von zehn Milliarden Passagieren – bis ins Jahr 2045 werde die Zahl der Reisenden in der Luftfahrt auf mehr als 18 Milliarden anwachsen. Und auf diesem prosperierenden Markt wollen der Flughafen München und die Lufthansa mitspielen. „Der weltweite Flugverkehr wächst ungebrochen und München kann als Drehkreuz an diesem Wachstum partizipieren“, sagt Reitz.Im April dieses Jahres wurde auf dem westlichen Vorfeld das etwa 360 Meter lange, Pier genannte Terminal eröffnet, von dem aus Non-Schengen-Destinationen bedient werden. Mit diesem mehr als 660 Millionen teuren, hochmodernen Pier hat der Münchner Airport seine Kapazität um jährliche bis zu sechs Millionen Passagiere erhöht.Etwa 500 Meter lang und zwölf Flugzeugpositionen: So könnte der T-Stiel am Satelliten aussehen. Martin MühlfenzlBeim geplanten T-Stiel am Satelliten fallen die Dimensionen noch einmal größer aus. Das neue Terminal soll etwa 500 Meter lang werden und zwölf Flugzeugpositionen erhalten. An diesen können – je nach Belegung und Abfertigung – entweder zwölf Großraumflugzeuge andocken oder alternativ bis zu 22 kleinere Maschinen. Die Kosten für den Neubau schätzt Lammers auf etwa zwei Milliarden Euro, wenngleich konkrete Prognosen angesichts der noch langen Planungszeit nicht möglich seien. Eine Fertigstellung des T-Stiels peilen der Airport und die Lufthansa Mitte der Dreißigerjahre an.Mit dem neuen Terminal, so Lammers, gehe es aber nicht nur darum, die Kapazitäten des Flughafens zu erhöhen. Es gehe auch um die Qualität für die Reisenden – um das Passagiererlebnis, die Aufenthaltsqualität, geringere Wartezeiten und schnellere Abläufe. „Und um moderne Technologien, Energieeffizienz, die Reduzierung von Emissionen, einen ressourcenschonenden Bau und die Orientierung an internationalen Standards“, so Lammers.Und auch München und die Region sollen von dem Neubau profitieren, schließlich ist der Airport kein unerheblicher Wirtschaftsfaktor für ganz Bayern. Jeder hundertste Euro, der in Bayern erwirtschaftet werde, so Lammers, stehe im Zusammenhang mit dem Flughafen – und der größte Arbeitgeber am Airport sei die Lufthansa. Durch den Neubau erwartet der Flughafen-Chef zudem die Schaffung von 8000 bis 9000 neuen, dauerhaften Arbeitsplätzen am Standort München, ohne die Arbeitsplätze während der „Bauphase“. „Wir wollen weiter wachsen, um im Wettbewerb zu bestehen. Wir schaffen zusätzliche Kapazitäten, um langfristig erfolgreich zu sein“, sagt der Flughafen-CEO.Aber auch kurzfristig muss der Flughafen funktionieren. Alleine in den bayerischen Sommerferien erwartet der Airport etwa sechs Millionen Reisende. Viele Urlauber zieht es dabei ans Mittelmeer – aber auch über das Drehkreuz München etwa nach Asien oder in die USA.